NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst ist seit 1. November 2026 Bundesratspräsident. Was das Amt bedeutet und wie er beide Jobs unter einen Hut bringen will.
Hendrik Wüst hat ab sofort noch mehr auf dem Zettel. Seit dem 1. November 2026 ist der NRW-Ministerpräsident offiziell Präsident des Bundesrates. Das Amt läuft turnusgemäß ein Jahr und wechselt zwischen den 16 Bundesländern. Zuvor war Wüst bereits seit dem 1. November 2025 Zweiter Vizepräsident des Bundesrates, wie aus seinem Wikipedia-Eintrag hervorgeht.
Das Motto, unter dem Wüst seine Präsidentschaft führt, lautet „Gemeinsam verbunden“. Damit will er die Länder trotz aller Unterschiede zusammenführen. Im Interview mit dem Bundesrat erklärt Wüst, worum es ihm geht: Er setzt auf Kooperation statt Konfrontation, gerade weil politische Debatten seiner Meinung nach immer härter geführt werden.
Ministerpräsident UND Bundesratspräsident – das ist schon eine Hausnummer. Im Interview mit dem Bundesrat sagt Wüst dazu, dass es vor allem darum gehe, unterschiedliche Menschen und Meinungen zusammenzubringen. Genau das könne man in Nordrhein-Westfalen besonders gut. Er zieht dabei eine Verbindung zu Karl Arnold, dem allerersten Bundesratspräsidenten überhaupt, der ebenfalls aus NRW kam und den Bundesrat als „Mittler“ zwischen Bund und Ländern verstand.
Erfahrung mit dem Koordinieren zwischen den Ländern hat Wüst schon: Als er im Oktober 2021 das Amt des Ministerpräsidenten von Armin Laschet übernahm, wurde er gleichzeitig auch Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz. Wegen Pandemie und Ukraine-Krieg mussten sich die Länderchefs damals besonders oft abstimmen.
Ein großes Thema im Interview: der Umgang mit den politischen Rändern. Wüst beobachtet, dass der Ton in Landesparlamenten und im Bundestag rauer geworden ist. Seine Antwort darauf: Parlamente dürften keine Echokammer für die eigene Anhängerschaft sein, sondern müssten über Parteigrenzen hinweg nach der besten Lösung suchen. Der Bundesrat sei dabei Vorbild, weil dort eine Kultur des Miteinanders gepflegt werde.
Zum Föderalismus an sich sagt Wüst, Deutschland sei damit in den letzten Jahrzehnten gut gefahren. Bei Themen wie der Digitalisierung müsse der Bund aber auch mal einheitliche Standards setzen können, ohne dass die Länder dabei zu eitel sind. Gleichzeitig gebe es viele Bereiche, in denen Länder und Kommunen einfach näher dran seien an dem, was die Menschen vor Ort wirklich brauchen.
Der 1975 in Rhede geborene Wüst ist CDU-Politiker und seit dem 27. Oktober 2021 Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, wie Wikipedia zusammenfasst. Vorher war er von 2017 bis 2021 NRW-Verkehrsminister. Seit 2005 sitzt er durchgehend im nordrhein-westfälischen Landtag, seit 2021 ist er außerdem Chef der NRW-CDU. Bei der Landtagswahl 2022 holte seine CDU unter seiner Führung deutlich zu, am Ende wurde er mit einer schwarz-grünen Koalition erneut zum Ministerpräsidenten gewählt.
Im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 wurde Wüst auch als möglicher Kanzlerkandidat der Union gehandelt, zog sich aber im September 2024 zurück und unterstützte stattdessen CDU-Chef Friedrich Merz.
Im Bundesrats-Interview blickt Wüst auch auf seine Heimat. Nordrhein-Westfalen sei ein modernes, vielfältiges Land, ein Hotspot für Wissenschaft und Forschung und Heimat von Weltmarktführern – gleichzeitig aber auch ein Land, das Strukturwandel kennt. Sein Vater habe früher in der Textilindustrie gearbeitet, einer Branche, die im Münsterland in den 80er- und 90er-Jahren durch Betriebsschließungen und Verlagerungen ins Ausland hart getroffen wurde. Diese Erfahrung, dass man aus Krisen wieder rauskommt, sei die Zuversicht, die er auch in sein neues Amt mitnehmen wolle.
Wie lange genau Wüst beide Ämter parallel ausübt, ist klar geregelt: Die Bundesratspräsidentschaft läuft turnusgemäß ein Jahr, danach übergibt er den Staffelstab an das nächste Bundesland.
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