NRW-Ministerin Schäffer lehnt ein Social-Media-Verbot für Kinder ab. Warum sie mehr Medienkompetenz statt Verbote fordert.
Die nordrhein-westfälische Familienministerin Verena Schäffer (Grüne) spricht sich gegen ein Verbot sozialer Medien für Kinder aus. Sie bezeichnet solche Maßnahmen als „ein bisschen zu kurz gedacht“ und fordert stattdessen mehr Medienkompetenz für Kinder und Eltern. Die Debatte hat an Schärfe gewonnen, seit Australien ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt hat.
Nach Bestrebungen in mehreren Ländern, Jugendliche vom Zugang zu sozialen Netzwerken auszuschließen, wird auch in Deutschland intensiv diskutiert. Während Australien bereits ein Verbot für unter 16-Jährige beschlossen hat, prüft auch die Politik in anderen westlichen Staaten konkrete Schritte. In Frankreich wurde ein Verbot für unter 15-Jährige verabschiedet, Spanien plant strengere Altersprüfungen. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) zeigt sich offen für Verbote, in NRW schlägt Schäffer jedoch einen anderen Weg vor.
Schäffer betont, dass Verbote in der Praxis oft umgangen werden: Kinder und Jugendliche finden Wege, Altersbeschränkungen zu überwinden. Sie sieht in einem Verbot eine „Stellvertreterdebatte“, die das eigentliche Problem verfehlt. Stattdessen appelliert sie an die Verantwortung der Erwachsenen und fordert, die digitale Sicherheit von Kindern nicht allein ihnen selbst zu überlassen. Auch die neue NRW-Kinderschutzbeauftragte Petra Ladenburger teilt diese Perspektive.
Die Risiken sozialer Medien für junge Menschen sind präsent wie nie: Cybermobbing, sexuelle Belästigung, Hass und problematische Inhalte werden als reale Gefahren genannt. Plattformen wie YouTube, TikTok und Instagram stehen verstärkt in der Kritik. Studien verknüpfen Social Media mit Konzentrationsschwächen, erhöhter Angst und Depressionen. Laut Angaben verbringen 12- bis 20-Jährige fast vier Stunden täglich am Smartphone. 70 Prozent der jungen Erwachsenen hätten gern weniger Bildschirmzeit.
Für Nordrhein-Westfalen steht laut Schäffer die Vermittlung von Medienkompetenz im Vordergrund. Sie fordert, Kinder sowie Eltern noch stärker praktisch zu unterstützen und aufzuklären. Technologische Altersbeschränkungen hält sie für wirkungslos. Für den Schutz Heranwachsender im Netz sieht Schäffer die Hauptverantwortung bei Erwachsenen und Plattformen.
Die Ministerin fordert eine europäische Regulierung sozialer Netzwerke und warnt vor Reflexhandlungen nach dem Motto „Problem erkennen heißt verbieten“. Zugleich ist der Ruf nach schärferen Regeln und einer stärkeren Regulierung sozialer Netzwerke international deutlich zu hören. Die Diskussion bleibt also weiter dynamisch, zumal der politische Kurs in Bund, Ländern und Europa nicht einheitlich ist.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!