Bodycams für Schiedsrichter: In Gelsenkirchen läuft ein Pilotprojekt gegen Gewalt im Amateurfußball. Kommt die Kamera-Technik auch bald an den Niederrhein?
Gelbe Karte, Rote Karte – und bald vielleicht auch eine Kamera am Schiedsrichter-Trikot? Was erstmal nach Zukunftsmusik klingt, ist in Gelsenkirchen schon Realität. Dort läuft seit dem Spieltag am 13. September ein Pilotprojekt, bei dem Schiedsrichter in der Kreisliga B kleine Bodycams tragen. Grund genug, mal zu schauen, was dahintersteckt und ob das Thema auch am Niederrhein ankommen könnte.
Leider ist Gewalt gegen Schiedsrichter im Amateurfußball kein Einzelfall. Wie fupa.net berichtet, wurden allein im Bereich des Fußballverbandes Niederrhein (FVN) in der vergangenen Saison 131 Spiele mit gewalttätigen Vorfällen gegen Schiedsrichter registriert – bei insgesamt 86.420 Partien. Das klingt erstmal nach wenig, macht aber im Schnitt mindestens einen Vorfall pro Spieltagswochenende aus. Von Beleidigungen über Bedrohungen bis zu körperlichen Angriffen ist laut fupa.net alles dabei.
Auch derwesten.de erinnert an mehrere Vorfälle aus diesem Jahr: Im September 2026 eskalierte nach einem Kreisliga-C-Spiel zwischen dem Ugarit FC und dem MSV Dortmund eine Situation im Dortmunder Hoeschpark, bei der ein Zuschauer einen Spieler mit einem Metallstuhl geschlagen haben soll und es zu einer größeren Auseinandersetzung kam. Auch in Siegen wurde im September ein Schiedsrichter laut derwesten.de bei einem Kreisliga-Spiel von einem Spieler angegangen und leicht verletzt.
In Gelsenkirchen läuft der Test als gemeinsames Projekt von DFB, FIFA und dem Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW). Wie derwesten.de erklärt, überschreibt die Kamera im Ruhemodus ständig die letzten 30 Sekunden – eine echte Aufnahme wird erst durch die Spielleitung ausgelöst. Dann speichert das Gerät zusätzlich die vorausgegangene halbe Minute. Ein Signalton und ein rotes Licht zeigen an, wenn aufgezeichnet wird. Datenschützer haben das Projekt bereits geprüft, Vereine informieren Spieler, Trainer und Betreuer vorab, und Schilder am Sportplatz weisen Zuschauer auf mögliche Aufnahmen hin. Andree Kruphölter, Vizepräsident Amateurfußball im FLVW, wird von derwesten.de mit den Worten zitiert, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter müssten sich darauf verlassen können, ihren Sport sicher ausüben zu können – und wenn Technik dabei helfen könne, solle man neue Wege gehen. Das Projekt läuft laut fupa.net bis zum Ende der Saison 2026/27 und wird wissenschaftlich begleitet. Dabei wird unter anderem untersucht, ob sich das Verhalten von Spielern, Trainern und Zuschauern verändert und ob es zu mehr Verwarnungen und Platzverweisen kommt.
Das Thema ist längst auch in der NRW-Landespolitik angekommen. Christos Katzidis, innenpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, nennt Bodycams laut fupa.net ein bewährtes Mittel: Sie würden schützen, aufklären und Schiedsrichtern ein Stück Sicherheit zurückgeben. Auch die anderen Fraktionen begrüßen den Test – allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Die Grünen pochen laut fupa.net auf klare Datenschutzregeln, die SPD will vor allem sehen, ob die Kameras Konflikte wirklich entschärfen können. Die FDP mahnt, neue Auflagen sollten das Ehrenamt nicht zusätzlich belasten. Spannend ist auch die Einschätzung von Patrick Schlüter, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in NRW: Er sieht in der Gewalt gegen Schiedsrichter laut fupa.net ein Spiegelbild gesellschaftlicher Entwicklungen und lobt besonders das sogenannte Pre-Recording der Bodycams – also die Aufzeichnung der Sekunden vor einer Eskalation. Eine solche Funktion fordert er übrigens auch für die Bodycams der Polizei.
Noch ist das Pilotprojekt auf die Kreisliga B in Gelsenkirchen beschränkt, doch die Diskussion, ob Bodycams auch am Niederrhein zum Einsatz kommen könnten, ist laut NRZ längst eröffnet. Der FVN setzt bislang zusätzlich auf andere Maßnahmen: Deeskalationslehrgänge, die Kapitänsregel und das DFB-STOPP-Konzept, mit dem Schiedsrichter eine Partie bei eskalierender Stimmung vorübergehend unterbrechen können. Außerdem gibt es laut fupa.net in jedem der zwölf Fußballkreise einen Konfliktbeauftragten sowie eine zentrale Anlaufstelle beim Westdeutschen Fußballverband für Gewalt-, Diskriminierungs- und Extremismusvorfälle. Ob die Bodycam tatsächlich bald auch bei euch auf dem Dorfplatz zum Standard gehört, hängt also stark davon ab, was die Auswertung aus Gelsenkirchen am Ende zeigt. Klar ist aber: Das Thema Schutz für Schiedsrichter bleibt am Ball – und zwar nicht nur in Westfalen.
Wir informieren dich regelmäßig über aktuelle Nachrichten, Staus und wichtigen Themen - ohne Dich zu nerven!