NRW plant Sammelbestellung von Feuerwehrautos: Reul will Kommunen entlasten, Preise drücken und den Fuhrpark landesweit standardisieren.
Checkt mal diese News: Landesinnenminister Herbert Reul will noch im November ein Pilotprojekt starten, das für die Feuerwehren in NRW einiges verändern könnte.1 Statt dass jede Kommune ihre Feuerwehrautos einzeln bestellt, soll es jetzt eine Sammelbestellung geben. Klingt erstmal unspektakulär, ist aber eigentlich ein richtiger Gamechanger für die Städte und Gemeinden im Land.
„Unsere Feuerwehren brauchen vernünftige Fahrzeuge und keine komplizierten Vergabeverfahren“, so Reul.1 Und damit hat er eigentlich schon den Kern des Problems getroffen: Bisher bestellt jede Kommune ihre Autos komplett in Eigenregie – mit viel Bürokratie und wenig Preismacht.
Hier wird’s spannend: Weil die Nachfrage von den Kommunen total zersplittert ist, aber nur vier spezialisierte Hersteller den Markt beherrschen, haben die Firmen bei Kleinstbestellungen mit ganz vielen Sonderwünschen quasi freie Hand bei den Preisen.1 Ein Drehleiterfahrzeug kostet mittlerweile im Schnitt schon 1,2 Millionen Euro – satte 50 Prozent mehr als noch vor einigen Jahren.1
Weltmarktführer ist übrigens die österreichische Firma Rosenbauer, die mittlerweile einem Investorenkonsortium rund um Mark Mateschitz gehört – dem Sohn des verstorbenen Red-Bull-Gründers.1 Mit einem Auftragsbestand von 2,36 Milliarden Euro sind die auf Jahre ausgelastet.
Das NRW-Innenministerium will die Vergabe jetzt für die Kommunen übernehmen und dabei auch für Rechts- und Vergabesicherheit sorgen.1 Schon im November 2026 sollen Städte und Gemeinden informiert werden, im ersten Quartal 2027 folgt dann eine verbindliche Abfrage. Erste Auslieferungen sind ab 2029 geplant.
Fürs Pilotprojekt hat man sich für zwei Fahrzeugtypen entschieden: das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug 10 (HLF 10) – quasi der Klassiker unter den Feuerwehrautos – sowie ein Mannschaftstransportfahrzeug, im Prinzip ein VW-Bully.1 Dank DIN-Normen sind die Anforderungen eh standardisiert, das macht die Sache einfacher.
Christoph Schöneborn, Vorsitzender des Verbands der Feuerwehren in NRW, findet die Initiative richtig gut: „Wir begrüßen das nicht nur ausdrücklich, unser Fachausschuss Technik hat an der Konfiguration mitgearbeitet.“1 Auch in Köln gibt’s Zustimmung, obwohl die Berufsfeuerwehr dort schon länger eigenständig handelt.
Daniel Richmann, stellvertretender Leiter der Kölner Feuerwehr, erklärt: „Gemeinsame Ausschreibungen senken den Verwaltungsaufwand und erhöhen die Rechtssicherheit; hiervon profitieren insbesondere kleinere Kommunen mit Freiwilligen Feuerwehren und vergleichbarem Gefährdungspotenzial.“1 Köln macht das mit seiner „Beschaffungsoffensive“ übrigens schon seit sieben Jahren und hat zuletzt unter anderem 18 HLF 10, neun Drehleitern und 85 Rettungswagen beschafft.1
Für die klammen Kommunalhaushalte in NRW ist das Ganze eine riesige Erleichterung. Jährlich bestellen die Kommunen Neufahrzeuge für bis zu 350 Millionen Euro.1 Zum Vergleich: Mecklenburg-Vorpommern hat durch eine Sammelbestellung von 71 HLF-10-Fahrzeugen pro Auto rund 60.000 Euro gespart.1
Und auch für die rund 93.000 ehrenamtlichen Feuerwehrleute in NRW bringt die Standardisierung einen handfesten Vorteil: Das Training wird easier, wenn überall die gleichen Fahrzeuge stehen.1 „Ein einheitlicher Fuhrpark erleichtert auch das Training erheblich“, bestätigt Schöneborn.1 Auch Stefan Gandelau, Kreisbrandmeister in Siegburg, findet die Pläne „sehr positiv“.1
Sollte das Pilotprojekt klappen, soll das Prinzip künftig auch auf andere Fahrzeugtypen ausgeweitet werden.1 Gerade nach den heftigen Waldbränden im Sommer steht den Kommunen sowieso eine neue Welle an Anschaffungen bevor – da kommt die Sammelbestellung gerade zur rechten Zeit.
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