Eine Lehrerin aus Duisburg war fast 17 Jahre krankgeschrieben und kassierte trotzdem volle Bezüge. Alle Infos zum spektakulären Fall aus NRW.
Manchmal fragt man sich wirklich: Wie ist das möglich? Eine Lehrerin aus Duisburg war beinahe 17 Jahre lang krankgeschrieben – und hat in dieser Zeit trotzdem ihre vollen Bezüge kassiert. Der Fall sorgte deutschlandweit für Aufsehen und brachte die Behörden in NRW ordentlich in Erklärungsnot.1
Was steckt hinter dem Fall? Wir haben die wichtigsten Fakten für dich zusammengefasst.
Die Frau aus Duisburg unterrichtete als verbeamtete Lehrerin an einem Berufskolleg in Wesel. Seit 2009 war sie wegen psychischer Probleme krankgeschrieben – und das für fast 17 Jahre am Stück. Immer wieder schickte sie Atteste an ihren Arbeitgeber, aber niemand kontrollierte die Ausfälle.1
Das Verrückte daran: Normalerweise hätte die Bezirksregierung nach spätestens einem Jahr eine amtsärztliche Untersuchung anordnen müssen. Doch zum Amtsarzt musste die Lehrerin nie. Ein klassisches Behördenversagen, das sich über fast zwei Jahrzehnte hinzog.1
Während sie monatlich Bezüge zwischen 5.051 und 6.174 Euro erhalten haben soll, arbeitete sie laut „Bild“-Zeitung nebenher als Heilpraktikerin. Außerdem soll sie an Gründerwettbewerben teilgenommen und sogar ein Preisgeld von 5.000 Euro gewonnen haben.1
Für Beamte gilt: Eine Nebentätigkeit darf nur ausgeübt werden, wenn sie genehmigt ist. Genau hier liegt das Problem – und das Interesse der Ermittler.
Die Duisburger Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. Im März 2026 wurde die Wohnung der Lehrerin durchsucht. Der Verdacht: Sie soll ihre Dienstunfähigkeit vorgetäuscht und dem Land NRW bewusst falsche Angaben gemacht haben.1
Die Auswertung von Unterlagen und digitalen Datenträgern dauert noch an. Sollte sich der Verdacht des erwerbsmäßigen Betruges bestätigen, droht eine Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren. Allerdings beziehen sich die strafrechtlichen Vorwürfe nur auf die Jahre 2021 bis 2025 – alles davor könnte bereits verjährt sein.1
Parallel dazu leitete die Bezirksregierung Düsseldorf ein Disziplinarverfahren ein – nicht nur gegen die Lehrerin, sondern auch gegen einen Mitarbeiter der Behörde. Sollte ein Dienstvergehen festgestellt werden, drohen beamtenrechtliche Konsequenzen wie gekürzte Bezüge.1
Ja, richtig gelesen. Die Bezirksregierung ordnete an, die Lehrerin in den Ruhestand zu versetzen. Dagegen klagt sie nun vor dem Verwaltungsgericht in Düsseldorf. Über die Klage hatte der „Spiegel“ zuerst berichtet.1
Laut Bezirksregierung gilt: Bis zu einer Entscheidung werden die Dienstbezüge einbehalten, die den Ruhestandsbetrag übersteigen. Welche Aussichten ihre Klage hat, ist bisher unklar.1
Der Fall hat das Land NRW aufgerüttelt. Das Schulministerium kündigte an, die Prüfung von längeren oder wiederkehrenden Krankmeldungen zu verschärfen. Auffällige Unterbrechungen und Krankheitsphasen sollen schneller erkannt werden.1
Ein Sprecher des Schulministeriums betonte aber auch: „Es besteht bereits ein funktionierendes Kontrollsystem.“ Dauere eine Erkrankung länger als sechs Wochen, werde eine Eingliederung angeboten – nach drei Monaten werde ein amtsärztliches Verfahren eingeleitet.1
Der Fall zeigt, wie wichtig funktionierende Kontrollmechanismen in Behörden sind. Ob die geplanten Reformen des Landes NRW wirklich etwas bewegen, bleibt abzuwarten. Fest steht: Fast 17 Jahre ohne Kontrolle – das darf einfach nicht nochmal passieren. Wir bleiben für dich am Ball und halten dich auf antenne.nrw auf dem Laufenden.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!