Kein Swipen, kein Ghosting: Beim Event „Love at First Slide
Ghosting, Catfishing, endloses Swipen – wer kennt das nicht? Online-Dating kann ganz schön zermürbend sein. Aber in Köln wurde jetzt bewiesen: Es geht auch komplett anders. Im Ehrenfelder Bumann & Sohn fand die queere Ausgabe von „Love at First Slide“ statt – ein Dating-Event des Veranstalters „Rausgegangen“, bei dem nicht du dich selbst vorstellst, sondern deine besten Freunde das für dich übernehmen.1
Das Prinzip ist eigentlich genial simpel: Ein bis zwei Freunde haben sechs Minuten Zeit, um auf der Bühne zu erzählen, warum ihr Single-Freund oder eure Single-Freundin der oder die Perfekte ist. Was macht die Person aus? Welche Eigenheiten, Leidenschaften – und ja, auch Macken – hat sie mitgebracht?1
Die Pitches waren dabei so unterschiedlich wie die Menschen dahinter. Manche bauten ihre Präsentation auf wie eine Deutschstunde und analysierten ihre Freunde wie Literaturcharaktere. Andere beschrieben sie als eigenes Universum. Einige setzten auf Lobeshymnen, andere auf brutale Ehrlichkeit inklusive vermeintlich peinlicher Videos und Bilder. Von liebevoller Verpackung bis zu unbarmherziger Aufrichtigkeit war also alles dabei – und das Publikum liebte es.1
Moderiert wurde der Abend von Dragqueen Roxy Rex, die das Event auf einen schlichten, aber kraftvollen Nenner bringt: „Menschen schaffen Verbindung.“ Und das ist offenbar keine leere Phrase – durch „Love at First Slide“ hat bereits ein Paar zueinandergefunden, das später sogar mit einem gemeinsamen Freund zurückkam, um diesen selbst zu pitchen.1
Veranstalterin Anni Kurze betont, warum ihr die queere Ausgabe besonders am Herzen liegt: „Wir möchten allen Leuten eine Plattform für Sichtbarkeit und für Daseinsberechtigung bieten. Wir hoffen, dass einfach alle Personen in ihrem Leben Liebe finden, egal wie diese Liebe aussieht.“1
Der Abend hatte aber auch eine nachdenkliche Note. Zu Beginn hielten die Gäste eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags auf den CSD in Berlin am 25. Juli ab. Für Roxy Rex ist das kein Widerspruch zum Feiern: „Drag ist politisch. Wenn ich auf die Bühne gehe, ist das automatisch politisch.“ Ihr Appell ans Publikum war klar: „Redet miteinander, seid laut, seid stolz, zeigt Mitgefühl. Das brauchen wir vor allem jetzt in dieser Zeit.“1
Auch Besucherin Michelle Denise Schmidt, die beim Kölner CSD dabei war, spürte die Schwere des Moments: „Wenn man sowas als queere Person liest, merkt man, dass wir immer noch nicht sicher sind in Deutschland.“ Trotzdem – oder gerade deswegen – sind queere Events für sie unverzichtbar: „Wir sind hier, wir sind laut und wir gehören zu dieser Gesellschaft.“1
Was macht „Love at First Slide“ so besonders gegenüber Dating-Apps? Gast Jan Glaab bringt es auf den Punkt: „Bei Dating-Apps sieht man nur Bilder, die ganze Ausstrahlung und der Charakter gehen komplett unter. Hier bekommt man die Persönlichkeit direkt mit. Und darüber geht ja auch ganz viel Attraktivität und Sympathie einher.“1
Michelle Denise Schmidt kam mit einem klaren Ziel: ein bisschen aus ihrer Komfortzone rauskommen. Ihr Fazit zum Unterschied zu Apps? Auf Tinder und Co. wird man ständig geghostet. „Hier kann man direkt ins Gespräch kommen. Und wenn es nicht passt, weiß man aber auch direkt Bescheid.“ Ehrlicher geht’s kaum.1
Nach den Pitches gab es eine Bar-Night mit Musik und Drinks – die perfekte Möglichkeit, um weiterzuplaudern, neue Leute kennenzulernen und vielleicht sogar den oder die Richtige zu finden. Ob romantisch oder einfach als neue Freundschaft. Roxy Rex zieht ein mehr als positives Fazit: „Die Stimmung war nie besser. Die Leute haben gelacht, sich amüsiert, Getränke bestellt, sich gefunden.“1
Also, liebe NRW-Community: Nächstes Mal einfach die besten Freunde schnappen, einen mutigen Pitch vorbereiten und zeigen, was ihr draufhabt – abseits von Algorithmen und Profilbildern. Echte Verbindungen entstehen eben im echten Leben. 💜
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