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Kettensäge statt Kuschelbär: Greenpeace protestiert vor Ikea-Filialen in NRW und ganz Deutschland
8. November 2026

Greenpeace protestierte an 45 Ikea-Filialen gegen Holz aus schützenswerten Wäldern. So deckte eine Recherche die fragwürdige Lieferkette des Möbelriesen auf.

Protest-Aktion an 45 Ikea-Filialen

Von München bis Kiel, von Köln bis Freiburg – Greenpeace hat deutschlandweit an 45 Ikea-Filialen protestiert. Wie Greenpeace mitteilt, verteilten Aktive vor den Möbelhäusern Aufsteller im Stil des bekannten Strichmännchens aus Ikeas Montageanleitungen – allerdings mit Kettensäge in der Hand. Dazu die klare Forderung: „Ikea, raus aus schützenswerten Wäldern!“ In Berlin-Lichtenberg kaperten Aktivist:innen sogar die Plakatwerbung an der Ikea-Fassade und hängten ein eigenes Motiv auf: Ein Ikea-Bett vor kahlgeschlagenem Wald, dazu der Spruch „Dein Traum. Sein Albtraum. Ikeas Profit.“ Auch in Freiburg war Greenpeace vor Ort, wie die Ortsgruppe über ihre Plattform Greenwire berichtet.

Was steckt hinter dem Protest?

Anlass der Aktion ist eine aktuelle Recherche von Greenpeace Nordic. Mit Satellitendaten, Kartierungen und behördlichen Abholzungsgenehmigungen hat die Organisation nachgewiesen, dass Holz aus ökologisch wertvollen Wäldern Schwedens in der Lieferkette von Ikea landet. Um das zu belegen, platzierten Greenpeace-Teams aus Schweden und Deutschland an insgesamt 20 Orten GPS-Tracker in frisch gefällten Baumstämmen. Die Spur führte zu zwei Sägewerken des Forstkonzerns SCA – nach Angaben von Greenpeace der größte private Waldbesitzer Schwedens und größte private Landbesitzer Europas. Über Lieferketten- und Zolldaten konnte belegt werden, dass das Holz an Möbelhersteller geht, die direkt für Ikea produzieren. Betroffen sind demnach bekannte Produkte wie das Regalsystem Ivar, das Etagenbett Mydal, die Betten Neiden und Utaker sowie das Regal Hejne.

Kontinuitätswälder: Warum sie so wichtig sind

Im Zentrum der Kritik stehen sogenannte Kontinuitätswälder – Wälder, die seit Jahrhunderten nie kahlgeschlagen wurden. Laut Greenpeace holzt die schwedische Industrie jährlich rund 26.000 Hektar dieser alten Wälder ab, eine Fläche von über 40.000 Fußballfeldern. Schreitet die Zerstörung ungebremst voran, könnten laut wissenschaftlichen Schätzungen bis 2052 keine Kontinuitätswälder mehr in Schweden existieren. Besonders betroffen ist die indigene Gemeinschaft der Sámi, für die alte Baumflechten als Winterfutter für ihre Rentiere überlebenswichtig sind. Greenpeace weist zudem auf ein zweites Fallbeispiel aus Rumänien hin: Dort wurde ein 170 Jahre alter Wald in einem Natura-2000-Schutzgebiet für einen Ikea-Zulieferer gerodet, bevor ein geplanter Schutzstatus greifen konnte.

Ikeas Nachhaltigkeits-Siegel in der Kritik

Ikea wirbt mit einem grünen Image und beruft sich auf seine Mitgliedschaft im Forest Stewardship Council. Laut eigenen Angaben stammen fast 98 Prozent des verwendeten Holzes aus FSC-zertifizierten Quellen. Das Problem dabei: Die FSC-Standards unterscheiden sich von Land zu Land. Während großflächige Kahlschläge in Deutschland weitgehend verboten sind, erlaubt der schwedische Standard genau diese Praxis. Greenpeace-Waldexperte Harald Gross kritisiert, Ikea nutze die schwachen schwedischen Schutzstandards gezielt aus. Ikea selbst hat sich zu der aktuellen Recherche bislang nicht geäußert.

Andere Konzerne ziehen Konsequenzen

Dass ein Umdenken möglich ist, zeigen laut Greenpeace andere internationale Unternehmen: Zwischen Herbst 2025 und Frühjahr 2026 kündigten Nestlé, Zalando und L’Oréal an, Zellstoff des Forstkonzerns SCA schrittweise aus ihren Lieferketten zu verbannen. Die Konzerne reagierten damit auf Kritik und Recherchen von Greenpeace und weiteren Umweltorganisationen zu den Einschlagspraktiken von SCA. Greenpeace fordert nun auch von Ikea verbindliche Biodiversitätsziele und ruft über eine Online-Petition dazu auf, den Bezug von Holz aus schützenswerten Wäldern zu stoppen.

Quellen


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