Dunkle Parks in Köln sorgen für Angst und Unmut – ein virales Video bringt das Thema ans Licht. Was die Stadt dazu sagt, liest du hier.
Kennst du das Gefühl, wenn du abends durch einen Park läufst und buchstäblich die Hand vor Augen nicht siehst? Genau das hat Noel, ein 25-jähriger Content-Creator aus Köln, in einem Instagram-Video festgehalten – und damit offenbar einen riesigen Nerv getroffen. Die ersten Sekunden des Videos sind fast komplett schwarz. „Ihr könnt mich nicht sehen, und das liegt daran, dass in Kölner Stadtparks grauenhafte Lichtverhältnisse herrschen“, sagt er darin.1
Gefilmt hat er im Hiroshima-Nagasaki-Park am Aachener Weiher – einem beliebten Treffpunkt in Köln, der nachts offenbar zur echten Herausforderung wird. „Ohne Nachtsichtgerät bist du hier aufgeschmissen“, kommentiert Noel im Video. Innerhalb eines einzigen Tages wurde der Clip tausendfach geklickt.1
In den Kommentaren häufen sich Erfahrungsberichte. „Als Frau setzt man wirklich keinen Fuß an viele Orte deswegen“, schreibt eine Nutzerin. Ein anderer berichtet von seiner Angst, abends durch den Beethoven-Park zu laufen. Besonders berührend: Eine Frau erzählt Noel per Direktnachricht, dass sie im Winter regelmäßig mit dem Fahrrad durch dunkle Parks fahren muss, um pünktlich zur Frühschicht zu kommen – und das oft mit einem mulmigen Gefühl im Bauch.1
Noel selbst hat einen ganz persönlichen Grund, warum ihm das Thema so am Herzen liegt: Seine Mutter ist auf einen Rollstuhl angewiesen. „Wenn ich mich dort schon unwohl fühle, wie würde es dann meiner Mama gehen?“, fragt er. Und er hat recht: Für Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder ältere Menschen ist es oft schlicht keine Option, einfach eine andere, besser beleuchtete Route zu wählen.1
Noel fordert vereinzelt LED-Leuchten entlang der Fußwege im Hiroshima-Nagasaki-Park. Doch die Reaktion der Stadt Köln macht erstmal wenig Hoffnung. „Park- und Grünanlagen sind in Köln grundsätzlich beleuchtungsfrei zu lassen“, teilte eine Stadtsprecherin auf Nachfrage mit.1
Der Grund: Ein Beschluss des Ausschusses für Umwelt und Grün aus dem Jahr 2004 verbietet Beleuchtungen in Parks, weil diese die Tierwelt erheblich beeinträchtigen und gegen das Landschaftsgesetz verstoßen. Nahezu alle Kölner Grünanlagen sind demnach nach dem Landschaftsplan von 1991 als Landschafts- oder Naturschutzgebiete ausgewiesen.1
Ausnahmen gibt es nur in sehr engen Grenzen – zum Beispiel bei Wegen, die zwei Straßen miteinander verbinden, stark frequentiert werden und für die es keine alternative Route gibt. Beim betroffenen Weg im Hiroshima-Nagasaki-Park sei das laut Stadt nicht der Fall. Außerdem betont die Stadt: „Abwägungsprozesse zu Ausnahmen des Beschlusses gestalten sich aufgrund von Erfordernissen des Klimawandels und des Umwelt- und Tierschutzes als sehr schwer.“ Rechtlich verpflichtet, öffentliche Grünflächen zu beleuchten, ist die Stadt ohnehin nicht.1
Hier prallen zwei legitime Interessen aufeinander: auf der einen Seite das Sicherheitsgefühl der Menschen, die Parks auch abends und nachts nutzen wollen oder müssen. Auf der anderen Seite der Schutz von Tieren und Natur, der durch künstliches Licht empfindlich gestört werden kann. Eine einfache Lösung gibt es da nicht.1
Was klar ist: Das Thema ist in Köln längst in der öffentlichen Debatte angekommen – nicht zuletzt dank Noels viralem Video. Die Stadt Köln hat eine weitere Stellungnahme für die darauffolgende Woche angekündigt. Wir bleiben für euch dran und berichten, wie es weitergeht. Habt ihr ähnliche Erfahrungen in Kölner Parks gemacht? Schreibt es uns – wir sind gespannt auf eure Meinungen!
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