Tamara und Azad haben in Aachen mit rund 1.000 Gästen geheiratet – mit Davul-Trommeln, Henna-Zeremonie und Kreistanz.
Manche Liebesgeschichten beginnen an den unerwartetsten Orten – und genau das macht sie so besonders. Tamara Türkdoğan und Azad Karaca haben sich vor fünf Jahren in Tamaras eigenem Kiosk in Aachen kennengelernt. Aus einer Freundschaft wurde Liebe, und jetzt haben die beiden mit rund 1.000 Gästen eine türkisch-kurdische Mega-Hochzeit gefeiert, die so schnell niemand vergessen wird. 1
Der große Tag beginnt für Tamara um 8 Uhr morgens – mit einem Stylist, der im Wohnzimmer ihrer Eltern im fünften Stockwerk eines Hochhauses anrückt. Die 27-Jährige hat ein ganzes Jahr lang auf diesen Moment hingefiebert. Kein Wunder, denn für sie gilt: „Das ist der wichtigste Tag in meinem Leben, da sollen gerne viele Leute mitfeiern.“1
Tamara und Azad sind beide in Aachen geboren. Ihre Familie kommt aus Griechenland und der Türkei, seine Familie gehört zu den Kurden. Und in ihrem Kulturkreis sind große Hochzeiten ganz normal: Eingeladen werden keine einzelnen Personen, sondern ganze Familien. Keiner soll sich ausgeschlossen fühlen – Familienfrieden geht vor. Wie viele Gäste es am Ende genau waren? Das weiß eigentlich keiner so ganz genau – und das Brautpaar kennt auch nicht alle davon.1
Bevor die Feier so richtig startet, gehört die traditionelle Brautabholung zum Programm. Tamaras Bruder Cem bindet ihr ein rotes Band um die Taille – als Symbol für Glück und Segen. Azad muss sich den Weg zur Braut erst freikaufen: Mit einem Geldgeschenk öffnet sich die Tür für ihn. Draußen warten schon die Davul-Trommler und der Klang der Zurna-Flöte, und die ersten rund 50 Gäste tanzen bereits vor der Haustür. 1
Danach geht es im hupenden Autokonvoi zur Location: das Aachener Event Center in Würselen. Dort werden solche großen Hochzeiten laut dem Leiter des Event Centers, Furkan Günez, alle drei bis vier Wochen gefeiert. Statt Buffet gibt es ein Tellergericht – dünnes Fladenbrot, ein halbes Hähnchen, saure Gurken und Knoblauch-Sauce. Der Grund ist simpel: „Ein Buffet bei mehr als 500 Gästen würde Chaos geben.“ 1
Ab 20 Uhr ist die Party dann voll im Gange. Gäste aus dem Ruhrgebiet, aus Belgien und Frankreich tanzen in glitzernden Kleidern und schicken Anzügen. Den Auftakt macht ein riesiger Kreistanz – alle halten sich an den Händen. Das symbolisiert den Zusammenhalt. „Früher wurde im Kreis ums Feuer getanzt, um die bösen Geister zu vertreiben“, erklärt der Freund des Brautvaters, Delil Düztaş.1
Dann übernimmt ein Musiker mit der Kemence – einer Art Geige, die es schon seit über 1.000 Jahren gibt. Da die Familie des Bräutigams aus der Provinz Mardin im Südosten der Türkei stammt, gehört das typische Schulterzittern beim Tanzen dazu. Eine schweißtreibende Angelegenheit, aber ein echter Hingucker!1
Besonders emotional wird es bei der Henna-Zeremonie. Tamara hat dafür ein rotes Kleid angezogen – Farbe der Liebe und Fruchtbarkeit. Die Henna-Paste wird ihr auf die Hand gemalt, symbolisch nimmt sie so Abschied vom Elternhaus. „Erst ist es ein melancholischer Moment, dann ein fröhlicher. Unsere Feiern sind sehr emotional“, sagt Tamara.1
Am Ende des Abends legt der DJ aktuelle Popsongs auf – und die kommen genauso gut an wie die traditionellen Klänge zuvor. Tamara und Azad feiern zusammen mit den ausdauerndsten Gästen bis in die frühen Morgenstunden. Diese Hochzeit ist der beste Beweis: Wenn Kulturen zusammenkommen, entstehen die schönsten Feste. Azad bringt es selbst auf den Punkt: „Wir sind stolz auf unsere kulturellen Bräuche!“1
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