Foto wurde mit
KI generiert
240 Millionen Euro: WDR zieht endlich in sein saniertes Filmhaus in Köln ein
24. August 2026

Sechs Jahre Verspätung, 240 Millionen Euro Kosten: Der WDR zieht endlich in sein saniertes Filmhaus in Köln ein – mit viel Kritik im Gepäck.

Sechs Jahre Verspätung – und trotzdem ein Einzug zum Feiern?

Es ist eine Geschichte voller Kostensteigerungen, Verzögerungen und jeder Menge Kritik – aber jetzt ist es endlich so weit: Der WDR zieht in sein saniertes Filmhaus in der Kölner Innenstadt ein. Rund 700 Mitarbeitende sollen dort künftig arbeiten, und zwar an der Nord-Süd-Fahrt, nur rund 500 Meter vom Kölner Dom entfernt. Klingt eigentlich cool – wäre da nicht das kleine Problem mit den 240 Millionen Euro und den sechs Jahren Verspätung.1

Von 80 Millionen auf 240 Millionen – wie ist das passiert?

Ursprünglich sollte das Projekt überschaubar sein: 80 Millionen Euro Planungs- und Baukosten, Baustart 2017, Fertigstellung 2020. So war es mal geplant. Doch dann kam eins zum anderen. Die Fertigstellung wurde immer wieder nach hinten verschoben – erst auf 2022, dann 2024, dann 2025 und schließlich 2026. Und die Kosten? Die explodierten auf satte 240 Millionen Euro.1

Der WDR erklärt die gestiegene Summe damit, dass darin inzwischen auch Abriss, Inneneinrichtung samt Studiotechnik, Mietkosten für Ausweichquartiere sowie Finanzierungskosten enthalten seien. Immerhin: Laut einer WDR-Sprecherin bleibt das Projekt „nach jetzigem Stand in dem veranschlagten Gesamtbudget von 240 Millionen Euro“.1

Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten

Weil der WDR sich über Rundfunkbeiträge finanziert, ist das natürlich ein Riesenthema. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) sperrte bereits 2020 ganze 69,1 Millionen Euro und sprach von einem „erheblichen Verstoß gegen das Wirtschaftlichkeits- und Sparsamkeitsprinzip“. „Gravierende Versäumnisse“ hätten zu „vermeidbaren Kostensteigerungen“ geführt – und diese Sperre wurde 2024 final bestätigt.1

Besonders krass: Laut KEF lagen die Sanierungskosten des WDR mit 16.283 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche um 157 Prozent über dem Durchschnittswert vergleichbarer Projekte anderer Sender (6.342 Euro/m²). Selbst im späteren Vergleich, der nur Sanierungsprojekte berücksichtigte, lag der WDR noch 35 Prozent über dem Schnitt.1

Auch der Landesrechnungshof war alles andere als begeistert: Richtungsweisende Entscheidungen – vor allem zur Standortfrage – seien „ohne fundierte, vorherige Untersuchungen getroffen“ worden. Dem WDR-Verwaltungsrat lag bei seiner Zustimmung noch nicht mal ein grober Kostenrahmen vor. Der Verwaltungsrat selbst räumte das 2023 ein und betonte, solche Projekte müssten künftig „stringenter“ geplant werden.1

Designermöbel für 4.500 Euro pro Stück?

Als wäre das nicht genug, sorgte der WDR im Sommer 2024 für den nächsten Aufreger: Für die Einrichtung des Filmhauses wurden unter anderem Designersessel einer dänischen Firma angefragt – Listenpreis: rund 4.500 Euro pro Stück. Für 36 Exemplare allein hätte das ohne Mengenrabatte knapp 162.000 Euro bedeutet, insgesamt sollten rund 2.700 Möbel beschafft werden.1

Gregor Golland, stellvertretender CDU-Fraktionschef im Landtag und Mitglied des WDR-Rundfunkrats, sprach von einem „Schlag ins Gesicht der Gebührenzahler“. Bundesweit berichteten Medien darüber. Der WDR startete die Ausschreibung neu – und erklärte danach, auf „vereinzelte Designstücke verzichtet“ und die Kosten bei etwa gleichen Stückzahlen um zwölf Prozent reduziert zu haben. Wie viel die Möbel am Ende insgesamt gekostet haben, bleibt offen.1

Und jetzt? Sendebetrieb in Kölns Mitte

Seit August 2026 laufen die Umzüge, bis Ende September sollen sie abgeschlossen sein. Im sanierten Filmhaus, dessen Geschichte bis ins Jahr 1974 zurückreicht, werden künftig Formate wie die Aktuelle Stunde, das ARD-Morgenmagazin und Brennpunkte produziert. Die Kosten trägt der WDR übrigens aus eigenen Rücklagen – auf das ursprünglich geplante Darlehen, das über 30 Jahre hätte laufen sollen, verzichtet der Sender.1

Ein freier Mitarbeiter bringt die Stimmung vieler auf den Punkt: „Wir sind stinksauer, wie sich der Bau des Filmhauses entwickelt hat. Einen Teil des Geldes hätte man gut in das Programm statt in Steine stecken können.“1 Trotzdem: Das Filmhaus steht – und Köln hat jetzt wieder einen funktionierenden Fußweg an der Nord-Süd-Fahrt. Den gab’s nämlich auch jahrelang nicht.

Quellen

  1. 240 Millionen Euro: WDR bezieht mit sechs Jahren Verspätung saniertes Filmhaus in Kölner Innenstadt – Kölner Stadt-Anzeiger


Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

© 2026 The Radio Group Holding GmbH

Newsletter

Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven! 

Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Deine Anmeldung war erfolgreich.