NRW-Gipfel in Düsseldorf: Wüst und Litauens Präsident Nausėda diskutieren über Cyberangriffe, Sabotage und wie Gesellschaften krisenfester werden können.
Cyberangriffe, Sabotage, Extremwetter – Krisen gehören mittlerweile zum Alltag. Genau darum ging es beim NRW Resilience Summit unter dem Motto „Stronger Together – Resilience as a Whole-of-Society Imperative“ in Düsseldorf. Eröffnet wurde der Gipfel von Ministerpräsident Hendrik Wüst gemeinsam mit dem litauischen Präsidenten Gitanas Nausėda als Ehrengast. Auch Minister Nathanael Liminski war mit dabei und nahm an einer Podiumsdiskussion teil.
Laut Angaben der Staatskanzlei NRW kamen in der K21 Kunstsammlung hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um über Widerstandsfähigkeit in unsicheren Zeiten zu sprechen. Wie der stern berichtet, waren rund 150 internationale Gäste vor Ort – von Regierungsvertretern über Unternehmenschefs bis hin zu Experten aus der Zivilgesellschaft.
Ministerpräsident Wüst machte gleich zu Beginn klar, worum es geht: „Krisen sind nicht mehr die Ausnahme, sie sind zum Normalzustand geworden, und wir müssen jederzeit mit neuen Krisen rechnen“, zitiert ihn der stern. Seine Botschaft: Der Staat kann im Ernstfall nicht alles regeln – echte Krisenfestigkeit entsteht erst, wenn auch die Menschen selbst wissen, was im Notfall zu tun ist.
Als Beispiele für neue Verwundbarkeiten nannte Wüst laut stern das havarierte Containerschiff im Suezkanal 2021, das monatelang globale Lieferketten lahmlegte, sowie eine IT-Sicherheitslücke, die vor wenigen Wochen zigtausende Internetseiten weltweit vom Netz nahm.
Besonders eindringlich äußerte sich Präsident Nausėda. Für sein Land als direkter Nachbar Russlands sei Resilienz eine „Frage des Überlebens“, so der stern. Moderne Bedrohungen würden sich längst nicht mehr nur durch Panzer an Grenzen zeigen, sondern durch Angriffe auf Wirtschaft, kritische Infrastruktur und das Vertrauen in die Politik.
Auch der nordmazedonische Premierminister Hristijan Mickoski kam zu Wort: Ein EU-Beitritt seines Landes würde nicht nur Nordmazedonien stärken, sondern auch zur Resilienz Europas beitragen – etwa als Schutzschild gegen illegale Einwanderung, wie er laut stern betonte.
Staatsministerin Serap Güler brachte einen weiteren Aspekt ein: mentale Stärke gegen Desinformationskampagnen. Nach ihren Worten sei das ein ungleicher Kampf, da die eigene Seite mit Fakten arbeite, während Gegner auf Lügen und Emotionen setzten.
Wie verwundbar der Alltag in NRW tatsächlich ist, zeigte 2023 der Cyberangriff auf den IT-Dienstleister Südwestfalen-IT, durch den in 72 Kommunen Dienstleistungen wie Kfz-Zulassungen fast ein Jahr lang eingeschränkt waren. Laut stern berichten mittlerweile neun von zehn Unternehmen von Cyberangriffen.
Das Land hat seit der Corona-Pandemie und der Hochwasserkatastrophe bereits einiges angestoßen: Im Innenministerium wurde eine Landesstelle für Katastrophenschutz eingerichtet, ein zentrales Katastrophenschutzlager ist in Betrieb. Das Sirenennetz wuchs von 4.250 Sirenen im Jahr 2017 auf inzwischen 6.500 landesweit. Die Polizei hat zudem ihre Fähigkeiten zur Abwehr ziviler Drohnen ausgebaut, und eine neue Koordinierungsstelle für Cybersicherheit soll als zentrale Servicestelle der Landesregierung das Sicherheitsniveau im Netz erhöhen. In einem Pilotprojekt arbeiten sechs Leitstellen bereits an einem gemeinsamen Lagebild für NRW. Ergänzt wird das Ganze durch Katastrophenschutztage 2025 und 2026, einen Selbstschutz-Ratgeber sowie die Kampagne „Bereit wie nie“, die für ehrenamtliches Engagement im Bevölkerungsschutz wirbt.
Der Gipfel in Düsseldorf machte deutlich: Widerstandsfähigkeit gegen Krisen ist längst keine reine Staatsaufgabe mehr. Ob Cybersicherheit, Katastrophenschutz oder der Kampf gegen Desinformation – NRW positioniert sich als Vorreiter in Sachen Krisenvorsorge und setzt dabei auf das Zusammenspiel von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
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