Ab 2028 sollen Kölns Traditionskorps bei der Lachenden Kölnarena nicht mehr auf der Bühne stehen. Jetzt schaltet sich das Festkomitee ein – alle Infos hier.
Der Kölner Karneval steht mal wieder im Mittelpunkt einer hitzigen Debatte – und die geht ans Eingemachte. Wie wir in einem früheren Beitrag schon über das Spannungsfeld zwischen Tradition und Wandel in Köln berichtet haben, zeigt sich dieses Thema jetzt auch im Karneval ganz konkret: Die veranstaltende Gastspieldirektion Otto Hofner hat den Kölner Traditionskorps schriftlich mitgeteilt, dass sie ab 2028 bei der Lachenden Kölnarena keinen Bühnenauftritt mehr absolvieren sollen.1 Stattdessen dürfen sie nur noch durch die Lanxess-Arena marschieren – das war’s dann. Kein Auftritt, keine Bühne, kein Mariechen-Tanz.
Die Begründung der Veranstalter klingt auf den ersten Blick pragmatisch: Durch die Zeitersparnis von rund zehn Minuten soll Platz für Nachwuchskünstler im Programm geschaffen werden. Michael Burgmer von der Gastspieldirektion hatte das den Korps so kommuniziert.1 Doch genau diese zehn Minuten treffen den Nerv vieler Karnevalisten – und der Widerstand ist gewaltig.
Markus Simonian, Präsident des Treuen Husaren, bringt es auf den Punkt: „Für uns geht es dabei nicht allein um zehn Minuten Bühnenzeit. Die Traditionskorps stehen für einen wesentlichen Teil des Kölner Karnevals. Sie pflegen Brauchtum, führen junge Menschen an den Fastelovend heran und werden von vielen Hundert Ehrenamtlichen getragen. Diese Arbeit sollte gerade bei einer der größten Karnevalsveranstaltungen Kölns auch sichtbar bleiben.“1 Simonian macht aber auch klar: Tradition und Zukunft müssen kein Entweder-oder sein – beide gehören zusammen.
Unter den neun Traditionskorps herrscht eine seltene Einigkeit – und die ist laut. Die Nippeser Bürgerwehr hat bereits klargemacht: Ohne Bühnenauftritt kommen sie erst gar nicht. Die Ehrengarde fordert wenigstens den Mariechen-Tanz als Teil des Programms. Präsident Hans-Georg Haumann sagt dazu: „Wenigstens den Mariechen-Tanz eines jeden Traditionskorps, der ja ein Teil des Ursprungs des Kölner Karnevals ist, sollten wir präsentieren dürfen.“1
Armin Hoffmann, Vizepräsident der Blauen Funken, betont die Einigkeit der Korps und hofft auf ein Gesprächsangebot seitens der Veranstalter. Horst Köhler, Korpskommandant des Reiterkorps Jan von Werth, zeigt sich ebenfalls enttäuscht: „Wir bedauern die Entscheidung und halten es für sehr schade, dass Tradition mehr und mehr verschwindet. Die Veranstaltung gehörte für viele unserer Mitglieder zu den Höhepunkten im Auftrittsplan.“1
Jetzt wird’s offiziell: Festkomitee-Präsident Lutz Schade hat sich in die Debatte eingeschaltet und bereits Gespräche mit den Verantwortlichen der Lachenden Kölnarena aufgenommen.1 Seine Position ist eindeutig: „Die Lachende Kölnarena zeigt die große Bandbreite des Kölner Bühnenkarnevals: Neben bekannten Bands, Tanzgruppen und Rednern gehören auch Gruppen aus dem Veedelskarneval, Traditionskorps und das Dreigestirn dazu. Gerade diese Mischung gehört für mich zum besonderen Charakter der Lachenden Kölnarena.“1
Das Festkomitee macht deutlich: Die ganze Bandbreite des Kölner Karnevals soll auch künftig angemessen abgebildet werden. Dennoch bleibt es nach aktuellem Stand für 2028 dabei, dass die Korps keinen Bühnenauftritt haben werden – das Programm ist bereits gebucht. Ob in den Jahren danach wieder ein Zeitfenster für die Korps geschaffen wird, soll in weiteren Gesprächen geklärt werden.1
Auch Redner Jörg Runge, der selbst gar nicht bei der Lachenden Kölnarena auftritt, meldet sich zu Wort und benennt einen größeren Trend: „Viele Sitzungen werden zunehmend kürzer, weil nach und nach Programmpunkte gestrichen werden. Die Eintrittskarten sind dadurch aber nicht billiger geworden. Stattdessen versucht man, immer mehr Musik, Party und Stimmung in ein immer kürzeres Zeitfenster zu pressen.“1 Und er stellt die Frage, die viele umtreibt: Irgendwann müsse man sich fragen, ob man noch eine Karnevalssitzung veranstalte oder lediglich eine große Party mit ein paar jecken Dekorationselementen.1
Die Debatte zeigt, wie viel Herzblut in Köln am Karneval hängt. Ob Tradition und Moderne am Ende doch zusammenfinden, bleibt spannend – die Gespräche laufen, und Köln schaut genau hin.2
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