50 Jahre Kölner Frauenhaus: Ramona überlebte dank einem freien Platz – doch der Bedarf an Schutzräumen für Frauen in NRW ist bis heute gestiegen.
Stell dir vor, du sitzt noch Jahre später mit dem Rücken zur Kamera – weil die Angst einfach nie ganz geht. Genau das ist die Realität von Ramona, 45. Ihr Aufenthalt im Kölner Frauenhaus liegt lange zurück, aber die Erinnerung und die Vorsicht bleiben. „Ich bin dankbar, dass er mich bis heute nicht gefunden hat“, sagt sie. Worte, die einem den Atem verschlagen.1
Das erste Kölner Frauenhaus wurde 1976 gegründet und feiert dieses Jahr seinen fünfzigsten Geburtstag. Ein halbes Jahrhundert Schutz, Zuflucht und ein neues Leben für unzählige Frauen und ihre Kinder. Aber auch: ein halbes Jahrhundert, in dem klar wird, wie viel noch immer zu tun ist.
Ramona lebte damals gemeinsam mit zehn anderen Frauen an einem geheimen Ort in Köln – ein ganzes Jahr lang. Ihr Grund war so simpel wie erschütternd: Überleben. „Für mich war diese Entscheidung damals lebenswichtig. Denn es bestand die Gefahr, dass er noch schlimmer zuschlägt und auch mein Kind zusammenschlägt.“1
Ihre Tochter war damals drei Jahre alt. Für die beiden begann eine echte Odyssee – denn einen freien Platz in einem Frauenhaus zu finden, war schon damals alles andere als einfach. Wie ist das eigentlich möglich? Dass Frauen in akuter Gefahr keinen Platz finden, weil es schlicht zu wenige gibt?
Genau das ist das bittere Fazit nach 50 Jahren. Claudia Schrimpf, langjährige Mitarbeiterin der Autonomen Frauenhäuser Köln, bringt es auf den Punkt: „Dabei sind wir damals angetreten, um die Gewalt gegen Frauen zu beenden.“ Stattdessen ist der Bedarf an freien Plätzen laut Schrimpf eher gestiegen als gesunken.1
Und das liegt nicht nur an der schieren Anzahl der Fälle. Gewalt gegen Frauen hat sich verändert. Neben körperlicher Gewalt spielen heute weitere Gewaltformen eine immer größere Rolle – und das macht die Herausforderung noch komplexer.
Frauenhäuser wie das in Köln sind keine Selbstverständlichkeit – sie sind ein Schutzraum, der aktiv erhalten und ausgebaut werden muss. Nordrhein-Westfalen ist das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands, und der Bedarf an sicheren Plätzen für betroffene Frauen und ihre Kinder ist real und dringend.1
Das Jubiläum ist deshalb kein reiner Grund zum Feiern – es ist auch ein Appell. Ein Appell an Politik, Gesellschaft und jeden Einzelnen von uns, Gewalt gegen Frauen nicht zu normalisieren, nicht wegzuschauen und Betroffene aktiv zu unterstützen.
Ramonas Worte bleiben hängen: „Ich glaube, ohne Platz wäre ich heute tot.“ Ein Satz, der alles sagt. Das Kölner Frauenhaus hat in einem halben Jahrhundert unzähligen Frauen das Leben gerettet – und tut es noch heute. Aber solange Frauen wie Ramona noch immer nicht sicher vor der Kamera sitzen können, ist klar: Der Weg ist noch lang.
Wenn du oder jemand, den du kennst, Hilfe braucht – das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist rund um die Uhr erreichbar: 08000 116 016 (kostenlos, 24/7).
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