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RWTH-Studie: Tankrabatt würde vor allem Gutverdiener entlasten
16. April 2026

RWTH-Studie: Tankrabatt entlastet vor allem Gutverdiener. Staat trägt hohe Kosten, sozialpolitische Wirkung bleibt gering.

Eine Kurzstudie des Lehrstuhls für Energiesystemökonomik der RWTH Aachen zeigt, dass ein möglicher Tankrabatt private Haushalte zwar kurzfristig entlasten würde, aber besonders Haushalte mit hohen Einkommen stärker profitieren würden. Zudem wären mit einem solchen Rabatt erhebliche Kosten für den Staat verbunden, und der Kraftstoffverbrauch könnte steigen.

Worum es geht

Im Zuge gestiegener Kraftstoffpreise wird über staatliche Eingriffe wie einen Tankrabatt diskutiert. Die Studie von Professor Aaron Praktiknjo und Karl Seeger untersucht die Auswirkungen eines Tankrabatts auf Haushaltsbudgets, Einkommensverteilung und die Nachfrage nach Kraftstoff. (RWTH Aachen)

Die wichtigsten Fakten

Die Simulationsrechnungen belegen, dass vor allem Haushalte mit höherem Einkommen absolut stärker entlastet würden, da sie mehr Kraftstoff verbrauchen. Demnach könnten Haushalte im obersten Einkommensdezil rund 20 Euro pro Monat sparen, während Haushalte im untersten Einkommensdezil lediglich etwa 6 Euro sparen würden. Insgesamt würde ein Tankrabatt die Einkommensverteilung nur minimal beeinflussen – der Gini-Koeffizient würde nach Angaben der Autoren lediglich um etwa 0,007 Prozent sinken.

Hintergrund

Gründe für die erneut geführte Debatte um Maßnahmen wie den Tankrabatt sind geopolitisch bedingte Preissprünge an den Zapfsäulen, die viele Haushalte belasten. Die Studie weist jedoch darauf hin, dass ein Tankrabatt aus ökonomischer und sozialpolitischer Sicht nicht zielführend wäre. Professor Praktiknjo sagt: „Die gestiegenen Preise an der Zapfsäule stellen für viele private Haushalte eine spürbare Belastung dar. Ein Tankrabatt zur Entlastung wäre jedoch sowohl aus ökonomischer als auch aus sozialpolitischer Sicht der falsche Ansatz.“

Einordnung für NRW

Für Nordrhein-Westfalen hätten die im bundesweiten Durchschnitt ermittelten Effekte unmittelbare Auswirkungen. Gerade einkommensschwache Haushalte profitierten nur wenig von einem Tankrabatt, während der Staat in erheblichem Umfang Mittel aufwenden müsste – nach Berechnungen der Studie rund 480 Millionen Euro pro Monat. Das bedeutet auch für NRW, dass sozialpolitisch bessere Alternativen gesucht werden müssten.

Ausblick

Neben der verteilungspolitischen Wirkung betonen die Autoren eine weitere Folge: Der zuvor rückläufige Kraftstoffverbrauch infolge hoher Preise würde mit einem Tankrabatt wieder teilweise ansteigen. Damit würde das klimapolitische Preissignal abgeschwächt. Karl Seeger fasst zusammen: „Ein Tankrabatt senkt den Preis fossiler Energie und schwächt damit das klimapolitische Preissignal. Gleichzeitig erreicht er bedürftige Haushalte nur begrenzt und entlastet vor allem Haushalte mit hohem Einkommen.“

Quellen

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