Kinderkliniken in NRW und ganz Deutschland kämpfen mit einem gravierenden Pflegenotstand. Was das für kranke Kinder und ihre Eltern bedeutet, liest du hier.
Lange Wartezeiten in der Notaufnahme, geschlossene Stationen, überlastetes Personal – was sich in vielen Kinderkliniken gerade abspielt, klingt wie ein schlechter Film. Aber es ist bittere Realität. Verschiedene Verbände schlagen Alarm: Der Pflegenotstand in deutschen Kinderkrankenhäusern spitzt sich zu – und NRW ist mittendrin. Jakob Maske, Bundespressesprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, warnt in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sogar vor einem „großen Knall“, der schon bald in den Kliniken drohen könnte.1
Wer mit einem kranken Kind in die Notaufnahme fährt, will eigentlich nur eines: schnelle Hilfe. Doch die Realität sieht immer öfter anders aus. Im schlimmsten Fall droht die Schließung ganzer Stationen, weil schlicht das Personal fehlt. Familien werden dann an andere Krankenhäuser weitergeschickt – mit allem Stress, den das für Eltern und Kinder bedeutet.1
Bernhard Hoch, Geschäftsführer der Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland, bringt es auf den Punkt:
„Wir sehen ein erhebliches Versorgungsproblem schon in den nächsten Monaten und sogar Jahren. Uns fehlen tausende Pflegekräfte.“
Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein: Auch der Berufsverband für Pflegeberufe und die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser warnen eindringlich vor genau diesem Szenario.1
Viele Experten sehen die Ursache des Problems in der Pflegereform von 2020. Davor war es möglich, in drei Jahren direkt zur Kinderkrankenschwester ausgebildet zu werden – mit vollem Fokus auf Kinder. Seit der Reform ist eine Spezialisierung auf Kinder frühestens ab dem zweiten Ausbildungsjahr möglich. Vorher müssen Azubis andere Bereiche durchlaufen, zum Beispiel die Altenpflege.1
Das schrecke viele Interessierte ab, sagen die Verbände – und fordern deshalb, die Reform zurückzudrehen. Das NRW-Gesundheitsministerium sieht das allerdings anders: Die generalistische Pflegeausbildung habe sich bewährt. Statt einer Rückkehr zu getrennten Ausbildungen setzt man in NRW auf Spezialisierungen nach der Ausbildung.1
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) ist ebenfalls gegen eine Rückkehr zum alten System – und das hat einen guten Grund: Die aktuelle Ausbildung ist europaweit anerkannt, und das will man nicht aufs Spiel setzen. DBfK-Präsidentin Vera Lux fordert stattdessen, die Arbeitsbedingungen in den Kliniken deutlich zu verbessern:1
„Wenn ich zu viele kranke Kinder betreuen muss, dann ist auf Dauer die Arbeitszufriedenheit gering und die Menschen verlassen diesen Beruf wieder.“
Konkret wünscht sich Lux unter anderem einen besseren Personalschlüssel – also mehr Pflegekräfte für weniger Patientinnen und Patienten. Außerdem appelliert sie an Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU), möglichst bald den Dialog mit Ärzte- und Pflegeverbänden zu suchen und sich selbst vor Ort in den Einrichtungen ein Bild zu machen.1
Egal ob Ausbildungsreform zurückdrehen oder Arbeitsbedingungen verbessern – in einem Punkt sind sich alle Verbände einig: Es braucht jetzt Lösungen. Warten ist keine Option. Denn wenn der „große Knall“ in der Kinderkrankenpflege kommt – und danach sieht es gerade aus – trifft es die Schwächsten: unsere Kinder.1
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