Der Kreis Borken soll laut EEG-Novelle zur Küstenregion werden – 150 km von der Nordsee entfernt. Ein Bürgerwindpark in Heek steht damit vor dem Aus.
Klingt erstmal wie ein schlechter Witz – ist aber bitterer Ernst: Im neuen Regierungsentwurf für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) soll der Kreis Borken plötzlich als Küstenregion gelten. Dabei liegt er satte 150 Kilometer von der Nordsee entfernt. Für die Planer eines Bürgerwindparks in Heek bedeutet das: Millionenverluste und ein Projekt, das möglicherweise nie gebaut wird.1
Seit 2022 planen Landwirt Bernhard Borgert und seine beiden Berufskollegen Thomas Wesbuer und Lukas Wolters einen Bürgerwindpark am Ortsrand von Heek. Vier Windräder, je 250 Meter hoch, mitten auf Ackerflächen. Jahre der Vorbereitung, jede Menge Investitionen – und dann kommt ein Gesetzentwurf aus Berlin und erklärt ihre Region kurzerhand zur Küstenregion.1
Was das konkret bedeutet? Windräder in der neuen Küstenregion sollen laut EEG-Entwurf deutlich weniger Vergütung erhalten als bisher. Borgert hat nachgerechnet: „Damit sinkt unsere Vergütung sehr stark, so dass wir für unser Projekt im Jahr 300.000 Euro weniger Einnahmen haben.“ Über die gesamte Vertragslaufzeit summieren sich die Einnahmeverluste laut seinen Angaben auf rund sechs Millionen Euro – das Projekt würde unwirtschaftlich werden.1
Mitinitiator Thomas Wesbuer bringt es auf den Punkt: „Ich hab wirklich an einen Aprilscherz gedacht. Wir fahren zwei Stunden mit dem Auto, dann sind wir in der Küstenregion.“ Das Bundeswirtschaftsministerium begründet die Einstufung übrigens nicht nur mit geografischen Faktoren, sondern vor allem mit der sogenannten Windhöffigkeit – also dem Energiegewinnungs-Potenzial von Windrädern an bestimmten Standorten.1
Christoph Austermann vom Unternehmen Bäuerlicher Bürgerwind widerspricht dieser Einschätzung aber klar: Er bezweifelt, dass die Windverhältnisse im Kreis Borken mit denen an der echten Küste vergleichbar sind.1
Auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur spart nicht mit Kritik. In einer Stellungnahme erklärte sie: „Wer als Gipfel des Unfugs den Kreis Borken absurderweise zur Wind-Küstenregion erklärt, verfehlt das Ziel eines wirtschaftlichen und kontinuierlichen Ausbaus der Erneuerbaren.“ Neubaur wirft der Bundesregierung vor, mit der EEG-Novelle neue Barrieren hochzuziehen und das Feedback aus Ländern und Branchen seit Wochen zu ignorieren. Statt verlässlicher Anreize für Wind, Solar und Biogas drohten neue „bürokratische Fesseln“.1
Der Windpark in Heek ist kein Einzelfall. Nach Angaben des Kreises Borken könnten mindestens 15 weitere Windparkprojekte von der geplanten Neuregelung betroffen sein.1
Und es hängen nicht nur die drei Landwirte dran: Mehr als 20 Menschen haben sich als Gesellschafter an der Bürgerwind GbR beteiligt und Geld für die Planungskosten bereitgestellt. Bürokauffrau Ingrid Brillert bringt es auf den Punkt: „Unsere Einlage von 30.000 Euro – die wäre dann weg.“1
Das letzte Wort hat noch der Bundestag, der dem neuen EEG erst noch zustimmen muss. Borgert setzt jetzt auf Bundestagsabgeordnete aus der Region, die ihm zugesagt haben, sich für Änderungen am Gesetzentwurf einzusetzen. Seine Hoffnung: dass der Kreis Borken am Ende doch keine Küstenregion wird. Mit einem Augenzwinkern fügt er hinzu: „Weil so viele Möwen und Robben haben wir hier nicht.“1
Wir von Antenne NRW bleiben für euch dran und halten euch auf dem Laufenden, wie die Entscheidung in Berlin ausgeht – für Heek, für den Kreis Borken und für die Windenergie in ganz NRW.
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