Steigende Kosten, keine Rücklagen, massive Existenzängste: Vier Kölnerinnen und Kölner erzählen, wie sie ihren Alltag finanziell stemmen.
Steigende Mieten, teurere Lebensmittel, explodierte Energiekosten – der Alltag wird für viele Menschen in NRW gerade zur echten Belastungsprobe. Vier Kölnerinnen und Kölner haben der Kölnischen Rundschau offen erzählt, wie ihre finanzielle Situation wirklich aussieht. Und die Geschichten gehen unter die Haut.1
Jenny S. ist Hausfrau, ihr Mann arbeitet als Lagermitarbeiter. Zusammen kommen sie auf ein Nettoeinkommen von 2.200 Euro – plus Kindergeld und Wohngeld. Klingt erstmal nach was, oder? Aber nach Miete (1.200 Euro), Strom (300 Euro) und Versicherungen bleibt kaum noch etwas übrig. Und dann kommen die unerwarteten Dinge: eine kaputte Lenkung, ein defekter Kühlschrank, Lebensmittel im Wert von 600 bis 800 Euro, die weggeworfen werden mussten.1
„Wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir massive Existenzängste haben“, sagt Jenny. Ihre größte Angst: eine mögliche Kürzung des Wohngeldes. Urlaub gab es für die Familie seit 20 Jahren nicht – dieses Jahr fahren sie erstmals wieder weg, eine Woche auf einen Campingplatz für 1.500 Euro. Das Günstigste, was sie finden konnten.1
Roland K. ist Bauarbeiter, hat fast 40 Jahre gearbeitet und steht kurz vor der Rente. Sein Nettoeinkommen liegt bei 2.900 Euro, davon gehen allein 500 Euro Unterhalt und 600 Euro Miete ab. Spanien-Urlaub? Längst Geschichte. „Das kostet heute 2.000, 3.000 oder 4.000 Euro“, sagt er. Also fährt man eben ein paar Tage an die Ostsee, zu Bekannten, um günstig unterzukommen.1
Für Ausflüge mit seiner elfjährigen Tochter hat sich Roland einen Trick einfallen lassen: ein fester Platz auf einem Campingplatz für rund 100 Euro im Monat – mit Pool und anderen Kindern. Denn Bauernhöfe und Spielscheunen haben ihre Preise nach Corona teils verdoppelt. Auch Restaurantbesuche sind gestrichen: „Wenn wir mit drei Leuten essen gehen, zahlen wir 80 Euro.“1
Nadja P. lebt mit ihrem Mann, einem Busfahrer, und vier Kindern auf 79 Quadratmetern. Das Haushaltsnettoeinkommen liegt zwischen 2.800 und 3.000 Euro, dazu kommen Kindergeld mit Kinderzuschlag und Wohngeld. Trotzdem: „Wenn wir Pech haben, bleibt nach den Fixkosten manchmal gar nichts mehr übrig.“ Schulden aus jüngeren Jahren, ein kaputtgegangener Trockner auf Raten, keine Rücklagen – es kommt immer wieder etwas obendrauf.1
Urlaub ist für Nadjas Familie kein Thema. Die Kinder fahren stattdessen ins Hövi-Land, wo es ein Ferienangebot gibt. Und selbst wenn Nadja arbeiten gehen wollte – sie hat keine abgeschlossene Ausbildung und würde durch wegfallende Zuschüsse am Ende nicht mehr in der Tasche haben als jetzt. „Wir haben gerade keine Idee, wie wir aus diesem Kreislauf herauskommen“, sagt sie.1
Manuela L. arbeitet als Rezeptionskraft und hat zusätzlich einen Mini-Job als Putzkraft. Ihr Sohn (19) lebt noch bei ihr, ihre Tochter ist bereits ausgezogen. Am Ende des Monats ist sie manchmal 50 Euro im Minus – manchmal auch plus minus null. Mehr bleibt nie.1
Kino, Treffen mit Freunden, Essen gehen – das läuft alles auf Sparflamme. Dieses Jahr war sie nur im Urlaub, weil ihre frühere Schwiegermutter ihr den Trip geschenkt hat. Und obwohl sie Freunde hat, die Hilfe anbieten: „Wenn ich es irgendwie selbst stemme, versuche ich ohne Hilfe auszukommen.“ Weil sie ihre Mutter bis zuletzt gepflegt hat, konnte sie nur Teilzeit arbeiten – das soll sich jetzt ändern. „Vielleicht kann ich dann wieder etwas besser schlafen.“1
Ob Familie mit Kindern, Alleinverdiener oder alleinstehende Teilzeitkraft – die Lebensrealitäten sind verschieden, die Sorgen ähnlich. Steigende Kosten lassen kaum noch Spielraum. Rücklagen? Fehlanzeige. Urlaub? Ein Luxus. Und das Gefühl, dass sich daran so schnell nichts ändert, macht vielen von ihnen am meisten zu schaffen. Hier in NRW betrifft das längst nicht nur einzelne Randgruppen – sondern ganz normale Menschen, die jeden Monat aufs Neue rechnen müssen.1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!