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Von der Kaserne zur Waldschule: Die Geschichte der Freiluga in Köln-Müngersdorf
2. August 2026

Aus einer preußischen Kaserne wurde eine Naturschule: Die Freiluga in Köln-Müngersdorf begeistert seit 101 Jahren Schulkinder mit Bienen, Gärten und echten…

Eine Kaserne, die zur Schule wurde – und das seit 101 Jahren

Wer hätte gedacht, dass aus einem preußischen Militärgelände mitten in Köln einer der coolsten Lernorte für Kinder werden würde? Die Freiluft- und Gartenarbeitsschule Freiluga an der Belvederestraße in Müngersdorf macht genau das möglich – und das schon seit 101 Jahren. Hier lernen Kölner Schulkinder, wie man Bienen hält, Kartoffeln anbaut und – ja, auch das – einen Regenwurm auf die Hand nimmt.1

Preußisches Militär trifft Schulgarten

Das Gelände, auf dem die Freiluga heute steht, hat eine bewegte Vergangenheit. Das sogenannte Zwischenwerk Va wurde von 1875 bis 1877 als Teil des äußeren Festungsgürtels rund um Köln errichtet. In der Kehlkaserne, dem einzigen erhaltenen Gebäude des Werks, waren damals rund 150 Soldaten untergebracht – heute tummeln sich hier Schulklassen aus der ganzen Stadt.1

Über dem alten Kaserneneingang prangt ein Zitat von Friedrich Schiller: „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit. Und neues Leben blüht aus den Ruinen.“ Passender hätte man die Verwandlung dieses Ortes kaum beschreiben können.1

Frische Luft statt Kasernenhof: Die Freiluga ab 1925

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Köln seine Festungsanlagen unbrauchbar machen. Auf Initiative von Oberbürgermeister Konrad Adenauer durften jedoch einige Kasernengebäude stehen bleiben und in die neuen Grüngürtel der Stadt integriert werden. Der Entwurf für die Freiluga stammt vom städtischen Gartendirektor Fritz Encke.1

Ab 1925 diente die Freiluga dann sowohl medizinischen als auch pädagogischen Zwecken. Großstadtkinder aus der dicht bebauten Altstadt kamen hierher, um fettreiche Kost, frische Luft und Sonnenlicht zu bekommen – quasi eine Kur für die kleinen Kölner. Unterricht fand möglichst unter freiem Himmel statt, es gab ein Planschbecken, ein Freilufttheater und Turnplätze. Jede Klasse pflegte ihr eigenes Beet in den Schulgärten. Gemeinschaftssinn, Selbstversorgung und Heimatliebe sollten so ganz natürlich aufblühen.1

Auf 5,5 Hektar gibt es immer etwas zu entdecken

Heute ist die Freiluga ein außerschulischer Lernort der Stadt Köln – und mit 5,5 Hektar Fläche ein echtes Naturparadies mitten in der Stadt. Rund um die alte Kehlkaserne sind noch originale Freiluft-Klassenräume mit Sitzgelegenheiten und Garderobenständern erhalten. Zur frühen Ausstattung gehört außerdem ein Felsengarten mit Teich sowie ein geologisches Wandmodell des Rheintals von 1932.1

Neu dazugekommen ist zum Beispiel eine Igelstation, die Betriebsgärtner und Imker Mohamed Maameri aufgebaut hat. Das angeschlossene Schulbiologische Zentrum bekam 2010 sogar ein nagelneues Gebäude. Rund 6.000 Schülerinnen und Schüler kommen hier jedes Jahr vorbei und lernen alles über Honigbienen, Kartoffelanbau oder Klimaschutz.1

Ein Comeback in den 70ern – und heute beliebter denn je

In den 1960er Jahren war die Freiluga kaum noch gefragt – die Menschen wurden wohlhabender, hatten eigene Gärten, und Krankheiten verloren durch Impfungen ihren Schrecken. Doch Anfang der 1970er Jahre erlebte die Freiluga ihr Comeback: Ein neues ökologisches Bewusstsein entstand in Deutschland, und das Schulbiologische Zentrum eröffnete 1972 – seitdem wird hier wieder richtig wissenschaftlich gearbeitet.1

Lehrer Nikolas Wiese, der sich seit 2011 um die Freiluga kümmert, wundert sich kaum, dass der Ort bis heute existiert: „Sie ist erstens die größte und zweitens die schönste“, sagt er. Und wer einmal gesehen hat, wie ein Kind, das zuvor geschworen hat, niemals einen Regenwurm anzufassen, am Ende des Tages genau das tut – der versteht sofort, warum dieser Ort so besonders ist.1

Quellen

  1. Kölns alte Festungen: Wie eine Kaserne in Müngersdorf zur Freiluftschule Freiluga wurde – Kölner Stadt-Anzeiger


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