Zwei Männer kaufen eine Immobilie für 2 Millionen Euro – und landen fast in der Pleite. Vor dem Landgericht Köln läuft der Prozess gegen mutmaßliche…
Stell dir vor, du kaufst eine Immobilie für über zwei Millionen Euro – und stellst kurze Zeit später fest, dass hinter den frisch tapezierten Wänden nichts als Müll steckt. Genau das ist zwei Männern aus dem Münsterland passiert. Ihr Fall wird gerade vor dem Landgericht Köln verhandelt – und er zeigt, wie dreist Immobilienbetrug in der Praxis aussehen kann.1
Laut Anklage sollen die Beschuldigten ihre Immobilienbetrügereien über eine Firma mit Sitz in Leverkusen betrieben haben. Im Herbst 2021 soll in der Innenstadt von Marl ein Gebäude mit geplanten elf Wohneinheiten für den äußeren Anschein hergerichtet worden sein – neue Böden, frische Tapeten, saubere Wände. Alles ohne Baugenehmigung.1
Kurz darauf, im Januar 2022, wechselt das Objekt für 2,05 Millionen Euro den Besitzer. Käufer: ein Fliesenlegermeister und ein IT-Unternehmer aus dem Münsterland. Ihr Plan war eigentlich simpel – die Wohneinheiten zu Eigentumswohnungen machen und gewinnbringend weiterverkaufen. Doch die Realität sah ganz anders aus.1
Einer der beiden Käufer brachte es im Landgericht Köln auf den Punkt: „Wir haben im Endeffekt eine Ruine gekauft, wo Müll hinter dem Rigips war.“ Denn schon etwa zwei Wochen nach dem Notartermin zogen fast alle Mieter aus – nicht freiwillig, sondern weil die Stadt Marl die Nutzung des Gebäudes untersagt hatte. Und das ausgerechnet an dem Tag, an dem der Kaufvertrag unterzeichnet wurde.1
Die fehlende Baugenehmigung? Die Käufer hatten immer wieder nachgefragt. Einer der Angeklagten habe sie laut Aussage der Geschädigten stets vertröstet und versichert, man werde sich um alles kümmern. Tatsächlich passierte: nichts. Über Monate hinweg wurden die beiden hingehalten, bis der Kontakt irgendwann einfach abriss.1
Erst 2023 beauftragten die Käufer einen Baugutachter. Sein Urteil war eindeutig: erhebliche Mängel beim Brand- und Schallschutz sowie bei der Wärmedämmung. Um die Immobilie überhaupt bewohnbar zu machen, mussten die beiden Männer rund eine Million Euro nachschießen. Statt der geplanten elf Wohneinheiten gibt es jetzt noch neun – zwei davon sind Lagerräume. „Wir sind fast pleite gegangen an dem Objekt“, so einer der Betroffenen vor Gericht.1
Vor dem Landgericht Köln müssen sich insgesamt vier Männer und eine Frau verantworten, unter anderem wegen gewerbsmäßigen Betrugs mit Immobilien. Einer der Angeklagten soll dabei seine mitangeklagte Verlobte als Strohfrau für zwei Firmen eingesetzt haben. Sie war formell als Geschäftsführerin oder Gesellschafterin eingetragen – hatte mit dem operativen Geschäft aber angeblich nichts zu tun. In einer persönlichen Erklärung, die ihre Anwältin verlas, sagte sie: „Ich schäme mich sehr.“1
Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, bei Immobilienkäufen genau hinzuschauen – auch wenn alles auf den ersten Blick glänzt. Fehlende Baugenehmigungen, versiegelte Mängel hinter frischen Tapeten und leere Versprechen können am Ende existenzbedrohend werden. Der Prozess vor dem Landgericht Köln wird fortgesetzt.1
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