Zehntausende bei Gen-Z-Protesten in Deutschland: In Köln und Hamburg eskalierte die Lage mit Wasserwerfern und Barrikaden, anderswo blieb’s friedlich.
Samstag war echt was los in Deutschland: Mehrere Zehntausend Menschen sind bundesweit auf die Straße gegangen – Teil der Jugendproteste unter dem Motto „Gen Z regelt“.1 Aufgerufen hatte die gleichnamige Initiative, und die Forderungen sind ziemlich klar: mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, was gegen die steigenden Lebenshaltungskosten, mehr soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz. Eine Wehrpflicht? Nein danke, genau wie mehr staatliche Überwachung.1
Am Nachmittag waren die Teilnehmerzahlen erstmal kleiner als erwartet, zogen dann aber richtig an. Auf der Homepage von „Gen Z regelt“ konnten Leute per Mausklick angeben, dass sie dabei sein wollen – bis 16:30 Uhr hatten das schon über 183.900 Menschen gemacht. Die offiziell angemeldeten Zahlen in den Städten lagen allerdings deutlich darunter. Die Initiative selbst sprach aus zunächst 12 Städten von mehr als 68.000 Teilnehmenden.1
In Köln wurde es richtig hitzig. Wegen Vermummung und Pyrotechnik hat die Polizei den Demonstrationszug kurzfristig abgesagt. „Die Demo wird als Standkundgebung weitergehen“, hieß es von einer Polizeisprecherin. Danach kamen sogar Wasserwerfer zum Einsatz, weil Pyrotechnik Richtung Polizei geflogen ist.1
Auch in Frankfurt und Stuttgart musste die Polizei eingreifen – mal wegen Pyrotechnik und vermummten Teilnehmenden, mal weil Leute von der offiziellen Route abgewichen sind.1
Bis zum späten Nachmittag lief in Hamburg eigentlich alles friedlich – dann kippte die Stimmung. Die Demo wurde offiziell beendet, im Stadtteil St. Georg brannten Barrikaden. Die Polizei wurde mit Flaschen und sogar Pflastersteinen angegriffen, teils von Vermummten. Zum Löschen kamen Wasserwerfer zum Einsatz.1
In Bremen lief’s ähnlich: Nach dem offiziellen Ende der Demo flogen Böller und Flaschen, es gab polizeifeindliche Parolen. Die Polizei kesselte Teilnehmende ein, eine Mülltonne brannte, mehrere Vermummte wurden verfolgt.1
In Berlin blieb’s bei mehreren Tausend Teilnehmenden größtenteils friedlich – bis auf einen separaten Demonstrationszug rund um den Rosenthaler Platz mit einigen hundert Leuten aus der linksradikalen Szene. Dort flogen Böller und ein Feuerwerkskörper ging hoch, außerdem gab’s vereinzelte Eier- und Flaschenwürfe.1
Leipzig blieb größtenteils ruhig, auch wenn Pyrotechnik abgefeuert wurde. Nach dem offiziellen Ende lieferten sich Teilnehmende und Polizei ein Katz-und-Maus-Spiel, eine Straße nach Connewitz wurde abgesperrt. In Hannover flog vereinzelt Pyrotechnik, ansonsten war’s friedlich.1
Die Sicherheitsbehörden des Bundes hatten vorher keine konkreten Hinweise auf geplante Gewalt. Trotzdem hatten sich laut einer Sprecherin des Innenministeriums „Teile der linksextremistischen Szene sowie vereinzelt Gruppierungen aus dem auslandsbezogenen Extremismus“ den Aufrufen angeschlossen.1
Die Organisatoren von „Gen Z regelt“ waren von der Fokussierung auf das Gewalt-Thema ziemlich genervt. Einer von ihnen sagte: „Das zeigt ja, dass unser Punkt, dass wir nicht ernst genommen werden und nicht gehört werden, auch stimmt. Denn keiner will sich mit uns um die Inhalte kümmern, sondern es ist immer nur das Thema Gewalt auf der Agenda.“1
Unterm Strich waren die Proteste in den meisten der über 30 Städte überwiegend friedlich – auch wenn die Bilder aus Hamburg und Köln natürlich hängen bleiben. Klar ist: Die Gen Z hat ihre Anliegen laut und deutlich auf die Straße gebracht, auch wenn die Debatte danach vor allem um Randale und Polizeieinsätze kreiste statt um die eigentlichen Forderungen.
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