Die deutschen Gasspeicher sind nur halb voll – reicht das für den Winter? Wir erklären die Lage und was du jetzt für deinen Gasvertrag tun solltest.
Wenn du mit Gas heizt, solltest du jetzt aufhorchen: Die deutschen Gasspeicher sind aktuell nur zu gut 55 Prozent gefüllt – das sind rund 136 Terawattstunden. Klingt erstmal abstrakt, hat aber ganz konkrete Auswirkungen auf deinen Geldbeutel. Das Vergleichsportal Verivox rechnet nämlich mit Gaspreiserhöhungen von bis zu 20 Prozent zum Jahreswechsel. Oha.1
Das hat vor allem wirtschaftliche Gründe. Normalerweise kaufen Gashändler im Sommer günstig ein, lagern das Gas und verkaufen es im Winter teurer. Dieses Modell funktioniert aber nur, wenn der Preisunterschied groß genug ist. Und genau das ist gerade das Problem: Durch den Krieg im Nahen Osten sind die europäischen Großhandelspreise stark gestiegen. Eine Megawattstunde Gas kostet derzeit mehr als 70 Euro – vor Beginn des Iran-Kriegs waren es nur gut 30 Euro. Für Händler lohnt sich das Einspeichern also kaum.1
Die Bundesnetzagentur sieht erstmal keinen Grund zur Panik. Behördenchef Klaus Müller betonte, dass bereits jetzt mehr Gas eingespeichert sei, als im gesamten letzten Winterhalbjahr entnommen wurde. Gesetzlich vorgeschrieben ist übrigens ein Füllstand von mindestens 80 Prozent zum 1. November für die meisten Speicher.1
Der Gasspeicherverband INES rechnet damit, dass bis zum 1. November technisch noch rund 77 Prozent erreichbar wären – wenn das Einspeicherungstempo deutlich steigt. Bei einem milden oder durchschnittlich kalten Winter wäre die Versorgung damit gesichert. Die Speicher wären Anfang April noch zu etwa 38 Prozent gefüllt. Bei einem extrem kalten Winter – wie Deutschland ihn zuletzt 2010 erlebt hat – könnten aber selbst 77 Prozent nicht ausreichen. Im Januar wären dann an einzelnen Tagen erhebliche Fehlmengen möglich.1
Wichtig zu wissen: Selbst wenn die Speicher leer laufen, bedeutet das nicht, dass du frierst. Deutschland importiert auch im Winter laufend Gas – vor allem aus Norwegen sowie über die Niederlande und Belgien. Ein Teil davon ist Flüssigerdgas (LNG), das per Tankschiff nach Europa und dann über deutsche Terminals ins Netz kommt. Die Speicher sind vor allem dafür da, kurzfristige Verbrauchsspitzen an besonders kalten Tagen abzufedern.1
Und falls es doch zu einer Gasmangellage kommen sollte: Private Haushalte, Krankenhäuser und Pflegeheime sind besonders geschützt. Zuerst müssten Industriebetriebe ihren Verbrauch drosseln oder auf andere Energieträger umsteigen. Die Bundesnetzagentur würde im Notfall regeln, wer noch versorgt wird – und Privatleute stehen dabei ganz oben auf der Liste.1
Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, macht klar: Niedrige Speicherstände können für Privathaushalte höhere Energiepreise bedeuten. Verivox-Energieexperte Thorsten Storck ergänzt, dass Neukundenpreise die Großhandelspreise bereits stark widerspiegeln – seit Februar haben sie um über ein Drittel angezogen. Bestandskundentarife ziehen langsamer nach, aber sie ziehen nach.1
Die Lage ist nicht dramatisch, aber auch nicht entspannt. Die Gasspeicher sind halb voll – und ob das reicht, hängt stark vom Wetter ab. Was du aber schon jetzt tun kannst: deinen Gasvertrag checken, Tarife vergleichen und das Heizverhalten im Blick behalten. Denn wer vorbereitet ist, spart am Ende bares Geld – und friert nicht in der Winterkälte.1
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