Der Chlodwigplatz in Köln ist Kult – von Karneval bis Bläck Fööss. Wir zeigen, was den Clodi so besonders macht und wo es noch hakt.
Wenn in Köln über Kult-Orte gesprochen wird, fällt ein Name garantiert: der Chlodwigplatz. Für viele Kölner ist er einfach „der Clodi“ – und steckt voller Geschichte, Musik, Karneval und echtem Veedel-Feeling. Aber wie so oft im Leben gilt auch hier: Es ist nicht alles Gold, was glänzt.1
Der Chlodwigplatz hat schon so einiges erlebt. 1992 fand hier das legendäre Konzert „Arsch Huh“ statt – ein Moment, der sich ins kollektive Gedächtnis der Stadt eingebrannt hat. Und jedes Jahr zu Karneval wird der Platz rund um die Severinstorburg zur Bühne: Hier versammeln sich die Teilnehmer des Rosenmontagszugs, Jan und Griet spielen ihre Geschichte, und die Jecken feiern, was das Zeug hält.1
Die Severinstorburg selbst ist ein echter Hingucker – mit ihren Zinnen und Türmchen wirkt sie wie eine kleine Ritterburg mitten in der Stadt. An ihrem alten Gemäuer wurde sogar ein kleiner Weingarten angelegt. Ein paar Quadratmeter Rheinromantik ohne Rhein – wie cool ist das denn bitte?1
Musik-Fans aufgepasst: Die Bläck Fööss hatten einst ihren Proberaum in der Ringschänke nahe dem Platz. Dort entstand unter anderem „Mer losse d’r Dom en Kölle“ – und das war übrigens kein tümelndes Heimatlied, sondern ein echter Protest gegen die 1973 vom Rat beschlossene Sanierung des Veedels. Widerstand hat am Chlodwigplatz also Tradition.1
Dort, wo heute ein großer Drogeriemarkt steht, befand sich früher das „Roxy“-Kino – von den Fööss unsterblich gemacht mit der Zeile „Wenn et Leech usjing em Roxy“. Das Kino bestand von 1953 bis 1975, Eröffnungsfilm war „Vom Winde verweht“. Heute rattern hier riesige Gelenkbusse über Asphalt – der ursprüngliche Plattenbelag musste weichen, weil er das Gewicht der Fahrzeuge nicht trug.1
Und jetzt mal ehrlich: An einem ganz normalen Wochentag ohne Markt, ohne Jecke und ohne Feier kann der Chlodwigplatz ganz schön trostlos wirken. 50er-Jahre-Fassaden dominieren das Bild, es gibt sogar noch eine eingeschossige Baulücke. Radfahrer flitzen quer über den Platz, Lieferfahrzeuge parken munter drauflos. Zur anderen Seite ist der Platz komplett vom Verkehr eingeschlossen – Ring, Bonner Straße, Merowingerstraße, dazu Straßenbahnen der Linien 15 und 16.1
Auf den runden Bänken unter den Platanen trifft man zwar manchmal Anwohner zum Plausch – aber auch Menschen, die hier mit Alkohol ihre Zeit verbringen. Ein Bürger beschwerte sich im Stadtportal, die AWB müsse den Platz täglich mehrmals reinigen.1
Und dann wäre da noch die U-Bahn-Station – laut KVB die am wenigsten genutzte Linie Kölns. Nur die Linie 17 hält hier, verbindet den Platz mit der Severinstraße und in die andere Richtung mit Rodenkirchen – aber eben nicht mit der City. Der Grund: Die Nord-Süd-Stadtbahn kann erst dann durchgängig vom Hauptbahnhof bis zum Chlodwigplatz fahren, wenn die Schäden am Waidmarkt behoben sind, die beim Einsturz des Stadtarchivs im März 2009 entstanden sind. Die KVB hat im März angekündigt, dass das frühestens zum Jahreswechsel 2031/2032 möglich sein wird. Bis dahin nutzt vor allem die Crack-Szene die Station – und löst dabei regelmäßig die Feuermeldeanlagen aus.1
Klar ist: Der Chlodwigplatz steckt voller Widersprüche. Hier trifft Herzensangelegenheit auf Verkehrsknotenpunkt, Veedel-Charme auf urbane Probleme. Aber wenn er belebt ist – und das sagen auch die eingefleischten Platz-Fans – dann läuft er zu absoluter Hochform auf. Mit dem neuen Feierabendmarkt „Müffele un Süffele op kölsch“ gibt’s übrigens frischen Wind: Das nächste Mal steigt der am 18. September.1
Der Clodi bleibt eine Legende – mit Ecken, Kanten und ganz viel kölscher Seele. Und genau das macht ihn aus.
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