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Seeadler und Fischadler in NRW: Wie geht’s den Greifvögeln bei uns?
27. Oktober 2026

Seeadler und Fischadler in NRW: Bei einer Fachtagung in Recklinghausen ging’s um Bestandsentwicklung, Gefahren wie Bleivergiftung und wichtige Schutzmaßnahmen.

Wenn Adler über NRW kreisen

Dass bei uns in NRW Seeadler und Fischadler unterwegs sind, wissen viele gar nicht. Genau darum ging’s am 10. Oktober bei einer Fachtagung in Recklinghausen, zu der der Landesarbeitskreis Seeadler des BUND NRW eingeladen hatte. Fachleute aus dem In- und Ausland kamen in der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW zusammen, um über den Schutz der beiden Greifvogelarten zu sprechen.

Kleine Population, große Erfolgsgeschichte

Laut BUND NRW steckt hinter der Entwicklung des Seeadlerbestands eine echte Erfolgsgeschichte des Naturschutzes. Holger Sticht, Vorsitzender des BUND NRW, machte bei der Eröffnung aber auch klar, dass gerade jetzt proaktives Handeln wichtig ist, schließlich erleben wir laut Sticht die größte Biodiversitätskrise seit Menschengedenken. Auch NRW-Umweltminister Oliver Krischer war dabei und sprach von einem Riesenerfolg, dass es mittlerweile eine Handvoll Brutpaare in NRW gibt. Allerdings sei, so Krischer, noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht – NRW biete den Adlern noch viel mehr Lebensraum als bisher genutzt wird.

Birgitt Beckers von der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft wies zusammen mit dem Minister darauf hin, dass NRW als dicht besiedeltes Bundesland mit vielen Verkehrswegen besondere Herausforderungen für die Tiere mit sich bringt. Ihr Fazit: Die noch zarten Ansiedlungen müssen jetzt stabilisiert werden, damit sich weitere entwickeln können.

Woran die Vögel sterben und wie Bestand und Recht zusammenhängen

Am Vormittag drehte sich viel um Zahlen und Gesetze. Ingbert Schwinum vom Landesarbeitskreis Seeadler gab einen Überblick, wie sich die Seeadlerpopulation in NRW seit 2017 entwickelt hat. Dr. Josef Tumbrinck vom NRW-Umweltministerium erklärte, wie der gesetzliche Artenschutz für die beiden Arten aussieht.

Richtig spannend wurde es beim Vortrag von Dr. Oliver Krone vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung: Er hat sich die Todesursachen von Seeadlern in Deutschland genauer angeschaut und dabei vor allem auf Bleivergiftungen hingewiesen, die den Tieren offenbar immer wieder zum Verhängnis werden.

Blick über den Tellerrand: Schleswig-Holstein, Niederlande und Duisburg

Weil andere Regionen schon mehr Erfahrung mit Seeadlerschutz haben, kamen auch sie zu Wort. Günther Kalin und Rainer Harries von der Projektgruppe Seeadlerschutz Schleswig-Holstein berichteten, wie sich die Population dort entwickelt hat und geschützt wird. Stef van Rijn und Peter de Boer von der niederländischen Arbeitsgruppe Seeadler ergänzten die Perspektive aus dem Nachbarland.

Ganz konkret wurde es dann mit Blick auf NRW selbst: Dr. Randolph Kricke von der Unteren Naturschutzbehörde Duisburg stellte Schutzmaßnahmen an einem Seeadlerhorst in Duisburg-Walsum vor. Und auch der Fischadler bekam seinen Moment: Kevin Vuagniaux von den Krickenbecker Seen berichtete über die Erfahrungen nach der Installation mehrerer Nisthilfen – ein Projekt, das sich laut BUND NRW vielversprechend entwickelt.

Fachwissen gebündelt – und was jetzt wichtig ist

Unterm Strich brachte die Tagung Forschung, Naturschutzverwaltung und praktische Schutzarbeit an einen Tisch. Der Vergleich zwischen NRW, anderen Bundesländern und den Niederlanden half dabei, die eigenen Erfahrungen besser einzuordnen. Für den BUND NRW bleibt klar: Die noch kleinen Populationen von See- und Fischadler müssen weiter aufmerksam begleitet werden, damit sich die zarten Ansiedlungen in NRW langfristig stabilisieren können. Wer tiefer einsteigen will, findet bei der Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW weitere Infos rund um die Veranstaltung und die Inhalte der Fachvorträge.

Quellen


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