Messerangriff in Essen: Bundesanwaltschaft erhebt Anklage gegen Schüler wegen dreifachen versuchten Mordes.
Nach einem mutmaßlich islamistisch motivierten Messerangriff auf eine Lehrerin an einem Berufskolleg in Essen steht der mutmaßliche Täter rund sieben Monate später vor einer Anklage wegen mehrfachen versuchten Mordes. Die Bundesanwaltschaft hat umfassende Ermittlungen durchgeführt und dem damals 17-jährigen Schüler ein islamistisch-dschihadistisches Motiv attestiert. Die Tat beschäftigt auch heute noch Justiz und Gesellschaft in Nordrhein-Westfalen.
Am 5. September 2025 soll ein damals 17-jähriger Schüler an einer Essener Schule eine Lehrerin mit einem Messer schwer verletzt haben. Der Bundesanwaltschaft zufolge attackierte der Verdächtige zudem einen ihm bekannten Hausmeister an einer Grundschule sowie wenig später einen fremden Mann auf offener Straße. Alle drei Opfer überlebten, erlitten aber teils schwere Verletzungen. (Focus.de)
Die Bundesanwaltschaft wirft dem Angeklagten dreifachen versuchten Mord, Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Nötigung vor. Demnach sei er einer islamistisch-dschihadistischen Ideologie gefolgt und habe zu Beginn September 2025 den Entschluss gefasst, „selbst in den Dschihad gegen vermeintlich Ungläubige zu ziehen“. Er konnte nach dem Angriff zunächst flüchten, stach auf einen weiteren Mann ein und suchte gezielt vor der Alten Synagoge nach weiteren Opfern.
Laut den Ermittlungen hatte der Jugendliche versucht, am Tattag zunächst einen ihm bekannten Hausmeister an einer Grundschule anzugreifen, scheiterte jedoch am Widerstand seines Opfers. Anschließend begab er sich zur Berufsschule, wo er die 45-jährige Lehrerin mit mehreren Messerstichen schwer verletzte. Bei der anschließenden Flucht griff er einen weiteren Mann auf der Straße an. Zudem suchte er gezielt die Alte Synagoge in Essen auf, fand dort aber nach eigenen Vorstellungen keine passenden Tatopfer jüdischen Glaubens.
Der Fall ruft in Nordrhein-Westfalen erneut Fragen zu Sicherheitskonzepten an Schulen und zum Umgang mit islamistischen Bedrohungslagen auf. Die Ermittlungen wurden schnell von der Bundesanwaltschaft übernommen, ein Prozess wird am Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf angestrebt. Das Vorgehen des Tatverdächtigen und die Wahl seiner Ziele werden von den Behörden als Hinweise auf ein extremistisches Motiv gewertet.
Ein Prozesstermin steht derzeit noch aus. Das Oberlandesgericht Düsseldorf prüft die Zulassung der Anklage. Für die Opfer ist die Aufarbeitung noch nicht abgeschlossen. Die Bundesanwaltschaft setzt ein Zeichen für die konsequente Verfolgung mutmaßlich terroristisch motivierter Straftaten. Die Sicherung von Schulen und öffentlichen Einrichtungen bleibt auch in Zukunft im Fokus der Sicherheitsbehörden.
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