Neue Erkenntnisse zum Sabotage-Anschlag auf das Umspannwerk Bergheim: Sechs Abschussvorrichtungen gefunden, DNA-Spuren gesichert und ein möglicher…
Es war ein Dienstagabend, der NRW aufgeschreckt hat: Grelle Lichtblitze an den Stromoberleitungen des Umspannwerks Bergheim bei Köln alarmierten die Polizei – und schnell war klar, dass hier keine technische Panne vorlag. Wie wir in einem früheren Beitrag berichtet haben, gingen die Ermittler bereits am 1. September 2026 von einer vorsätzlichen Tat aus.2 Jetzt gibt es neue, alarmierende Details – und die zeigen: Das war kein Zufall.
Die Ermittler haben inzwischen handfeste Beweise gesichert. Im Maisfeld neben dem Umspannwerk fanden sie insgesamt sechs Abschussvorrichtungen. Damit soll mittels pyrotechnischer Gegenstände ein leitender Draht über die Stromleitungen geschleudert worden sein – gezielt, um einen Kurzschluss auszulösen.1 Das klingt nicht nach einer Spontanaktion, sondern nach sorgfältiger Vorbereitung.
Leitender Kriminaldirektor Michael Esser aus Köln machte auf der Pressekonferenz am 2. September 2026 deutlich, wie ernst die Lage ist: „Wir stufen die Tat als Anschlag auf die kritische Infrastruktur ein.“ Ermittelt werde auf Hochtouren – auch wegen des Verdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage, wie Kölner Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer ergänzte.1
Besonders brisant: Die Ermittler prüfen intensiv einen Zusammenhang mit einem ähnlichen Vorfall in Südbrandenburg, der sich am selben Dienstag ereignete. Dort hatten Unbekannte versucht, nahe dem Kohlekraftwerk Jänschwalde Kurzschlüsse an Höchstspannungsleitungen auszulösen – in zwei Fällen mit Erfolg. In beiden Fällen wurden pyrotechnische Gegenstände gefunden, was die Parallelen im Vorgehen der Täter deutlich macht.1
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) trat in Düsseldorf vor die Presse und brachte es auf den Punkt: „Ein Umspannwerk ist ein Nervenzentrum für unseren Alltag. Wer da ran geht, der greift unser Land an.“ Die Ermittler prüfen dabei zwei Richtungen: fremdstaatlich gelenkte Sabotage und Linksextremismus.1
Seit der Tatnacht läuft die Spurensicherung auf Hochtouren. Hubschrauber suchten das Gelände weiträumig aus der Luft ab, Kräfte der Hundertschaft waren am Boden unterwegs.1 Jetzt werden außerdem mögliche DNA-Spuren an den Abschussvorrichtungen ausgewertet. Zusätzlich sollen Telekommunikationsdaten von Personen, die sich zur fraglichen Tatzeit in der Nähe aufhielten, unter die Lupe genommen werden.1
Hinweise auf konkrete Täter oder ein klares Motiv gibt es laut Ermittlern bisher noch nicht. Da die Vorrichtungen im Maisfeld möglicherweise bereits vor längerer Zeit unbemerkt platziert wurden, hoffen die Behörden auf Hinweise aus der Bevölkerung.1
Für die umliegenden Haushalte blieb der Anschlag glücklicherweise folgenlos. Zwar gingen zeitweise fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke von RWE Power an den Standorten Bergheim und Grevenbroich vom Netz. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion konnte die fehlenden Mengen jedoch aus anderen Bereichen ausgleichen, sodass die Stromversorgung nicht beeinträchtigt wurde.1 Im Tagesverlauf wurden bereits zwei Blöcke wieder in Betrieb genommen, ein weiterer sollte noch am Abend folgen. Für die restlichen zwei Blöcke wird mit einer Wiederinbetriebnahme im Laufe des Wochenendes gerechnet.
NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) lobte die professionelle Reaktion der Betreiber: „Unsere Energieversorgung ist robust. Wer auch immer hinter diesem Vorfall steckt: Er hat sich an unseren Profis die Zähne ausgebissen.“1
Die betroffenen Bundesländer wollen sich künftig stärker vernetzen, um auf ähnliche Vorfälle besser reagieren zu können. Schutzmaßnahmen an vergleichbaren Standorten wurden bereits hochgefahren.1 Dieser Fall zeigt: Kritische Infrastruktur ist verwundbar – und der Schutz davon geht uns alle an. Wir halten euch auf dem Laufenden, sobald es neue Entwicklungen gibt.
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