Nach dem Lkw-Unfall auf der A57 ist Salpetersäure in den Rhein gelangt. Was das für euer Trinkwasser in Krefeld, Duisburg und am Niederrhein bedeutet.
Ihr erinnert euch bestimmt noch an den krassen Unfall auf der A57 bei Krefeld, als ein Lkw mit 23 Tonnen Salpetersäure umgekippt ist. Jetzt gibt’s ein Update – und das ist nicht ganz ohne: Die Chemikalie ist tatsächlich über einen Regenwasserkanal in den Rhein gelangt. Bestätigt wurde das vom Landesamt für Natur, Umwelt und Klima (LANUK) in einer Meldung des Warn- und Alarmdienstes Rhein.1
Wie viel Säure genau im Fluss gelandet ist, ist aktuell noch unklar. Die Feuerwehr Krefeld hat aber gegenüber dem WDR bestätigt, dass ein Teil der Salpetersäure direkt an der Unfallstelle abgepumpt werden konnte, bevor sie überhaupt in den Kanal lief.1
Der Lkw war in der Nacht auf Freitag auf der Auffahrt der A57 Richtung Nijmegen umgekippt. Erst am Morgen danach haben die Behörden gemerkt, dass die Chemikalie in den Kanal geflossen ist – da war ein Absperren schon nicht mehr möglich. Seitdem spült die Feuerwehr Krefeld mit Wasser nach, damit sich die Säure so gut wie möglich verdünnt.1
Die gute Nachricht zuerst: Laut LANUK-Sprecher Wilhelm Deitermann ist die verdünnte Menge Salpetersäure im Vergleich zur riesigen Wassermenge im Rhein für Menschen ungefährlich. Ganz ausschließen lässt sich aber nicht, dass es direkt an der Einleitstelle, also dort wo der Kanal in den Rhein mündet, kurzfristig zu überschrittenen Grenzwerten kommt. Aktuelle Messwerte dafür gibt’s laut LANUK noch nicht.1
Für die Trinkwassergewinnung aus dem Rhein besteht nach aktuellem Stand keine Gefahr. Trotzdem wurden die Trinkwasserunternehmen vorsorglich informiert und sollen bei Bedarf reagieren – zum Beispiel könnte die Entnahme von Rohwasser aus dem Rhein für ein paar Stunden pausiert werden.1
Falls ihr am Niederrhein wohnt und jetzt nervös werdet: Duisburgs Trinkwasser kommt komplett aus Grundwasser. Ein großer Teil davon ist sogenanntes Rheinuferfiltrat – das Wasser versickert im Boden und wird dabei durch Kiesschichten ganz natürlich gefiltert. Auch im Kreis Wesel und im Kreis Kleve stammt das Trinkwasser überwiegend aus Grundwasser. Die reinen Stadtwerke konnten am Nachmittag leider nicht mehr erreicht werden, um das nochmal einzeln zu bestätigen.1
Nicht so entspannt ist die Lage für die Natur im Rhein. Im betroffenen Bereich könnte es laut Warn- und Alarmdienst zu Schäden an Pflanzen, Tieren und anderen Organismen kommen. Salpetersäure ist schließlich kein Spaß: Sie verursacht schwere Verätzungen auf der Haut und kann beim Einatmen die Atemwege reizen.1
Was vielleicht überrascht: Sowas kommt laut Deitermann gar nicht so selten vor. „Der Rhein ist ein Fluss, der schon immer mit Gift- und Industriestoffen zu tun hat“, sagt er. Deshalb wird an unterschiedlichen Stellen regelmäßig gemessen – und auch mit den Behörden in den Niederlanden sowie den Trinkwasserunternehmen steht man in engem Austausch.1
Die Lage scheint also unter Kontrolle zu sein, auch wenn noch nicht alle Fragen geklärt sind. Für euer Leitungswasser besteht aktuell keine akute Gefahr, aber die Behörden behalten die Messwerte im Blick. Wir halten euch auf dem Laufenden, sobald es neue Infos zu dem Fall gibt.
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