In der Paderborner St. Louise Klinik ist ein Frühgeborenes nach einer Bakterien-Infektion an Sepsis gestorben. Alle Infos zum erschütternden Fall aus NRW.
Eine traurige Nachricht aus Paderborn erschüttert gerade ganz NRW: In der St. Louise Frauen- und Kinderklinik ist ein Frühgeborenes nach einer Infektion mit einem Enterobacter-Bakterium gestorben. Das Kind erlag einer Sepsis – also einer Blutvergiftung. Insgesamt vier Kinder auf der Frühchenstation sind mit dem Erreger infiziert.1
Das Bakterium wurde in der neonatologischen Intensivstation der Paderborner Klinik festgestellt – dort, wo die Kleinsten und Verletzlichsten versorgt werden. Neben dem verstorbenen Kind befand sich ein weiterer Säugling zunächst in einem kritischen Zustand. Laut aktueller Mitteilung der Klinik hat sich der Gesundheitszustand dieses Kindes inzwischen verbessert – außer Lebensgefahr sei das Kind aber noch nicht. Bei zwei weiteren Kindern wurde der Erreger nachgewiesen, ohne dass sie aktuell entsprechende Symptome zeigen.1
Die Klinikleitung hat sich mit tiefer Betroffenheit geäußert. Geschäftsführer Markus Funk und Bernadette M. Putz erklärten: „Der Tod des Kindes erschüttert uns sehr. Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten den Eltern und Angehörigen.“1
Das Risiko für Frühgeborene ist laut Robert Koch-Institut (RKI) besonders hoch, weil ihr Immunsystem noch nicht vollständig entwickelt ist. Dazu kommt: Durch Zugänge und Katheter, die im Rahmen der intensivmedizinischen Behandlung notwendig sind, haben Bakterien mehr Möglichkeiten, in Bereiche des Körpers zu gelangen, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben.1
Eine gute Nachricht in diesem schwierigen Fall: Bei dem nachgewiesenen Erreger handelt es sich laut Klinik nicht um einen multiresistenten Keim. Das bedeutet, es gibt bessere Behandlungsmöglichkeiten. Zur Einordnung: Multiresistente Bakterien sind laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gegen mehrere Antibiotikaklassen unempfindlich – das macht die Behandlung deutlich schwieriger. Solche Resistenzen waren laut WHO-Schätzungen im Jahr 2021 weltweit mit mehr als 4,7 Millionen Todesfällen verbunden.1
Die Suche nach der Ursache der Infektion läuft noch. Interessant dabei: Bei der Erstaufnahme der Kinder wurde zunächst kein Erreger nachgewiesen – erst im weiteren Verlauf wurde er festgestellt. Deshalb werden jetzt verschiedene Übertragungswege untersucht. Außerdem wird geprüft, ob alle betroffenen Kinder denselben Erreger haben.1
Derzeit werden keine neuen Kinder auf die Station aufgenommen. Die Notfallversorgung bleibt aber sichergestellt. Die Klinik arbeitet eng mit dem Gesundheitsamt, der Krankenhaushygiene und der Mikrobiologie zusammen. Auch die Polizei wurde informiert – das sei jedoch ein Standardprozedere, wie ein Polizeisprecher erklärte.1
Leider ist der Paderborner Fall kein Einzelfall. Erst im April dieses Jahres starb in Bremen ein Frühgeborenes nach einer Infektion mit dem Bakterium Serratia marcescens – einem Erreger, der für gesunde Menschen meist harmlos ist, für Frühchen aber lebensbedrohlich werden kann. In Bremen waren insgesamt drei Kinder betroffen. Und auch in NRW selbst gab es bereits 2017 einen vergleichbaren Fall: Im Evangelischen Krankenhaus in Lippstadt starb ein drei Wochen altes Frühgeborenes nach einer Infektion – weitere Neugeborene waren ebenfalls infiziert.1
Solche Fälle machen deutlich, wie verletzlich Frühgeborene sind und wie wichtig strenge Hygienemaßnahmen in Kliniken sind. Die St. Louise Klinik in Paderborn hat die Sicherheits- und Hygienestandards bereits deutlich erhöht. Wir bei Antenne NRW halten euch auf dem Laufenden, sobald es neue Erkenntnisse gibt. Unsere Gedanken sind bei der Familie des verstorbenen Kindes und allen betroffenen Eltern.1
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