Die Gedenkstele für Widerstandskämpferin Freya von Moltke in Köln wurde durch Vandalismus zerstört. Jetzt sucht der Arbeitskreis nach einem neuen Standort.
Freya von Moltke, Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus und Mitgründerin des „Kreisauer Kreises“, verdient einen würdigen Platz im Stadtbild Kölns – da sind sich die Aktiven des „Arbeitskreises Freya von Moltke“ einig. Doch die Realität ist frustrierend: Die Gedenkstele am Hauptbahnhof wurde immer wieder beschädigt, zuletzt im August 2025 durch Vandalismus zerstört. Seitdem ist nichts mehr zu sehen. Und ein neuer Standort? Noch immer nicht gefunden.1
Freya von Moltke wurde 1911 als Tochter des Bankiers Carl Theodor Deichmann in Köln geboren – genau dort, wo später das Deichmannhaus am Hauptbahnhof entstand. Zusammen mit ihrem Mann Helmuth James von Moltke gründete sie den „Kreisauer Kreis“, eine konspirative Gruppe, die sich auf dem Gut Kreisau in Schlesien traf. Die Hochgebildeten machten sich nicht nur Gedanken über den Widerstand gegen die NS-Diktatur, sondern auch über ein demokratisches Deutschland danach. Helmuth James von Moltke wurde 1944 verhaftet und zum Tode verurteilt. Freya von Moltke setzte sich nach dem Krieg für die deutsch-polnische Verständigung ein und starb mit 99 Jahren.1
„Sie war für die deutsche und europäische Geschichte eine bedeutende Person“, sagt Ulrich S. Soénius, Kuratoriumsmitglied der Freya von Moltke-Stiftung. Ihr Wahlspruch, der auf der Stele zu lesen war, bringt es auf den Punkt: „Es lohnt sich immer, etwas zu tun, was man nicht für sich tut. Das ist auf dieser Erde fast für jeden zu finden.“1
Schon von Anfang an lief das Projekt nicht rund. 2011 stellte der Arbeitskreis – bestehend aus Aktiven der katholischen und evangelischen Kirche – anlässlich von Moltkes 100. Geburtstag zum ersten Mal eine Stele auf. Da der damalige Eigentümer des Deichmannhauses eine Montage an der Außenwand ablehnte, musste die Tafel auf städtischem Grundstück aufgestellt werden – mit etwas Abstand zum Gebäude. Das wurde ihr zum Verhängnis.1
Reste der Stele hat immerhin der Hausmeister des Deichmannhauses gerettet. Von einem politischen Anschlag geht Georg Dietlein, Vorsitzender des Arbeitskreises, nicht aus – dazu polarisiere die 2010 verstorbene Juristin und evangelische Christin zu wenig. Eher denkbar sei, dass Fußballfans an der stark frequentierten Ecke von Bahnhofsvorplatz und Trankgasse die Stele beschädigten.1
Der Arbeitskreis fragte die Stadt an, ob eine neue Tafel an einem der viereckigen Leuchtkörper auf dem Bahnhofsplatz angebracht werden könne. Mobilitätsdezernent Ascan Egerer lehnte das ab – die Rhein-Energie bräuchte den „uneingeschränkten Zugang“ zu einer Revisionsöffnung. Alternative Vorschläge von städtischer Seite? Fehlanzeige.1
„Ich hätte mir kreativere Einwände vorstellen können“, sagt Dietlein. Die Stele hätte schließlich nur eine Seite der Beleuchtung in Anspruch genommen. Soénius bringt es auf den Punkt: „Am besten wäre eine Tafel direkt am Haus, dann würde auch nicht passieren, was passiert ist.“ Vor einigen Jahren hatte er sich sogar für die Umbenennung des Bahnhofsvorplatzes in Freya-von-Moltke-Platz eingesetzt – der Antrag wurde von der Bezirksvertretung abgelehnt.1
Trotz aller Rückschläge macht der Arbeitskreis weiter. Erstmals lobt er in diesem Jahr den Freya-von-Moltke-Preis aus. Bewerben können sich bis zum 17. Oktober junge Menschen, die in Köln und Umgebung Projekte im Bereich zivilgesellschaftliches Engagement oder Partizipation realisieren. Ein schönes Zeichen dafür, dass das Erbe von Freya von Moltke lebendig bleibt – auch wenn die Stele gerade keinen Platz hat. Mehr Infos dazu gibt es auf www.freya.koeln.1
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!