Leonard Stoica leitet seit 27 Jahren die Sicherheit im Museum Ludwig Köln. Was er dort erlebt, ist alles andere als langweilig – von Prominenten bis zu…
Bequeme Schuhe, ein ruhiges Gemüt und die Fähigkeit, freundlich streng zu sein – das ist laut Leonard Stoica das wichtigste Handwerkszeug für den Job, den er seit bald 27 Jahren macht. Als Objektleiter für Sicherheit im Kölner Museum Ludwig hat er so ziemlich alles erlebt: Schlangen bis zum Dom, Hollywood-Stars mit falscher Währung und eine Taube, die stundenlang im Foyer residierte und partout nicht gehen wollte.1
Sein Weg ins Museum? Eigentlich nur als Übergangslösung gedacht. Der gelernte Starkstromelektriker sollte ursprünglich nur drei Monate bleiben, „bis der Laden läuft“ – und blieb dann einfach. Bereut hat der 56-Jährige das nie. „Mittlerweile liebe ich das Museum“, sagt er, „es ist wie mein eigenes Haus.“1
Aktuell läuft die Kusama-Ausstellung im Ludwig auf Hochtouren, und der Andrang ist enorm. Bis zu 4.000 Menschen täglich strömen durch die Räume – eine Herausforderung für Stoica und sein Team. Die Zahl seiner Aufsichten hat sich während der Schau auf über 100 mehr als verdoppelt.1
Dabei ist nicht alles eitel Sonnenschein. „Wir hatten teilweise drei Rettungseinsätze täglich, meistens wegen akuter Kreislaufschwäche“, berichtet Stoica. Und das ist nicht das einzige Problem: Mehrfach im Monat rückt sogar die Polizei an – nicht für eine Führung, sondern aus echtem Anlass. Seit der Corona-Pandemie sei die Stimmung unter den Besuchern aggressiver geworden, der Respekt gegenüber den Aufsichten habe abgenommen.1
Das klingt nach einem typischen Dienstagnachmittag im Ludwig: Eltern lassen ihre Kinder laufen, man spricht sie freundlich an – und in dem Moment ist das Kind schon direkt an der Skulptur. Einige Besucher denken laut Stoica: „Wenn ich es kurz anfasse, passiert schon nichts.“ Spoiler: Doch, das kann es.1
Trotzdem bleibt Stoica immer höflich. Sein Vorbild dabei ist bewusst das Gegenteil vom Louvre, wo er die pampige Art der dortigen Aufsichten selbst als störend empfunden hat. „Wie man mit den Besuchern redet, kommt es auch zurück. Und wenn nicht, darf man es nicht persönlich nehmen.“1 Klingt nach echter Lebensweisheit, oder?
In fast drei Jahrzehnten hat Stoica einige prominente Gäste empfangen – darunter Schauspieler Dennis Hopper, Komiker John Cleese, Angela Merkel, Gerhard Schröder und die Klitschko-Brüder. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm Christian Slater, der als ganz normaler Tourist zur Kasse kam – aber nur US-Dollar dabei hatte. „Die haben wir im Bahnhof für ihn gewechselt, und Slater hat zum Dank Fotos mit unseren Aufseherinnen gemacht.“1
Weniger glamourös, aber mindestens genauso unvergesslich: die Taube, die kurz vor Toresschluss ins Foyer flog und nicht mehr raus wollte. Feuerwehr? Nicht zuständig. Tierschutzverein? Auch nicht. Am Ende fing Stoicas Team den Vogel mit ihren eigenen Jacken ein und brachte ihn gesund nach draußen. Problem gelöst – ganz ohne Superheldenkostüm.1
Was viele nicht wissen: Das Museum Ludwig beherbergt die drittgrößte Picasso-Sammlung der Welt und die größte Pop-Art-Kollektion außerhalb Amerikas.1 Und das alles blieb in Stoicas gesamter Dienstzeit von Diebstählen verschont. „Wir sind gut organisiert“, sagt er – und die Bilder seien ohnehin ziemlich groß. Mal eben unterm Arm rausschmuggeln? Eher schwierig.
Sein persönliches Lieblingsstück der Sammlung ist Salvador Dalis „Bahnhof von Perpignan“. Auf das schaut er besonders gern – kein Wunder, dass er seinen Job als mehr als nur einen Job sieht. Mittlerweile besucht er im Urlaub sogar selbst große Museen. Seine Freunde behaupten allerdings, er interessiere sich dort vor allem für Notausgänge und Überwachungskameras.1
Für die meisten Besucher ist nicht der Direktor das Gesicht des Museums – sondern die Aufsichten. Leonard Stoica nimmt diese Rolle sehr ernst. So ernst, dass es ihm fast peinlich ist, ohne Krawatte fotografiert zu werden. Immerhin: Der Krawattenzwang fiel schon unter dem früheren Ludwig-Direktor Kasper König. Das weiße Hemd zur schwarzen Anzughose bleibt aber Pflicht – und natürlich bequemes Schuhwerk.1
Das Museum Ludwig in Köln ist übrigens eine echte Institution – und wenn du es noch nicht besucht hast, wäre die laufende Kusama-Ausstellung ein guter Anlass. Nur bitte: Hände weg von den Skulpturen.
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