Streit um den Brüsseler Platz in Köln: Die IG Kölner Gastro fordert nach einem Gerichtsurteil endlich politische Lösungen statt weiterer Klagen.
Der Brüsseler Platz in Köln ist legendär – für Partynächte, gutes Essen und leider auch für einen Dauerzoff, der einfach nicht enden will. Anwohner wollen ihre Ruhe, Nachtschwärmer feiern, und die Gastro steckt mittendrin. Jetzt hat die IG Kölner Gastro die Nase voll – und redet Klartext.1
Auslöser ist ein frisches Gerichtsurteil: Das Kölner Verwaltungsgericht hat dem Lokal Hallmackenreuther vorläufig erlaubt, seinen Außenbereich bis Mitternacht geöffnet zu lassen. Die von der Stadt verfügte Sperrstunde um 22 Uhr wurde vom Gericht als unzureichend begründet abgetan – weil Lärmschutzgutachten aus dem Jahr 2025 laut richterlicher Einschätzung „in mehrfacher Hinsicht fehlerhaft erstellt“ worden waren.1
Das Urteil klingt erstmal nach einem Sieg für die Gastro. Aber der Haken ist fett: Der Beschluss gilt nur vorläufig und vorerst ausschließlich für das Hallmackenreuther. Alle anderen Betriebe am Platz müssen weiterhin um 22 Uhr ihre Außenbereiche dichtmachen. Und genau das treibt die Gastronomen auf die Palme.1
Alpay Özgül vom C.C. Kowalski bringt es auf den Punkt: Nur ein paar Meter weiter, auf der Aachener Straße, darf der Außenbetrieb bis Mitternacht laufen – sein Lokal muss die Gäste zwei Stunden früher reinbitten. „Unter diesen Bedingungen verlieren wir genau in den wichtigsten Stunden einen erheblichen Teil unseres Umsatzes“, sagt er.1 Wilke Stroman vom Lokal rosa sieht das genauso und fordert schlicht „faire Regeln“ – weil niemand verstehe, warum rundum alles bis 24 Uhr laufe, aber ausgerechnet am Brüsseler Platz schon um 22 Uhr Schluss sei.1
Geschäftsführerin Maike Block von der IG Kölner Gastro macht klar, was Sache ist: „Wer den Brüsseler Platz ausschließlich Gerichten überlässt, hat die politische Gestaltung dieses Konflikts längst aufgegeben.“1 Der Verband fordert deshalb:
Denn das Prozess-Karussell kostet alle Seiten richtig Geld. Block rechnet vor: Die Stadt pumpt Ressourcen in Überwachungsmaßnahmen zwischen 22 und 24 Uhr, während Gastronomen gleichzeitig in teure Klageverfahren gezwungen werden. Christian Becker vom Restaurant Tante Kurt bringt es kurz und knapp: „Es kann nicht die Lösung sein, dass nun jeder einzelne Betrieb sein Recht selbst einklagen muss.“1
Was die Sache noch pikanter macht: Die Stadtverwaltung steht nicht nur unter Druck von der Gastro-Seite. Es wurde bereits ein Zwangsgeld verhängt, weil Köln einer Verpflichtung aus einem OVG-Urteil von 2023 – nämlich ab 22 Uhr aktiv gegen Ruhestörungen vorzugehen – noch nicht ausreichend nachgekommen ist.1 Die Justiz verlangt also gleichzeitig effektiven Lärmschutz für Anwohner und hebt pauschale Sperrstunden auf, wenn deren Begründung nicht wasserdicht ist. Klassische Zwickmühle.
Und tatsächlich ist das Problem nicht einfach: Die fehlerhaften Gutachten konnten nicht mal klar belegen, ob der Lärm am Brüsseler Platz von Gastro-Gästen kommt oder von anderen Leuten, die dort einfach rumhängen. Das macht jede pauschale Regelung rechtlich wackelig.1
Das Fazit der IG Kölner Gastro ist unmissverständlich: „Der Brüsseler Platz braucht kein weiteres Urteil. Er braucht endlich politische Führung.“1 Und das klingt ehrlich gesagt ziemlich nachvollziehbar. Solange jedes Lokal einzeln vor Gericht ziehen muss, um seine Öffnungszeiten zu verteidigen, dreht sich das Karussell einfach weiter – auf Kosten von Gastronomen, Anwohnern und am Ende auch dem Stadtklima in Köln. Ein Runder Tisch wäre zumindest ein Anfang. Wie ist deine Meinung dazu? Schreib’s uns gerne!
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