Dortmunds Nordstadt zwischen altem Ruf und neuen Projekten: Wir zeigen, was Quartiersmanagement und Stadt seit Jahren gegen Probleme im Viertel unternehmen.
Kaum ein Dortmunder Stadtteil hat einen so zweifelhaften Ruf wie die Nordstadt. Doch wer genauer hinschaut, merkt: Hinter den Schlagzeilen steckt ein Viertel, das seit Jahren intensiv daran arbeitet, sich selbst zu erneuern. Die Stadt Dortmund setzt dabei auf ein eigenes Quartiersmanagement, das sich genau dieser Herausforderung annimmt.
Laut Angaben der Stadt Dortmund arbeitet das Quartiersmanagement Nordstadt im Auftrag des Amts für Stadterneuerung daran, die Lebensqualität in den Quartieren Hafen, Nordmarkt und Borsigplatz zu verbessern. Es vermittelt zwischen Verwaltung, Politik, Stadtteilakteur*innen, Immobilieneigentümer*innen und der Bewohnerschaft und organisiert Veranstaltungen wie den Hafenspaziergang oder die Hofmärkte, die allen Menschen im Viertel offenstehen.
Für Projekte aus der Bürgerschaft stehen laut Stadt Dortmund jährlich 50.000 Euro aus dem Quartiersfonds zur Verfügung. Unter dem Motto „Nordstadt stärken – Haus für Haus“ unterstützt das Quartiersmanagement zudem private Eigentümer*innen dabei, ihre Immobilien zu modernisieren, etwa über das Hof- und Fassadenprogramm Nordstadt. Ein besonderer Beratungsschwerpunkt liegt aktuell im neuen Sanierungsgebiet „Südliches Nordmarktquartier“, das sich rund um den Nordmarkt, das Schleswiger Viertel, das Brunnenviertel sowie die südliche Münsterstraße erstreckt.
Dass sich in der Nordstadt tatsächlich etwas bewegt, zeigen mehrere konkrete Projekte der Stadt Dortmund. Der im Mai 2024 eröffnete Heimathafen Nordstadt dient als zentrale Anlaufstelle für Zugewanderte, Geflüchtete und Menschen aus dem Viertel – ein ehemals leerstehendes Lagerhaus wurde dafür in ein Bildungs- und Beratungshaus verwandelt. Auch der Hoeschpark wurde auf 27 Hektar umfassend aufgewertet, unter anderem mit einem Outdoor-Fitness-Center. Zwei Bolzplätze an der Burgholzstraße und im Stollenpark wurden modernisiert und ganzjährig bespielbar gemacht – ein wichtiges Signal, denn die Nordstadt gilt laut Stadt Dortmund als Stadtteil mit dem größten Anteil an Kindern und Jugendlichen in der Stadt.
Auch die südliche Speicherstraße im Hafenquartier wurde unter dem Motto „Hafen für alle!“ aufgewertet – die Entwicklung vom Industriestandort zum Lebensort wurde 2025 sogar beim Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet.
Dass sich viele Menschen ehrenamtlich für die Nordstadt einsetzen, zeigt die Verleihung der „Engel der Nordstadt“ 2025, die beim Neujahrsempfang des Dietrich-Keuning-Hauses Ende Januar 2026 stattfand. Ausgezeichnet wurden die Kana Suppenküche, die Jugendverkehrsschule im Fredenbaum und die Straßenfußballliga Nordstadtliga für ihren ehrenamtlichen Einsatz. Überreicht wurden die Skulpturen von Bezirksbürgermeisterin Hannah Rosenbaum, der stellvertretenden Leiterin des Amts für Stadterneuerung, Kerstin Furkert, sowie der Stiftungsmanagerin der BVB-Stiftung „leuchte auf“, Maike Vollmer. Die Auszeichnung feierte zudem ihr 20-jähriges Bestehen.
Dass die Nordstadt schon lange im Fokus steht, zeigt eine Beschlussvorlage der Stadt Dortmund aus dem Jahr 2002. Darin ging es um den Umgang mit sogenannten „Problemgruppen“ auf öffentlichen Plätzen, insbesondere am Nordmarkt – darunter alkoholkranke und wohnungslose Menschen, Drogenabhängige und Punker. Laut der Vorlage gelang es damals durch eine gemeinsame Aktion von Polizei und Ordnungsamt, eine offene Drogenszene am Nordmarkt aufzulösen. Gleichzeitig wurden niedrigschwellige Suchtkrankenhilfeangebote ausgebaut und über das Programm URBAN 2 Zuverdienstmöglichkeiten geschaffen, um Betroffenen eine Tagesstruktur zu bieten.
Auch die Platzgestaltung spielte schon damals eine Rolle: Gebäude, Kiosk und Toilettenanlage am Nordmarkt wurden gestrichen, zusätzliche Mülleimer aufgestellt. Aus diesen frühen Bemühungen entwickelte sich laut der Vorlage später das Quartiersmanagement Nordmarkt, das bis heute die Arbeit vor Ort fortführt.
Die Nordstadt ist kein Stadtteil, der sich einfach in Schubladen stecken lässt. Seit über zwei Jahrzehnten arbeiten Stadt, Quartiersmanagement und viele ehrenamtlich Engagierte daran, das Viertel lebenswerter zu machen – von der Auflösung offener Drogenszenen bis zu modernen Bolzplätzen und ausgezeichneten Städtebauprojekten. Ob das reicht, um das Image komplett zu drehen, bleibt abzuwarten. Fest steht aber: Stillstand sieht anders aus.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!