Nihada Music aus Essen erkrankte an Zungenkrebs und lernte trotzdem wieder sprechen. Ihre Mutmacher-Geschichte zeigt, wie viel man mit Willenskraft erreichen…
Es gibt Geschichten, die einem einfach den Atem verschlagen – und die von Nihada Music aus Essen ist definitiv eine davon. Die heute 40-Jährige erkrankte vor 17 Jahren an einem bösartigen Mundhöhlen- und Zungentumor – und das, während sie gerade mit ihrem ersten Sohn schwanger war. Was folgte, war ein langer, harter Kampf, den Nihada mit unglaublicher Stärke gemeistert hat.1
Die Diagnose war brutal: Zunge und ein Großteil des Gewebes im Mund mussten entnommen werden. Strahlentherapie und mehrere Operationen retteten ihr das Leben – hinterließen aber schwere Spuren. Nihada konnte nicht mehr sprechen, ihr Gesicht war geschwollen und verbrannt. Die Prognose der Ärzte war düster: Sie werde nie wieder deutlich sprechen oder richtig schlucken können. Die Mediziner empfahlen ihr sogar, Gebärdensprache zu lernen.1
Doch dann passierte etwas, das alle überraschte. Chirurgen der Evangelischen Kliniken Essen-Mitte formten aus der Haut ihres Rippenbogens einen neuen Zungenboden – ein Stück, das die fehlende Zunge und das herausoperierte Gewebe ersetzen sollte. Und Nihada? Sie lernte tatsächlich wieder sprechen und schlucken. Ein kleines medizinisches Wunder, wie sie selbst sagt.1
Nihadas Sohn Daris ist heute 16 Jahre alt und hat die Krankheit seiner Mutter von Geburt an miterlebt. Er bemerkt die Nachwirkungen bis heute – zum Beispiel, dass seine Mutter nur Püriertes essen kann. Aber geschämt hat er sich für sie nie. „Das hat mich nicht gejuckt, eher genervt, was die Leute über Menschen mit Krankheiten denken“, sagt er. Diese Haltung? Absolut bewundernswert.1
Als wäre der Kampf gegen den Zungenkrebs nicht schon genug gewesen, folgte vor fünf Jahren der nächste Schlag. Nihada wurde erneut schwanger – und als Spätfolge der Strahlentherapie, verstärkt durch die neuen Schwangerschaftshormone, fielen ihr die Zähne aus. Ihr Gesicht fiel ein, sie konnte kaum reden. Die Angst, wieder angestarrt zu werden, war zurück.1
Doch auch dieses Mal gaben die Ärzte der Evangelischen Kliniken Essen-Mitte nicht auf. Das Implantatzentrum fertigte aufwendige Prothesen an – zehn Implantate in Ober- und Unterkiefer halten heute ihre Gebisse. Thomas Weischer, Leiter des Zentrums für Implantologie und Oralchirurgie, beschreibt es als besondere Herausforderung: „Der Mundraum war wegen des Krebses unheimlich eng geworden. Da kann man viel rekonstruieren, aber es wird natürlich nie wie vorher. Das ist dann auch für den behandelnden Arzt ein Hochgefühl, wenn man einer Frau zum zweiten Mal so viel Lebensqualität zurückgeben kann.“1
Nihada kommt alle drei Monate zur Kontrolle – und ihr Gesicht strahlt. Sie spricht, nicht wie vor dem Krebs, aber deutlich. Auf dem Spielplatz schaut sie ihrer vierjährigen Tochter Ajna beim Schaukeln zu – eine Szene, die vor Jahren undenkbar schien.1
Mit ihrer Geschichte will Nihada anderen Menschen Mut machen, die vielleicht gerade selbst am Anfang eines schweren Kampfes stehen. Ihre Botschaft ist klar und direkt: „Ihr schafft das, wenn ihr an euch glaubt.“ Und wer Nihadas Geschichte kennt, dem fällt es schwer, daran zu zweifeln.1
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