Münster-Ost setzt auf Wärmepumpen statt Fernwärme: Der Dortmund-Ems-Kanal macht zentrale Leitungen unwirtschaftlich, dezentrale Lösungen sollen die Wärmewende…
Münster will bei der Wärmewende eigentlich voll auf Fernwärme setzen – aber im Osten der Stadt macht der Dortmund-Ems-Kanal da einen dicken Strich durch die Rechnung. Wie die Westfälischen Nachrichten berichten, gilt es für Stadt und Stadtwerke als wirtschaftlich nicht sinnvoll, Fernwärmeleitungen unter dem Kanal zu verlegen. Das Thema kam bei der Infoveranstaltung „Wie heizen Sie morgen?“ auf den Tisch. Die Ansage für Münster-Ost: Statt eines großen Leitungsnetzes soll die Wärmewende hier dezentral laufen, also mit Wärmepumpen und anderen Lösungen direkt am Gebäude.
Dass Münster beim Thema Wärme trotzdem nicht auf der Stelle tritt, zeigt ein Blick auf den Stadthafen. Dort läuft seit September eine zweite Großwärmepumpe im alten Kohleheizkraftwerk-Gebäude, wie das Fachportal ZFK berichtet. Die Anlage zieht sich die Energie direkt aus dem Wasser des Dortmund-Ems-Kanals und versorgt damit rund 800 Haushalte mit Wärme. Mit einer Leistung von 2 Megawatt deckt sie etwa zwei Prozent des gesamten Fernwärmebedarfs der Stadt ab und spart mehr als 3.000 Tonnen CO2 vor Ort ein. Damit die Wärme ins Fernwärmenetz eingespeist werden kann, muss die Pumpe dabei auf fast 100 Grad Celsius kommen.
Markus Bieder, Leiter der Wärme- und Stromerzeugung bei den Stadtwerken Münster, bringt es laut ZFK auf den Punkt: Fernwärme werde künftig deutlich vielfältiger erzeugt als bisher. Statt einem zentralen Großkraftwerk gebe es künftig viele kleinere, dezentrale Wärmeerzeuger – dort, wo erneuerbare Quellen und eine Netzanbindung zusammenkommen. Als Beispiele nennt er neben Gewässern wie dem Kanal auch Industriestandorte mit Abwärme oder geologisch geeignete Flächen für Geothermie.
Am Ende zeigt sich: Der Dortmund-Ems-Kanal ist für Münster gleichzeitig Hürde und Chance. Während er im Osten der Stadt den Ausbau klassischer Fernwärmeleitungen blockiert, liefert er am Stadthafen genau die Energie, die eine Großwärmepumpe braucht. Für die Menschen in Münster-Ost heißt das: Wer sein Haus zukunftsfest machen will, sollte sich eher früher als später mit dem Thema Wärmepumpe beschäftigen – Fernwärme wird in dieser Ecke der Stadt wohl kein Thema mehr.
Wie genau die dezentrale Versorgung konkret aussehen soll und welche Förderungen es für Hausbesitzer gibt, war bei der Infoveranstaltung ebenfalls Thema – Details dazu dürften in den kommenden Monaten folgen, wenn Stadt und Stadtwerke ihre Pläne weiter konkretisieren.
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