Warum wurde Düsseldorf und nicht Köln zur NRW-Landeshauptstadt? Die überraschende Geschichte hinter einer Entscheidung, die 1946 alles veränderte.
Stell dir vor, du lebst 1946 in Düsseldorf – Kriegsheimkehrer strömen in die Stadt, Wohnraum ist Mangelware und die Bäckereien haben kaum genug Mehl. Und dann kommt die Nachricht: Düsseldorf wird Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen. Klingt surreal? Genau so hat es sich damals angefühlt. Zum 80. Jahrestag blicken wir zurück auf eine Entscheidung, die bis heute nachwirkt.1
Die Frage klingt simpel, aber die Antwort ist richtig spannend. Als 1946 das neue Bundesland NRW entstand, war Köln auf den ersten Blick die naheliegendere Wahl – größer, bekannter, ikonischer Dom und so. Aber gleich mehrere Faktoren sprachen dagegen.1
Historiker Jonas Becker, der derzeit einen Teil der Ausstellung für das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen vorbereitet, bringt es auf den Punkt: „Düsseldorf sollte das Scharnier sein, das die Rheinprovinz und Westfalen zusammenhält.“1
Selbst die Düsseldorfer Stadtverwaltung hatte die Entscheidung nicht kommen sehen. Walter Hensel, 1946 zum Oberstadtdirektor ernannt, erinnerte sich in einem WDR-Interview aus dem Jahr 1966: „Das war für uns alle eine Überraschung.“ Und eine willkommene war es nicht unbedingt – denn die Stadt hatte zu diesem Zeitpunkt ganz andere Sorgen.1
Wohnraum für Flüchtlinge und Kriegsheimkehrer fehlte, die Lebensmittelversorgung war dramatisch knapp. Hensel schilderte, wie die Verwaltung buchstäblich Weizenkörner zählte, um sicherzugehen, dass die Bäckereien noch produzieren konnten. Und obendrauf sollte jetzt eine ganze Landesregierung untergebracht werden? „Das war kein Zuckerlecken“, sagte Hensel treffend.1
Die Briten hatten die wenigen intakten Gebäude bereits für sich beansprucht. Die Staatskanzlei mit dem Ministerpräsidenten zog in den Behrensbau – die ehemalige Konzernzentrale der Mannesmann Röhrenwerke. Genau in diesem Gebäude entsteht heute das Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen, das ab 2030 eröffnen soll.1
Was damals wie eine Bürde wirkte, wurde schnell zum Vorteil. In den folgenden Jahren profitierte Düsseldorf massiv von seinem Hauptstadtstatus. Mitte der 1950er-Jahre setzte sich die Stadt erneut gegen Köln durch – diesmal bei der Frage, wo der internationale Flughafen des Landes entstehen sollte. Das Argument: Düsseldorf ist die Hauptstadt des wirtschaftlich stärksten deutschen Landes. Punkt.1
Zum runden Jubiläum hat sich die Stiftung Haus der Geschichte NRW etwas Cooles einfallen lassen: Eine Plakatkampagne in Düsseldorf zeigt 80 historische Motive aus der Landesgeschichte – ein visueller Streifzug durch acht Jahrzehnte NRW. Der Großteil der Motive stammt aus dem Fotoarchiv der Rheinischen Post.1
Wer also demnächst durch Düsseldorf läuft, sollte die Augen offenhalten – zwischen all den Kampagnenplakaten steckt jede Menge Geschichte, die zeigt, wie aus einer Nachkriegs-Notlösung eine echte Erfolgsgeschichte wurde. Und falls ihr noch mehr über NRW erfahren wollt: Bei Antenne NRW halten wir euch immer auf dem Laufenden, was in eurem Bundesland passiert.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!