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Mein Veedel: Katrin Jungclaus zeigt ihr Reich – das Justizzentrum in Köln-Sülz
24. Juli 2026

Katrin Jungclaus ist die erste Frau an der Spitze des Kölner Landgerichts und zeigt, was ihr Veedel Sülz so besonders macht – mit Insider-Tipps inklusive.

Die erste Frau an der Spitze des Kölner Landgerichts

Stell dir vor, dein Büro liegt im 17. Stock – und der erste Blick am Morgen fällt direkt auf den Kölner Dom. Genau das ist die tägliche Realität von Katrin Jungclaus. Seit dem 1. Januar 2025 ist sie Präsidentin des Landgerichts Köln – und damit die erste Frau in der mehr als 200-jährigen Geschichte des Gerichts.1 „Dass ich die erste Präsidentin des Landgerichts Köln geworden bin, macht mich sehr glücklich. Am Ziel der Gleichstellung sind wir aber erst, wenn es keine Erwähnung mehr wert ist, ob eine Stelle mit einem Mann oder einer Frau besetzt wird“, sagt sie. Klingt nach einer Frau, die weiß, was sie will – und wofür sie steht.

Das Justizzentrum: Ein Veedel im Veedel

Das Justizzentrum in Köln-Sülz ist für viele von außen einfach ein Gerichtsgebäude. Aber Jungclaus sieht das ganz anders: „Viele denken beim Justizzentrum nur an Gerichtssäle. Dabei ist das ein eigenes Veedel. In diesem Hochhaus pulsiert das Leben, hier begegnen sich Tag für Tag mehrere Tausend Menschen.“1 Als Chefin von 230 Richterinnen und Richtern, 350 Justizbeschäftigten und 600 Auszubildenden und Referendaren weiß sie, wovon sie spricht.

Im vierten Stock befindet sich die Kantine – und die hat es in sich. Hier stehen Richter:innen, Justizangestellte, Rechtsanwälte und Wachtmeister:innen gemeinsam in der Schlange. Und ja, auch Bürgerinnen und Bürger sind herzlich willkommen. „Wir haben tatsächlich Stammgäste“, erzählt Jungclaus. „Häufig sind es Rentner, die sich vormittags öffentliche Gerichtsverhandlungen ansehen und anschließend hier essen gehen. Für sie ist das wie Fernsehen – nur echt.“1

Kunst, Keller und Hubschrauber-Landeplätze

Im Foyer und Treppenhaus finden regelmäßig Kunstausstellungen statt – kostenlos und offen für alle Kölnerinnen und Kölner.1 Was viele nicht wissen: Ganz unten im Keller gibt es einen Zellentrakt mit 30 Einzelzellen, in denen Gefangene auf ihre Verhandlung warten. Und auf dem kleinen Parkplatz vor dem Gebäude landeten während des Drach-Prozesses drei- bis viermal pro Woche Polizeihubschrauber – für die Anwohner:innen des Veedels jahrelang eine echte Belastung durch Lärm und Straßensperrungen.1

Sülz: Grüner als gedacht – und voller Gegensätze

Aus dem 17. Stock wirkt die viel befahrene Luxemburger Straße beinahe parkartig – die Baumkronen schlucken einen Großteil des Verkehrslärms. „Erst aus dieser Perspektive wird sichtbar, wie grün Sülz tatsächlich ist“, so der Eindruck beim Rundgang mit Jungclaus.1 Gleich gegenüber ragt das Unicenter in die Höhe – zusammen mit dem Justizzentrum-Hochhaus prägt es seit Jahrzehnten die Silhouette des Stadtteils.

Auf dem Weg zum Café „Südlicht“, wo sich Jungclaus gelegentlich eine Auszeit gönnt, kommt man an einem Zeltlager für wohnungslose Menschen und dem „Autonomen Zentrum“ vorbei. „Es ist leider eine Schmuddelecke. Überall liegt Müll, Kleidungsstücke, kaputte Glasflaschen“, sagt sie offen.1 Die politischen Weichen für einen Umzug des „Autonomen Zentrums“ nach Kalk sind aber bereits gestellt – auf dem Gelände soll ein Teil der Parkstadt Süd entstehen.

Neubau kommt – aber der Dom-Blick fehlt dann

Das Gebäude aus den 1980er Jahren zeigt seine Schwächen deutlich: Asbestproblematik, marode Sanitäranlagen, ausgefallene Heizungs- und Lüftungstechnik und eine katastrophale Energiebilanz.1 „Die Justiz ist die dritte Gewalt im Staat. Das sollte sich auch in ihrer Unterbringung widerspiegeln – gerade in einer Millionenstadt wie Köln mit einem der größten Justizstandorte Deutschlands“, fordert Jungclaus klar. 2027 soll das Justizzentrum vorübergehend in das alte Arbeitsamt umziehen, bevor der Neubau kommt. Und der Blick auf den Dom? „Dieser Ausblick auf den Dom wird mir fehlen“, sagt sie – und das klingt echtem Heimweh ziemlich ähnlich.

Katrin Jungclaus‘ Tipps für Sülz

  • Bistro „Südlicht“ am Eifelwall 56
  • Halbes Hähnchen mit Pommes frites für 7 Euro in der Kantine des Justizzentrums
  • Einen Besuch im neuen Stadtarchiv Köln, Eifelwall 5
  • Sophias griechisches Restaurant mit leckeren Mezedes, Luxemburger Straße 289

Sülz hat also mehr zu bieten als sein Ruf – wer das Veedel wirklich kennenlernen will, sollte einfach mal vorbeischauen. Seit 1981 ist das Justizzentrum hier fest verwurzelt, und daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern.1

Quellen

  1. Mein Veedel: Die Herrin des Gerichts führt durch ihr Reich und Sülz – Kölnische Rundschau


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