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Man Ray im Museum Ludwig: Die Geschichte hinter Kikis berühmtem Rückenakt
31. Oktober 2026

Das Museum Ludwig in Köln zeigt Man Rays berühmten Rückenakt von Kiki de Montparnasse und erzählt die Entstehungsgeschichte hinter der Foto-Ikone.

Eine Fotografie, die Kunstgeschichte schrieb

Ab dem 31. Oktober 2026 zeigt das Museum Ludwig in Köln eine neue Präsentation in den Fotoräumen, die sich komplett einem einzigen Bild widmet: Le Violon d’Ingres von Man Ray aus dem Jahr 1924. Die Ausstellung läuft bis zum 13. Juni 2027 und dreht sich um die Entstehung und Wirkungsgeschichte eines der bekanntesten Werke des Surrealismus. Kuratiert wird die Schau von Miriam Szwast.

Im Zentrum steht ein Rückenakt von Alice Prin, besser bekannt als Kiki de Montparnasse. Man Ray hat auf ihren Rücken die Schalllöcher einer Geige montiert und ihren Körper damit optisch in ein Streichinstrument verwandelt. Die Idee dahinter: eine Anspielung auf den klassizistischen Maler Jean-Auguste-Dominique Ingres, der neben der Malerei auch leidenschaftlich gerne Geige spielte.

Zwei Versionen, eine Legende

Richtig spannend wird’s, wenn man sich die Entstehung genauer anschaut. Laut Museum Ludwig existieren von Le Violon d’Ingres zwei Urfassungen. Bei der ersten Version malte Man Ray die Schalllöcher einfach direkt auf den fertigen Fotoabzug. Dieses Bild veröffentlichte André Breton bereits 1924 in der surrealistischen Zeitschrift Littérature, heute hängt es im Centre Pompidou in Paris.

Für die zweite Fassung ging Man Ray einen technisch aufwendigeren Weg: Er fertigte eine Schablone der Schalllöcher an und kombinierte sie als Fotogramm mit einem Print vom Negativ des Rückenakts. Genau von dieser zweiten Version stammt die spätere, eigenhändig signierte Reproduktion, die jetzt im Museum Ludwig zu sehen ist. Der Abzug trägt die Signatur „E.A. Man Ray“ – E.A. steht für „Épreuve d’artiste“, also Künstlerabzug, und ist bei Sammlern besonders gefragt.

Vom Sammlerstück zum Rekordpreis

Der im Museum Ludwig gezeigte Abzug kam 1977 mit der Sammlung von L. Fritz und Renate Gruber ins Haus und gehört damit zu den Gründungswerken der Sammlung Fotografie im Museum Ludwig. Wie viele Abzüge des Motivs insgesamt existieren, ist laut Museum bis heute nicht vollständig geklärt – bekannt sind nur wenige Exemplare.

Richtig berühmt wurde das Motiv aber noch mal neu im Jahr 2022: Wie photoscala.de berichtet, erzielte eine Fassung von Le Violon d’Ingres bei einer Auktion einen Rekordpreis und wurde damit zur teuersten je versteigerten Fotografie überhaupt.

Wer war eigentlich Kiki de Montparnasse?

Alice Prin, die als Kiki de Montparnasse bekannt wurde, lebte von 1901 bis 1953 und wuchs in Armut auf. In Paris verdiente sie ihren Lebensunterhalt als Sängerin, Schauspielerin, Malerin und Modell – auf ihrem Grabstein stand später sogar „Königin von Montparnasse“. Bereits in jungen Jahren stand sie Malern Modell. 1921 lernte sie Man Ray kennen, die beiden wurden ein Paar und blieben acht Jahre zusammen. In dieser Zeit entstanden zahlreiche Porträts und Aktaufnahmen von ihr.

Mehr als nur ein Bild

Die Präsentation im Museum Ludwig zeigt neben Le Violon d’Ingres weitere Fotografien, die Man Ray von Alice Prin aufnahm, sowie historische Bild- und Tonaufnahmen und Archivmaterial aus dem Man Ray – L. Fritz Gruber-Archiv des Museums. Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig, erklärt laut Museumsangaben, dass das Haus über einhundert Fotografien, Gemälde und Objekte sowie umfangreiches Archivmaterial zu Man Ray besitzt. Mit der Schau soll zugleich an die jahrzehntelange Verbindung des Sammlerehepaars Gruber zu Man Ray und später zum Museum Ludwig erinnert werden.

Wer sich für die Geschichte hinter einer der bekanntesten Fotografien der Kunstgeschichte interessiert, bekommt hier also nicht nur das Bild selbst zu sehen, sondern auch jede Menge Hintergrund dazu, wie aus einem Experiment in der Dunkelkammer eine echte Ikone wurde.

Quellen


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