Schulen kühlen ohne Klimaanlage – Ingenieur Gerhard Hoffmann erklärt, wie die „Stille Kühlung“ mit Wasser Klassenzimmer auf 24 bis 27 Grad bringen kann.
Kennt ihr das? Draußen knallt die Sonne, das Thermometer zeigt fast 40 Grad – und in den Klassenzimmern ist die Luft zum Schneiden dick. Hitzefrei ist dann oft die einzige Option. Doch das muss nicht so sein! Ingenieur Gerhard Hoffmann aus Frechen hat eine spannende Alternative zu klassischen Klimaanlagen entwickelt, die Schulen und Kitas auch ohne teuren Stromfresser angenehm kühl halten kann.1
Vor den Sommerferien hatten viele Kölner Schulen und Kitas ein echtes Problem: Die Hitzewelle im Juni und Juli sorgte für extreme Temperaturen in Klassenzimmern und Gruppenräumen. Die Arbeitsbedingungen für Schüler, Lehrer, Kitakinder und Erzieher wurden schlicht unerträglich.1
Der Grund, warum Klimaanlagen in den meisten städtischen Schulen fehlen? Politische Vorgaben. Köln hat 2019 den Klimanotstand ausgerufen und 2021 beschlossen, bis 2035 klimaneutral zu werden. Strombetriebene Klimaanlagen gelten deshalb noch immer als klimaschädlich und teuer – und sind gemäß der städtischen Energieleitlinien an Schulen grundsätzlich nicht vorgesehen.1
Hoffmann, der als Senior-Auditor der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) tätig ist, hat eine clevere Lösung parat: die sogenannte „Stille Kühlung“. Das Prinzip klingt simpel – und ist es auch:1
Das Ergebnis: Selbst bei über 30 Grad Außentemperatur lässt sich ein Klassenzimmer laut Hoffmann auf angenehme 24 bis 27 Grad kühlen.1
Das ist kein reines Theoriekonzept! Im neuen Gymnasium Brügelmannstraße in Deutz wird das Prinzip der Wasserkühlung bereits genutzt: Kühles Grundwasser wird durch die Schläuche der Fußbodenheizung gepumpt. Selbst bei größter Hitze seien die Temperaturen dort in den vergangenen Wochen nicht über 27 Grad Celsius gestiegen, so Hoffmann.1
Auch in anderen Projekten hat der Ingenieur das System bereits erfolgreich umgesetzt – unter anderem in der Europa-Zentrale von Kik in Bönen. Außerdem wird das Prinzip gerade in einem Bürogebäude in Bochum bei laufendem Betrieb installiert.1
Ganz einig ist man sich da nicht: Die Stadt Köln hält das Konzept für eine Nachrüstung in älteren Schulen für ungeeignet. Die Verwaltung befürchtet, dass komplett neue Rohrleitungsnetze nötig wären, da bestehende Leitungen nur für warmes Wasser ausgelegt seien. Zudem könne sich zu viel Kondenswasser bilden und das Gebäude schädigen. Der Schulbetrieb müsste über viele Wochen ruhen oder ausgelagert werden.1
Hoffmann lässt das nicht gelten. Er erklärt, das System sei als Ergänzung zum bestehenden Heizungssystem gedacht und ausschließlich zum Kühlen durch natürliche Luftzirkulation konzipiert. Neue Kaltwasserleitungen in den Klassenzimmern und idealerweise ein Grundwasseranschluss am Gebäude seien zwar nötig – diese Investitionen amortisierten sich aber langfristig durch die sehr geringen Betriebs- und Wartungskosten. Gebäudeschäden seien nicht zu befürchten.1
Die Idee ist spannend und zeigt, dass es Wege gibt, Schulen in NRW auch ohne klassische Klimaanlage erträglich kühl zu halten. Ob die Stadt Köln und andere Kommunen das Konzept irgendwann aufgreifen, bleibt abzuwarten. Eines ist klar: Der nächste heiße Sommer kommt bestimmt – und dann wäre es schön, wenn niemand mehr Hitzefrei braucht.
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