Betrügerbande mit gefälschten Gerichtskostenrechnungen: Der BGH hat die Urteile bestätigt – bis zu 4,5 Jahre Haft.
Krasse Neuigkeiten aus dem Kreis Mettmann – und diesmal geht es nicht um Raser auf der Straße: Eine international agierende Betrügerbande, die jahrelang mit gefälschten Gerichtskostenrechnungen abgezockt hat, bekommt jetzt die volle Quittung. Der Bundesgerichtshof hat am 30. Juli 2026 die Revisionen der Angeklagten verworfen – das Urteil ist damit größtenteils rechtskräftig.1
Die Bande verschickte seit September 2020 mehr als 150.000 gefälschte Gerichtsrechnungen für Handelsregistereintragungen – und zwar aus dem Raum Düsseldorf heraus. Rund 3.000 Unternehmen und Vereine fielen auf die Täuschung rein und überwiesen jeweils einen hohen dreistelligen Betrag. Der Gesamtschaden: satte 2,7 Millionen Euro.1
Das klingt nach einem riesigen Aufwand – und das war es auch. Zur Ergreifung der Täter wurde unter Beteiligung von Eurojust und Europol eine gemeinsame Ermittlungsgruppe gegründet. Ermittler aus Lettland, Litauen, Ungarn, Malta, Bulgarien und Tschechien verfolgten das überwiesene Geld quer durch Europa. Die Spur führte nach Estland und von dort zurück zum mutmaßlichen Kopf der Bande in Düsseldorf.1
Das Landgericht Detmold hatte bereits am 27. November 2024 Freiheitsstrafen verhängt – der BGH hat diese jetzt für drei der Verurteilten bestätigt:1
Einen Haken gibt’s allerdings: Die Staatsanwaltschaft Detmold hatte in ihrer Revision gerügt, dass die Wertersatzeinziehung zu niedrig angesetzt wurde. Hier hat der BGH der Staatsanwaltschaft Recht gegeben und die Entscheidung zur Einziehung des Tatertrags aufgehoben – die Sache geht zurück an eine andere Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Detmold.1
Dabei war das noch nicht alles. Am 9. Juli 2026 hat die Staatsanwaltschaft Detmold bereits Anklage gegen zwei weitere Mittäter und einen Gehilfen erhoben. Den beiden Mittätern wird gewerbsmäßiger Bandenbetrug in sage und schreibe 272 Fällen vorgeworfen. Der Gehilfe soll in sieben Fällen Beihilfe zu diesen Taten geleistet haben.1 Gegen weitere Bandenmitglieder laufen die Ermittlungen laut Staatsanwaltschaft noch.
Beim länderübergreifenden Zugriff im April 2023 waren rund 70 Polizeibeamte sowie ein Banknoten- und ein Rauschgiftspürhund im Einsatz. Detmolder Staatsanwälte begleiteten die Festnahmen persönlich – in Estland und im Rheinland. In Düsseldorf, Ratingen und Langenfeld beschlagnahmte die Polizei Beweismittel, sicherte Bargeld, weitere Vermögenswerte, Betäubungsmittel sowie eine scharfe Schusswaffe. Außerdem wurden rund 300 Bankkonten eingefroren. Sichergestellte Vermögenswerte belaufen sich auf ca. 150.000 Euro – die Abwicklung kann erst nach Rechtskraft der Einziehungsentscheidung erfolgen.1
Die Kreispolizeibehörde Mettmann war von Anfang an mit dabei – das Landeskriminalamt NRW hatte sie mit den polizeilichen Ermittlungen beauftragt, weil die gefälschten Rechnungen in Langenfeld bei Düsseldorf zur Post gegeben worden waren. Dieser Einsatzwille ist übrigens nichts Neues für die Behörde: Wie wir in einem früheren Beitrag berichtet haben, zog die Polizei Mettmann auch bei einer Blitzaktion gegen Raser in Ratingen ein beeindruckendes Ergebnis – 400 Temposünder in nur fünf Stunden.2
Wer als Geschädigter des Rechnungsbetrugs Hinweise oder Ansprüche hat: Die Staatsanwaltschaft Detmold wird zu gegebener Zeit auf ihrer Website Infos für Betroffene veröffentlichen.1
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