In Köln-Porz trainieren Astronauten für echte Mondmissionen – in der Luna-Halle des DLR. Warum NRW zum Herzstück der europäischen Raumfahrt wird, liest du hier.
Stell dir vor, du betrittst eine Halle und stehst plötzlich auf dem Mond. Genau das passiert in Köln-Porz – und zwar täglich. In der sogenannten Luna-Halle des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) trainieren Astronauten für echte Mondeinsätze. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat sich das im Rahmen seiner Sommertour selbst angeschaut – und war sichtlich beeindruckt: „Der Weg ins All führt schon heute über Nordrhein-Westfalen.“1
Was in der Luna-Halle steckt, ist richtig beeindruckend. Auf rund 700 Quadratmetern wurde eine künstliche Mondoberfläche nachgebaut. Dafür wurden rund 900 Tonnen eines speziellen Materials verwendet – sogenannter Regolith-Simulant –, der dem echten Mondboden so nah wie möglich kommt. Hergestellt wurde er aus Basalt aus einem Steinbruch im Rhein-Sieg-Kreis.1
Astronauten können hier alles trainieren, was sie auf dem Mond brauchen: Werkzeuge bedienen, Hindernisse überwinden, mit einem Rover fahren oder Gesteinsproben entnehmen. Gleichzeitig werden Raumanzüge, Kommunikation mit der Bodenkontrolle und die körperliche Belastung der Crew getestet. Zum Zeitpunkt von Wüsts Besuch war sogar ein niederländisches Start-up vor Ort, das seine neu entwickelten Raumanzüge in der Anlage auf Herz und Nieren prüfte.1
Luna ist weit mehr als ein Übungsgelände für Astronauten. Die Anlage verfügt über eine Sonnensimulation, die die extremen Lichtverhältnisse auf dem Mond realitätsnah nachbilden kann. Dazu kommt das sogenannte FLEXhab – ein Wohn- und Arbeitsquartier für bis zu vier Astronauten, komplett mit Schlafkabinen, Luftschleuse und Laborbereich. Hier lässt sich der komplette Alltag einer Mondmission simulieren.1
Auch die Versorgung mit Lebensmitteln wird schon mitgedacht: Ein Gewächshaus-Container, der zuvor drei Jahre lang in der Antarktis betrieben wurde und dort rund eine Tonne Gemüse lieferte, soll künftig für die Nutzung in Luna umgebaut werden. Astronaut Alexander Gerst bringt es auf den Punkt: „Wenn man ein halbes Jahr lang nichts Grünes sieht, dann wird das alles noch sehr viel attraktiver.“ Pflanzen seien eben nicht nur für den Vitaminhaushalt wichtig – sondern auch psychologisch.1
Gerst zieht einen spannenden Vergleich: Er sieht den Mond als „achten Kontinent“. Ähnlich wie die Antarktis vor 100 Jahren – damals belächelt, heute unverzichtbar für die Klimaforschung – werde der Mond langfristig eine entscheidende Rolle spielen. Es gehe nicht mehr darum, eine Flagge aufzustellen, sondern darum, eine echte Mondbasis zu errichten, in der Menschen dauerhaft leben und forschen können.1
Astronaut Matthias Maurer hat dabei eine klare politische Forderung: Europa müsse in der Raumfahrt unabhängiger werden. Eine eigene Kapsel für europäische Astronauten sei dringend nötig. „Wir wünschen uns als Europa eine eigene Kapsel für europäische Astronautinnen und Astronauten“, so Maurer. Die Zusammenarbeit mit Partnern, die in der Vergangenheit verlässlich waren, sei angesichts der veränderten politischen Lage keine Selbstverständlichkeit mehr.1
Für Hendrik Wüst ist klar: NRW ist bei der Mondforschung schon jetzt ganz vorne mit dabei. Gleichzeitig plädiert er für eine kluge Spezialisierung: „Man muss sich auch ein bisschen spezialisieren. Hat auch keinen Sinn, wenn alle alles machen.“ Luna zeige bereits, dass Unternehmen und Start-ups aus NRW an den entscheidenden Technologien arbeiten.1
Eine persönliche Mondreise kann sich der Ministerpräsident übrigens eher nicht vorstellen – auch wenn er mit einem Augenzwinkern zugibt: „Ich bin nicht sicher, ob es nicht welche gibt, die mich gern zum Mond schießen.“ Seinen größten Respekt zollen möchte er den Astronauten, die nicht nur körperlich und intellektuell, sondern auch mental absolute Höchstleistungen erbringen müssen – gerade was das Zusammenleben auf engstem Raum mit Menschen betrifft, die man sich nicht selbst ausgesucht hat.1
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