Neue Details zur Häftlingsbefreiung in Essen: Woher hatten die Täter die Schlüssel und wie wurden sie über den Arzttermin informiert?
Nach der spektakulären Befreiung des Untersuchungshäftlings Dijvar Gündüz in Essen gibt’s jetzt neue Infos, die den Fall noch mysteriöser machen. Wie bereits in einem früheren Beitrag berichtet, waren Gündüz und seine Befreier nach dem dreisten Überfall auf dem Weg zur Arztpraxis spurlos verschwunden. Jetzt hat sich NRW-Justizminister Benjamin Limbach in einer Sondersitzung des Landtags-Rechtsausschusses zu Wort gemeldet und einige Details klargestellt – aber längst nicht alle Fragen beantwortet.
Eine der größten offenen Fragen: Wie kamen die Fluchthelfer eigentlich an einen passenden Schlüssel für die Fußfesseln von Gündüz? Laut Vertretern des Justizministeriums hatten die beiden JVA-Beamten, die Gündüz zum Arzttermin brachten, ihre eigenen Schlüssel für die Fesseln nach dem Überfall noch bei sich. Das heißt: Die Täter müssen einen eigenen Schlüssel dabei gehabt haben. Wie sie da rangekommen sind, ist bis heute unklar.
Auch die zeitliche Komponente wirft Fragen auf. Nach Angaben des Ministeriums erfuhr Gündüz selbst erst am Abend vor dem Termin, dass er am nächsten Tag zu einer MRT-Untersuchung in eine radiologische Praxis gebracht werden sollte. Wie seine Komplizen innerhalb von weniger als 24 Stunden davon Wind bekommen konnten, bleibt offen. Im Rechtsausschuss stellte der CDU-Abgeordnete Gregor Golland deshalb die zentrale Frage: Gab es einen Maulwurf in der JVA, oder hat Gündüz ein eingeschmuggeltes Handy benutzt? Laut Focus Online wollte sich Limbach dazu nicht festlegen und verwies auf die laufenden Ermittlungen.
Immerhin eine gute Nachricht gibt’s: Die Täter konnten die Dienstwaffen der Justizbediensteten nicht an sich bringen. Eine Pistole steckte während des gesamten Vorfalls noch im Holster des Beamten, die andere wurde von der Polizei direkt am Tatort sichergestellt. Laut Focus Online hatte einer der Beamten versucht, seine Waffe zu ziehen, die aber nicht durchgeladen war – die Täter schlugen sie ihm aus der Hand. Anschließend wurden beide Beamte am Treppengeländer gefesselt, bevor die drei Männer mit dem Fahndungsfoto auf und davon waren.
Im Ausschuss wurden auch weitere Details zur kriminellen Vergangenheit des 34-Jährigen bekannt. Gündüz wurde zuletzt wegen Rauschgifthandels zu zwölf Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. In einem weiteren Verfahren kassierte er wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung eine Haftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten. Beide Urteile sind allerdings noch nicht rechtskräftig – deshalb saß er zuletzt in Untersuchungshaft. Schon als Jugendlicher war er mehrfach straffällig geworden, unter anderem wegen bandenmäßigen Diebstahls. Insgesamt bringt es Gündüz laut Focus Online auf acht Vorstrafen, darunter auch schwerer Raub.
Limbach kündigte im Rechtsausschuss an, die beiden Vollzugsbeamten noch am selben Tag persönlich besuchen zu wollen. Er betonte, dass beide Beamten körperlich unverletzt geblieben seien und in einer extremen Gefahrensituation besonnen gehandelt hätten. Die Tat bezeichnete er als Angriff auf den Rechtsstaat insgesamt.
Kritik kam derweil von der FDP: Der rechtspolitische Sprecher Werner Pfeil bemängelte laut Focus Online, dass die örtliche Polizei nicht vorab über den Arzttermin eines Schwerstkriminellen informiert worden sei. Außerdem stellte er die Frage, warum die Polizei stundenlang auf das Fahndungsfoto habe warten müssen. Ob Gündüz tatsächlich Verbindungen zur kurdisch-libanesischen Clankriminalität hat, konnte der Minister nicht bestätigen – die Ermittler gehen aber laut Focus Online von engen Verbindungen in diese Kreise aus.
Auch Tage nach der Flucht bleiben die wichtigsten Fragen offen: Woher kamen die Schlüssel, wie wurden die Täter informiert, und wer steckt wirklich hinter der ganzen Aktion? Die Ermittlungen laufen weiter, während Gündüz und seine Komplizen weiterhin spurlos verschwunden sind.
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