Der Kölner Alpenverein feiert 150 Jahre mit 28.000 Mitgliedern. Wir zeigen, was den Verein so besonders macht und warum die Berge uns einfach nicht loslassen.
Köln und die Berge – klingt erstmal nach einem ungleichen Paar. Die höchste Erhebung der Domstadt, der Monte Troodelöh, bringt es auf gerade mal 118 Meter über dem Meeresspiegel. Trotzdem ist der Kölner Alpenverein inzwischen auf stolze 28.000 Mitglieder angewachsen und damit der zweitgrößte Verein in der Stadt – übertroffen nur vom 1. FC Köln. In diesem Jahr feiert der Verein sein 150-jähriges Jubiläum. Und das ordentlich.1
Zum runden Geburtstag ließ sich der Kölner Alpenverein etwas ganz Besonderes einfallen: Bereits am 19. Februar – dem Tag, an dem vor 150 Jahren die Sektion gegründet wurde – startete eine Staffelwanderung direkt am Kölner Dom. Kölns Dombaumeister Peter Füssenich überreichte dabei einen kleinen Stein vom Dom, ein Teil eines gotischen Fensters. Dieser Stein wird seitdem von Gruppe zu Gruppe über insgesamt 1.600 Kilometer getragen – von Köln bis zum „Kölner Haus“ in Tirol, das auf 1.965 Metern Höhe oberhalb der Gemeinde Serfaus liegt. Das große Jubiläumsfest stieg dann am Sonntag dort oben.1
Vorsitzender Kalle Kubatschka – seit 2004 an der Spitze des Vereins – erklärt den Wachstum ganz klar: gutes Programm, viele Angebote und der anhaltende Trend zu Outdoor-Sport. Im Jahr 2000 zählte der Verein noch rund 5.000 Mitglieder. Seitdem legte er im Schnitt sieben bis acht Prozent pro Jahr zu – auch während Corona. Damit ist die Kölner Sektion heute die sechstgrößte von insgesamt 355 Sektionen im Deutschen Alpenverein (DAV), der Ende 2025 insgesamt 1,65 Millionen Mitglieder zählte. Pro Jahr bietet der Kölner Alpenverein rund 800 Veranstaltungen an – von Tagestouren bis zu Ausbildungskursen in Kletter- und Boulderhallen.1
Zu den wichtigsten Meilensteinen der letzten 150 Jahre zählt Kubatschka auch die Aufarbeitung der NS-Geschichte. Der DAV hatte damals mit dem Nationalsozialismus kooperiert und einen Arier-Paragrafen eingeführt. Die Kölner Sektion hat recherchiert, welche jüdischen Mitglieder damals aus dem Verein gedrängt wurden – und erinnert seit 2017 mit einem Stolperstein-Projekt an sie. Fast 40 Steine wurden bereits an verschiedenen Orten in Köln verlegt.1
Doch das Jubiläum hat auch nachdenkliche Töne. Kubatschka beschreibt, wie der Klimawandel die Berge verändert – und das spürbar. Sein einstiger Lieblingsberg, der Großglockner, hat durch die Gletscherschmelze so viel Masse verloren, dass es ihn schlicht schmerzt. Und das ist längst nicht alles: Auftauende Permafrostböden sorgen für mehr Steinschläge, instabile Hüttenstandorte und sogar Wassermangel auf manchen Schutzhütten. DAV und Österreichischer Alpenverein unterhalten gemeinsam über 60.000 Kilometer Wege und Steige – einige davon müssen aufwendig verlegt werden, weil sie durch die Klimaveränderungen unsicher geworden sind.1
Trotz aller Herausforderungen bleibt die Faszination der Bergwelt ungebrochen. Kubatschka bringt es auf den Punkt: „Die Unkalkulierbarkeit bietet einen gewissen Reiz.“ Der Berg lässt sich nicht hundertprozentig kontrollieren – und genau darin liegt für viele Menschen die Freiheit. Den Gipfel trotz Risiko zu erreichen, das Unberechenbare zu meistern – das ist es, was Menschen immer wieder in die Höhe treibt.1
Wer jetzt selbst Lust bekommen hat, die Bergwelt zu erkunden: Bis zum 31. Oktober 2026 erlässt der Kölner Alpenverein Neumitgliedern die Aufnahmegebühr von bis zu 47 Euro. Ein ziemlich guter Deal für den Einstieg in eine 150 Jahre alte Abenteuergemeinschaft.1
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