Warnstreiks, 5-Prozent-Forderung und Jobsorgen: So entwickelt sich der Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie in NRW gerade weiter.
Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie spitzt sich weiter zu. Nachdem wir in einem früheren Beitrag über die Warnstreiks in Bielefeld berichtet haben, hat sich die Lage in ganz Nordrhein-Westfalen und bundesweit nochmal deutlich verschärft. Nach dem Ende der Friedenspflicht am 31. Oktober hat die Tarifkommission der IG Metall NRW Warnstreiks ab dem 1. November beschlossen – als Reaktion auf das aus ihrer Sicht völlig unzureichende Angebot der Arbeitgeber.
Laut IG Metall NRW beteiligten sich allein in Duisburg und Dinslaken Hunderte Beschäftigte an den Aktionen: Bei Siemens Energy in Duisburg legten am 3. November mehr als 300 Beschäftigte die Arbeit nieder, bei Benteler Steel/Tube in Dinslaken waren es mehr als 120. Am 4. November folgten laut IG Metall Duisburg-Dinslaken rund 220 Beschäftigte bei Norgren in Alpen und PINTSCH in Dinslaken, einen Tag später wurden Aktionen bei Grillo und TROX angekündigt. Bundesweit sprach die IG Metall-Pressemitteilung vom 6. November von über 413.000 Beschäftigten, die sich an der Warnstreik-Welle beteiligt hätten.
Wie all-electronics.de berichtet, fordert die IG Metall für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie bundesweit 5 Prozent mehr Entgelt bei zwölf Monaten Laufzeit. Auch Ausbildungsvergütungen sollen steigen, Beschäftigte in unteren Entgeltgruppen zusätzlich entlastet werden. Neu in dieser Tarifrunde ist der Vorstoß nach einer tariflichen Gewinnbeteiligung für besonders erfolgreiche Unternehmen sowie eine stärkere tarifliche Absicherung von Jobs und Standorten in wirtschaftlich schwierigeren Betrieben.
Die Arbeitgeberseite sieht das anders. Nach der zweiten Verhandlungsrunde hatten die Arbeitgeber laut all-electronics.de erstmals ein Angebot vorgelegt: eine mögliche Einmalzahlung im Juli 2027 sowie eine dauerhafte Entgelterhöhung von lediglich 1,3 Prozent ab Juli 2028. Die IG Metall NRW wies das Angebot scharf zurück und bezeichnete es als „zu spät, zu niedrig, zu lang, zu wenig Zukunft“.
Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hält die 5-Prozent-Forderung der Gewerkschaft für zu hoch. Wie all-electronics.de berichtet, verweisen die Arbeitgeber auf die schwache industrielle Entwicklung, bereits eingetretene Beschäftigungsverluste und einen anhaltenden Kostendruck am Standort Deutschland. Schon in den Monaten vor der Tarifrunde hatten Arbeitgeberverbände vor hohen Energiepreisen, Bürokratie, Steuerbelastung und internationalem Wettbewerbsdruck gewarnt.
Tatsächlich zeigt sich die Branche stark gespalten: Nach Angaben der IG Metall ist der Auftragsbestand in etwa zwei Dritteln der Unternehmen gut bis sehr gut, etwa im Schiff- und Schienenfahrzeugbau, in der Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt sowie der Rüstungsindustrie. In Teilen der Automobilindustrie und des Maschinenbaus dagegen bewertet die Gewerkschaft die Lage bei rund einem Drittel der Unternehmen als schlecht bis sehr schlecht. Auch der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat laut IG Metall seit 2024 fast 60.000 Arbeitsplätze verloren, weshalb Betriebsräte und Gewerkschaft einen dauerhaften Zukunftsdialog unter Führung des Bundeswirtschaftsministeriums fordern.
Neben dem Geld treibt vor allem die Sorge um den Arbeitsplatz viele Beschäftigte um. Laut IG Metall macht sich mehr als die Hälfte der Befragten in einer aktuellen Erhebung Sorgen um die eigene Stelle oder die Zukunft des Betriebs. Besonders auffällig: Stellenabbau betrifft inzwischen nicht mehr nur Krisenbetriebe. Nach einer Betriebsrätebefragung der IG Metall baut mittlerweile auch etwa jedes sechste Unternehmen mit guten oder sehr guten Aussichten Stammbelegschaft ab – vor drei Jahren lag dieser Anteil nach Gewerkschaftsangaben noch bei nur 5 Prozent.
Die IG Metall hat nach eigenen Angaben inzwischen einen Lösungsvorschlag vorgelegt, der Zukunft und Jobs absichern soll. Ob sich die Tarifparteien damit annähern, bleibt abzuwarten. Parallel rollt bereits die nächste Tarifrunde an: Für die nordwestdeutsche Stahlindustrie fordert die Tarifkommission der IG Metall ebenfalls 5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für zwölf Monate, auch für Auszubildende. Die erste Verhandlung dazu ist für den 18. Dezember angesetzt, zum Jahreswechsel endet dort die Friedenspflicht. Der Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie dürfte also auch in den kommenden Wochen für Schlagzeilen und weitere Warnstreiks in NRW sorgen.
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