Über 100 Mieter in Witten verklagt: Was bei der Nebenkostenabrechnung schieflaufen kann und wie euch ein Mieterschutzbund bei Problemen hilft.
Jedes Jahr flattert sie ins Haus: die Nebenkostenabrechnung. Für viele ein nerviges Stück Papier, das man kurz überfliegt und dann abheftet. Aber genau da liegt das Problem – denn nicht jede Abrechnung, die der Vermieter schickt, stimmt auch wirklich. Wie aktuelle Fälle zeigen, kann es richtig teuer und kompliziert werden, wenn Positionen nicht sauber belegt sind. Wir sagen euch, welche Rechte ihr als Mieter habt und wo ihr Unterstützung findet.
Wie wdr.de berichtet, geht der Immobilienkonzern LEG in Witten gegen über 100 Mieterinnen und Mieter gerichtlich vor. Grund sind Nachforderungen aus Betriebskostenabrechnungen, die die Mieter nicht gezahlt haben. Vor dem Amtsgericht Witten sind deshalb aktuell rund 115 Verfahren anhängig. Die Betroffenen berufen sich dabei auf ein Zurückbehaltungsrecht, weil sie die Nachforderungen für nicht ordnungsgemäß belegt halten.
Besonders krass wird es im Fall des Mieters Ulrich Sklareck: Die LEG legte zunächst 1.710 Seiten Belege vor – davon betrafen aber nur 17 Seiten tatsächlich seine Wohnung. Am Ende wuchs das gesamte Konvolut auf rund 2.500 Seiten an, von denen Teile sogar unkenntlich gewesen sein sollen. Kein Wunder, dass das für Diskussionen sorgt.
Auch der Mieterverein Witten übt Kritik: Vertreter Knut Unger bezweifelt, dass die Kosten für Hausmeister, Heizung und Gebäudeversicherung in den LEG-Abrechnungen korrekt sind. Besonders auffällig: Die Gebäudeversicherungskosten sollen sich bei dem Konzern innerhalb von fünf Jahren etwa verdreifacht haben. Maximilian Fuhrmann vom Deutschen Mieterbund NRW geht sogar noch weiter und sagt, die Belege der LEG seien in keiner Stadt vollständig oder korrekt. Die LEG selbst weist die Vorwürfe zurück und beteuert, alle gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Wann die ersten Urteile fallen, ist laut Amtsgericht Witten aktuell nicht absehbar – und durch mögliche Berufungen könnte sich die Klärung noch lange hinziehen.
Der Fall aus Witten zeigt ziemlich deutlich: Augen auf bei der Nebenkostenabrechnung! Ihr müsst nicht einfach alles schlucken, was euch vorgelegt wird. Als Mieter habt ihr das Recht, Belege einzusehen und Unklarheiten zu hinterfragen. Wenn Positionen nicht nachvollziehbar sind oder Kosten sich plötzlich verdreifachen, solltet ihr genauer hinschauen.
Zum Glück müsst ihr euch mit sowas nicht allein rumschlagen. Laut immowelt.de kann ein Mieterschutzbund oder Mieterverein genau in solchen Situationen helfen. Typische Leistungen sind die Prüfung von Nebenkostenabrechnungen, Beratung bei Mieterhöhungen und Unterstützung bei Wohnungsmängeln oder Streit um die Mietkaution.
Die Mitgliedschaft kostet in der Regel zwischen 50 und 100 Euro pro Jahr – je nach Verein können Aufnahmegebühren und Zusatzleistungen variieren. Wichtig zu wissen: Eine Mitgliedschaft bedeutet nicht automatisch, dass ihr auch rechtsschutzversichert seid. Ob Anwalts- und Gerichtskosten übernommen werden, hängt vom jeweiligen Verein und den Versicherungsbedingungen ab. Bevor ihr beitretet, lohnt sich also ein genauer Blick auf Leistungsumfang, Wartezeiten und ob bestehende Konflikte überhaupt abgedeckt sind.
Praktisch: Viele Mietervereine unterstützen auch dabei, Schreiben an den Vermieter zu formulieren – zum Beispiel wenn eine Nebenkostenabrechnung beanstandet werden soll. Und auch bei der Dokumentation von Wohnungsmängeln können die Berater wertvolle Tipps geben.
Ob großer Immobilienkonzern oder kleiner Vermieter – Fehler in der Nebenkostenabrechnung können überall passieren. Wer seine Rechte kennt, Belege einfordert und im Zweifel Unterstützung bei einem Mieterverein sucht, ist klar im Vorteil. Denn am Ende gilt: Nicht jede Forderung, die auf dem Papier steht, ist automatisch rechtens.
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