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75 Jahre ASG: Wie Kölns Wohnungsnot eine kirchliche Erfolgsgeschichte schrieb
8. September 2026

Die Antoniter Siedlungsgesellschaft feiert 75 Jahre – von der Kölner Wohnungsnot nach dem Krieg zur kirchlichen Erfolgsgeschichte mit 1.781 Wohnungen.

Von Ruinen zum Wohnungsunternehmen – eine Kölner Geschichte

Köln, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: Die Stadt liegt in Trümmern, Flüchtlinge und Vertriebene strömen in die Stadt, und für rund 595.000 Menschen stehen gerade mal etwa 123.000 Wohnungen zur Verfügung. Klingt nach einer Katastrophe – und war es auch. Aber genau aus dieser Not heraus entstand am 13. Februar 1951 etwas, das heute als echte Erfolgsgeschichte gilt: die Antoniter Siedlungsgesellschaft (ASG).1

Die Feier zum 75-jährigen Jubiläum im Haus der Evangelischen Kirche war entsprechend festlich – inklusive rotem Teppich und einem gut gelaunten Geschäftsführer Guido Stephan, der seine Gäste persönlich begrüßte. Von Premierenfieber keine Spur.1

Klein gestartet, groß rausgekommen

Das Unternehmen – damals noch als „Evangelische Siedlungsgesellschaft mbH, Köln“ gegründet – startete mit gerade mal 50.000 D-Mark. 75 Prozent des Kapitals kamen vom Gesamtverband der evangelischen Kirchengemeinden im Kirchenkreis Köln, 25 Prozent vom Kirchenkreis selbst. Erster Aufsichtsratsvorsitzender und Initiator war Hans Encke, Pfarrer der Kreuzkapelle in Riehl und später Stadtsuperintendent. Er übernahm von 1953 bis 1955 auch die Geschäftsführung – in einer Zeit, in der es vor allem darum ging, die Insolvenz abzuwenden und das Unternehmen zu stabilisieren.1

Das klappte: Bereits 1964 konnte die erste Dividende gezahlt werden. Heute hat die ASG kölnweit 1.781 Wohnungen im Bestand, die Hälfte davon öffentlich gefördert. Dazu kommen noch 1.150 Wohnungen von Dritteigentümern, die die ASG verwaltet – darunter viele evangelische Gemeinden, für die sie auch als Beraterin in Immobilienfragen tätig ist.1

Ein Wohnzimmer mitten in der Feier

Das Jubiläumsprogramm war alles andere als eine langweilige Festrede. Im Haus der Kirche hatte man kurzerhand ein Wohnzimmer nachgebaut – „bewohnt“ von der Kabarettistin Gabi Weiss in ihrer Paraderolle als Irmgard Knüppel. Die empfing dort ununterbrochen Gäste: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ASG und des Tochterunternehmens Grube & Räther, die in kleinen Dialogszenen zeigten, was sie im Alltag so treiben.1

Der Elektriker George Okuome reparierte eine Steckdose, die Architektin Verena Nelles begutachtete einen Gebäudeschaden, Andrea Gasper gab Ratschläge zu einer Patientenverfügung – und Gärtner Ralf Hesse sorgte vor dem „Wohnzimmerfenster“ für ordentlich Lärm. Irmgard Knüppels Reaktion? „Ich wünsche immer eine Handbreit Laub unterm Bläser.“ Chapeau.1

Wohnen als Diakonie – und als Bibel-Thema

Neben dem unterhaltsamen Rahmenprogramm gab es auch nachdenkliche Töne. Stadtsuperintendent Bernhard Seiger betonte, dass menschenwürdiges Wohnen ein Grundbedürfnis sei – die Basis für alles, was Menschen im Leben draußen leisten. „Und da sind wir als Kirche gefragt, weil wir um die Menschen mit ihren Bedürfnissen wissen. Kirchlicher Wohnungsbau ist, wenn man so will, auch ein Ausdruck von Diakonie“, so Seiger.1

Interessantes Randdetail: Das Thema Wohnen taucht laut Seiger im Alten und Neuen Testament sage und schreibe 400-mal auf. Im 2. Buch der Könige 2,19 heißt es: „Siehe, es ist gut wohnen in dieser Stadt“ – laut Stadtsuperintendent übrigens die erste Erwähnung Kölns in der Bibel. Und Sprüche 21,9 sorgte für Heiterkeit im Publikum: „Besser im Winkel auf dem Dach wohnen als mit einer zänkischen Frau zusammen in einem Haus.“1

Gut aufgestellt, aber Neubau bleibt teuer

Oberbürgermeister Torsten Burmester meldete sich per Videobotschaft zu Wort und hob hervor, dass die ASG damals Verantwortung übernommen hat – und diese bis heute trägt. Geschäftsführer Guido Stephan gab zu: „Es war nicht selbstverständlich, dass aus der Idee, ein evangelisches Wohnungsunternehmen zu gründen, eine Erfolgsgeschichte wird.“ Heute sei man gut aufgestellt und auf einem guten Weg. Einziges Problem: Neubau ist derzeit „unfassbar teuer“.1

75 Jahre ASG zeigen, dass aus einer echten Notlage heraus etwas Bleibendes entstehen kann. Eine Geschichte, die zeigt: Wohnen ist mehr als vier Wände – es ist die Grundlage für alles andere. Und manchmal braucht es eine Kirche, um das in die Tat umzusetzen.

Quellen

  1. 75 Jahre ASG: Wie aus Kölns Wohnungsnot eine kirchliche Erfolgsgeschichte wurde – Evangelischer Kirchenverband Köln und Region


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