Der Flehbach in Köln-Brück trocknet immer häufiger aus – der Klimawandel macht dem kleinen Bach schwer zu schaffen.
Stell dir vor, du spazierst durch den Wald, kommst an eine Stelle, wo normalerweise ein Bach plätschert – und da ist einfach nichts. Kein Wasser, kein Plätschern, nur trockenes Bachbett. Genau das erlebte Alice Wittrock Anfang August, als sie durch das Wildgehege Brück und das Naherholungsgebiet „Brücker Hardt“ in Köln-Brück spazierte. „Der Flehbach war einfach verschwunden, es war absolut kein Wasser im Wald“, erzählt sie. Sogar das Wasser-Rückhaltebecken, das normalerweise eine Art Teich bildet, war komplett leer – sie konnte darüber laufen, ohne sich die Schuhe nass zu machen.1
Mittlerweile führt der Flehbach wieder Wasser und sieht äußerlich normal aus. Doch für Wittrock ist der Anblick ein klarer Warnschuss: „Ich denke, es ist noch nicht das Ende, aber wir müssen aufpassen, was mit unserer Natur passiert.“1
Dass ein niederschlagsgespeister Bach wie der Flehbach mal mehr, mal weniger Wasser führt, ist grundsätzlich normal. Das bestätigen sowohl die Stadtentwässerungsbetriebe Köln (Steb) als auch Holger Sticht, Vorsitzender des BUND Landesverband Nordrhein-Westfalen. Was aber alarmiert: Die Trockenphasen werden häufiger und länger.1
„Wir beobachten seit mehreren Jahren eine Zunahme der Trockenphasen des Flehbachs“, erklären die Steb. „Während der Bereich in Brück früher nur für wenige Wochen austrocknete, kommt dies in den vergangenen zehn Jahren häufiger und länger vor. Diese Entwicklung passt zu den Auswirkungen des Klimawandels, der längere und häufigere Trockenperioden begünstigt.“1
Klingt erstmal nach einem Problem für den Bach – aber die Folgen für Tiere und Ökosystem sind richtig ernst. Zwar können viele Insektenlarven mit Trockenphasen umgehen, für Fische sieht das aber ganz anders aus. Die Steb erklären: Sofern möglich, wandern sie mit dem sinkenden Wasser in noch wasserführende Bereiche im Oberlauf.1
Besonders kritisch ist die Lage für das Bachneunauge – eine hochgradig gefährdete Art, die im Flehbach noch vorkommt. Holger Sticht vom BUND warnt: Würde der Bach so vollständig austrocknen, dass auch die sogenannten Kolken – also durch fließendes Wasser entstandene Vertiefungen und Strudellöcher – leer werden, würde das Bachneunauge dort aussterben und nicht mehr zurückkehren können. Denn der Flehbach hat keine natürliche Rhein-Anbindung mehr. Bisher hat die Art alle Trockenphasen überstanden – aber das ist keine Garantie für die Zukunft.1
Hier kommt die bittere Wahrheit: Das grundsätzliche Austrocknen des Flehbachs wird sich laut den Steb nicht verhindern lassen. „Ziel ist deshalb, die Folgen der Trockenheit möglichst gering zu halten.“ Auch Sticht macht wenig Hoffnung auf Besserung: „Denn besser wird es nicht mehr. Es geht ab heute nur darum, eine weitere Verschlechterung zu verhindern.“1
Konkret werden deshalb folgende Maßnahmen umgesetzt:1
Der Flehbach in Köln-Brück ist mehr als ein kleiner Stadtbach – er ist ein Spiegel dessen, was der Klimawandel mit unserer Natur macht. Was Alice Wittrock Anfang August erschreckte, ist kein Einzelfall und auch kein Zufall. Es ist ein Trend, der sich fortsetzt. Gut, dass jetzt gehandelt wird – aber klar ist auch: Augen aufmachen und hinschauen, was mit unserer Natur passiert, das müssen wir alle.1
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