NRWs Chemieindustrie, Maschinenbau und Metallindustrie stehen massiv unter Druck. Was die Kabinettsklausur von Kanzler Merz für unsere Region bedeutet…
Das Bundeskabinett unter Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich nach der Sommerpause mit einem der drängendsten Themen überhaupt beschäftigt: der Wirtschaftsschwäche in Deutschland. Und was in Berlin diskutiert wird, trifft NRW besonders hart. Denn hier sitzen genau die Branchen, die gerade am meisten unter Druck stehen – Chemieindustrie, Maschinenbau und die Metallindustrie.1
Klingt erstmal nicht so dramatisch: Das Bruttoinlandsprodukt in NRW ist im vergangenen Jahr sogar etwas stärker gewachsen als bundesweit. Aber – und das ist ein richtig fettes Aber – dieses Wachstum kommt aus dem Dienstleistungssektor. Die Wirtschaftsleistung im Produzierenden Gewerbe ist dagegen das vierte Mal in Folge zurückgegangen.1 Wer also dachte, NRW ist auf der sicheren Seite, muss jetzt zweimal hingucken.
Noch besorgniserregender: Langfristig hat sich die Industrie in NRW sogar schlechter entwickelt als in anderen Bundesländern. Ein Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zeigt, dass NRW im Vergleich zu Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Niedersachsen beim Industriewachstum am schwächsten abschneidet – und das seit 1991.1
Einer der Hauptgründe für die Misere: die Energiekosten. Europäische Industriekunden zahlen aktuell vier bis fünf Mal so viel für Gas wie US-Unternehmen. Für NRW ist das besonders schmerzhaft, weil hier überdurchschnittlich viele energieintensive Branchen sitzen. IW-Forscher Tobias Hentze bringt es auf den Punkt: „Das betrifft die Industrie in NRW besonders stark, weil hier viele sehr energieintensive Branchen angesiedelt sind.“1
Die Folge: Produkte werden teurer, NRW-Exporteure verlieren im internationalen Wettbewerb an Boden, und der traditionelle Wirtschaftsmotor Export schwächelt spürbar. Dazu kommt, dass sich in NRW weniger innovative Neugründungen ansiedeln als in anderen Bundesländern – gemessen an der Größe des Landes.1
Chemieindustrie, Maschinenbau und Metallerzeugnisse – das sind die drei wichtigsten Industriebranchen in NRW. Und alle drei haben im ersten Halbjahr 2026 Umsatzrückgänge verzeichnet. Besonders heftig trifft es die Chemieindustrie: Sie hat in den ersten drei Monaten 2026 im Vergleich zum Vorjahr über zehn Prozent Umsatz verloren.1
Immerhin ein kleiner Lichtblick: Der Geschäftsklimaindex der NRW.BANK zeigt, dass sich die Stimmung in der Metallindustrie und im Maschinenbau im Juli 2026 aufgehellt hat. Monatlich werden dafür rund 1.500 Unternehmen in NRW befragt. In der Chemieindustrie dagegen hat sich die Stimmung weiter verschlechtert.1
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) macht keinen Hehl aus seinen Erwartungen an die Bundesregierung. Auf dem Wunschzettel stehen:1
Auch Audi, BMW, Mercedes-Benz sowie die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie haben die Bundesregierung in einem gemeinsamen Brief zu raschen Reformen gedrängt.1 Der Druck aus der Wirtschaft ist also gewaltig.
IW-Forscher Hentze sieht beim Thema Emissionshandel allerdings keinen Spielraum: Das Instrument sei wichtig für den Klimaschutz und dürfe nicht abgeschwächt werden. Was er stattdessen fordert: eine verlässliche Energiepolitik, damit Unternehmen langfristig planen können.1
Klar ist: Die Kabinettsklausur in Berlin ist nicht nur ein bundespolitisches Thema – sie entscheidet mit darüber, wie es mit tausenden Arbeitsplätzen in NRW weitergeht. Ob in Krefeld, Duisburg oder Düren – die Industrie hier braucht dringend Signale, dass sich etwas ändert. Wir bleiben für euch dran und halten euch auf dem Laufenden, was aus Berlin kommt und was das für unsere Region bedeutet.
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