Architekt Paul Böhm will den Kölner Hauptbahnhof verlagern und die Innenstadt komplett neu gestalten. Was steckt hinter dem Plan „Neue Mitte Köln“?
Stell dir vor, du stehst am Kölner Dom – und anstatt Züge, Lärm und Gedränge erwartet dich ein weitläufiger Kultur- und Marktplatz. Klingt utopisch? Architekt Paul Böhm denkt genau das. Sein Projekt „Neue Mitte Köln“ ist einer der radikalsten Stadtentwicklungs-Pläne, die NRW je gesehen hat. Und er gewinnt immer mehr prominente Unterstützer.1
Das Herzstück der Idee ist die Verlegung des überregionalen Fernverkehrs ins Rechtsrheinische – also weg vom historischen Kern der Stadt. Was auf den ersten Blick radikal klingt, hat eine knallharte Logik dahinter: Der Kölner Hauptbahnhof ist schon heute eines der größten Nadelöhre im deutschen Bahnnetz. Die Lage im Stadtzentrum und die Engstelle Hohenzollernbrücke sorgen bundesweit für Verspätungen und Probleme.1
Eine Verlagerung des Fernverkehrs würde also nicht nur der Stadt, sondern auch der Deutschen Bahn helfen – die ohnehin nicht drumherumkommt, den Knotenpunkt Köln grundlegend zu sanieren. Zwei Fliegen, eine Klappe.1
Und was passiert dann mit dem alten Hauptbahnhof und seiner Umgebung? Böhms Vision ist verlockend:
Das wäre nicht nur ein optisches Upgrade für Köln, sondern laut Böhm ein echter Quantensprung – ökologisch und sozial.1
Böhm und seine Unterstützer schauen dabei gerne nach Dänemark: Kopenhagen hat seine Stadt konsequent umgestaltet und gilt heute als Musterbeispiel gelungener Stadterneuerung – ein echter Wallfahrtsort für Städteplaner aus aller Welt. Warum sollte das in Köln nicht möglich sein?1
Auch historisch gibt es ein Kölner Vorbild: Nach dem Ersten Weltkrieg nutzte Oberbürgermeister Konrad Adenauer die Krise als Chance für einen großen Wurf. Er initiierte den Grüngürtel, die Neugründung der Universität, den Bau der Messe in Deutz, die Mülheimer Brücke und holte Ford in die Stadt. Hundert Jahre später wird er dafür noch gefeiert.1
Natürlich ist so ein Megaprojekt kein Selbstläufer. Böhm weiß das – und er hat aus Stuttgart 21 gelernt. Wer an einem offenen Herzen einer Stadt operiert, muss die Menschen mitnehmen. Deshalb hat der Verein „Neue Mitte Köln“ das Rheingold Institut beauftragt, eine tiefenpsychologische Studie zur Akzeptanz des Plans in der Kölner Bevölkerung durchzuführen. Die Ergebnisse sollen im September präsentiert werden.1
Böhm ist dabei kein naiver Träumer – er ist ein Visionär mit Bodenhaftung. Wer aus einer Dynastie von Kirchenbaumeistern stammt, die in anderen Zeitdimensionen denken, der weiß: Große Dinge brauchen Zeit. Aber sie brauchen auch Mut.1
Jetzt liegt der Ball beim neuen Oberbürgermeister Torsten Burmester. Kann er sich vom kurzen Denken in Legislaturperioden lösen und diesen bereits gereiften Plan als Chance begreifen? Denn eins ist klar: Für den Kölner Dom und das Stadtbild wäre es ein Segen. Der Hauptbahnhof direkt neben einem Weltkulturerbe – das passt einfach nicht zusammen.1
Wie heißt es so schön: Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Und vielleicht ist genau jetzt die Zeit für Kölns große Mitte.1
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