ANTENNE NRW Spritpreis-Rechner

Foto wurde mit
KI generiert
Stromlücke in NRW: Was hinter der Sorge um den Kohleausstieg steckt
7. November 2026

Kohleausstieg 2030, aber neue Gaskraftwerke erst 2031: Warum sich NRW Sorgen um eine Stromlücke macht und wer jetzt den Zuschlag bekommen hat.

Kohleausstieg 2030 – aber neue Kraftwerke erst später fertig?

In NRW wird gerade ordentlich über die Zukunft unserer Stromversorgung diskutiert. Der Grund: Die letzten Braunkohleblöcke sollen laut Antwort des NRW-Wirtschaftsministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP bereits zum 31. März 2030 vom Netz gehen. Die neuen Gaskraftwerke, die als Ersatz einspringen sollen, müssen aber laut dieser Antwort erst ab dem 1. November 2031 liefern. Dazwischen liegen also rund 19 Monate, in denen es laut FDP-Politiker Dietmar Brockes keinen konkreten Plan gibt. Wie die Aachener Zeitung berichtet, kritisiert Brockes die Landesregierung scharf: Man verlasse sich offenbar nur darauf, dass die Kraftwerksbetreiber freiwillig schneller fertig werden. Das sei „grob fahrlässig“, so seine Einschätzung.

Drei neue Gaskraftwerke für NRW – alle gehen an RWE

Parallel dazu gibt’s aber auch Bewegung bei der Planung neuer Gaskraftwerke. Die Bundesnetzagentur hat entschieden, wer im Rahmen der Kraftwerksstrategie der Bundesregierung den Zuschlag für neue Anlagen bekommt. Wie der WDR berichtet, beworben hatten sich elf Standorte – drei davon in NRW haben in der ersten Runde den Zuschlag erhalten: Werne im Kreis Unna, Weisweiler in der Städteregion Aachen und Voerde im Kreis Wesel. An allen drei Standorten stehen schon jetzt Kraftwerke des Energiekonzerns RWE, und auch bei den neuen Anlagen ist es wieder RWE, das zum Zuge kommt.

Laut WDR teilte RWE mit, dass an allen Standorten Anlagen „in modernster Kraftwerkstechnologie“ entstehen sollen. Die erste Anlage könnte demnach schon 2030 in Betrieb gehen – RWE habe früh mit Planung und Genehmigungsprozessen begonnen. Insgesamt bekamen deutschlandweit nur wenige Betreiber den Zuschlag: Neben RWE profitieren auch die Lausitz Energie Kraftwerke (LEAG), die Gaskraftwerke Leipheim und die Stadtwerke Karlsruhe. Eine zweite Ausschreibungsrunde ist laut Bundesnetzagentur bereits in Vorbereitung, ein neuer Gebotstermin soll am 10. November veröffentlicht werden.

Könnte der Strom jetzt teurer werden?

Die Förderung der neuen Gaskraftwerke ist nicht ganz günstig: Laut WDR ergeben sich aus den bisher bezuschlagten Projekten jährliche Kosten von gut 800 Millionen Euro, die über eine neue Umlage auf alle Stromverbraucher umgelegt werden sollen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht das Ganze trotzdem positiv: Der durchschnittliche Zuschlagspreis liege mit rund 155.000 Euro deutlich unter dem Höchstpreis von 244.000 Euro – das senke die Kosten für die Absicherung der Stromversorgung.

Ganz anders sieht das der Umweltverband BUND NRW. Referent Dario Deilmann kritisiert gegenüber dem WDR, dass die Bundesregierung „Milliarden an RWE und Co.“ verteile und die Rechnung an die Stromkunden schicke. Die Ausschreibung sei so gestaltet gewesen, dass vor allem Gaskraftwerke zum Zug kommen konnten, während Batteriespeicher und erneuerbare Erzeuger kaum eine Chance gehabt hätten. Deilmann warnt zudem vor einer weiteren Monopolisierung des Strommarkts, da die komplette erste Runde in NRW an RWE ging.

NRW-Ministerin sieht Licht und Schatten

Auch NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) äußerte sich laut WDR zu dem Ergebnis – erfreulich sei es zwar, aber „nicht unproblematisch“. Kritisch sieht sie etwa, dass vor allem die Umrüstung alter Braunkohleanlagen bezuschlagt wurde statt der Neubau moderner Gaskraftwerke. Das sei zwar günstig, aber „nur bedingt zukunftsfähig“. Für die kommenden Ausschreibungsrunden erwartet sie, dass auch weitere Anbieter aus NRW und anderen Regionen zum Zug kommen und flexiblere Anlagen mit höherem Wirkungsgrad gefördert werden.

Fest steht: Die Zeitspanne zwischen dem geplanten Ende der Braunkohle und dem Start der neuen Gaskraftwerke bleibt ein heikles Thema. Ob die 19 Monate Lücke am Ende wirklich zum Problem werden, hängt davon ab, wie schnell RWE die neuen Anlagen tatsächlich fertigstellen kann – und wie die kommenden Ausschreibungsrunden der Bundesnetzagentur ausfallen.

Quellen


Diskutiere mit!
Anonym und ganz ohne Anmeldezwang!
Alle Kommentare werden von unserer Redaktion im Vorfeld geprüft.
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

© 2026 The Radio Group Holding GmbH

Newsletter

Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven! 

Deine Anmeldung konnte nicht gespeichert werden. Bitte versuche es erneut.
Deine Anmeldung war erfolgreich.