Rafael Sauer ist Köbes im Kölner Brauhaus „Em Golde Kappes
Es gibt Jobs – und dann gibt es Berufungen. Rafael Sauer, Köbes im Brauhaus Früh „Em Golde Kappes“ in Nippes, weiß genau, auf welcher Seite er steht. Seit über 30 Jahren trägt er den Kölschkranz durch das Brauhaus, und seine Begeisterung für den Job ist ungebrochen. Was ihn antreibt? Die Menschen, die Geschichten und das echte, ungefilterte Leben – direkt am Tisch serviert.1
„Du bist für die Gäste ein Kumpel, ein Psychiater, ein Priester“, sagt Rafael Sauer über seinen Alltag als Köbes. Kein Tag gleicht dem anderen, und genau das macht den Reiz aus. Als sogenannter Oberköbes ist er außerdem Bindeglied zwischen dem Restaurantleiter und der gesamten Köbes-Mannschaft – zusätzlich zu seinen ganz normalen Köbes-Pflichten.1
Was das in der Praxis bedeutet? Rafael erzählt von einer der berührendsten Geschichten aus seinem Berufsleben: Ein altes Mütterchen saß regelmäßig alleine an Tisch 15, ihr Mann war verstorben. Dann kam eines Tages eine andere Witwe an die Tür – sie traute sich kaum herein. Rafael überredete sie, ihren Mut zusammenzunehmen, und setzte sie genau an Tisch 15. Aus der Begegnung wurde eine echte Freundschaft, die beiden Frauen fuhren sogar gemeinsam in den Urlaub. „Das ist die Aufgabe eines Köbes“, sagt er.1
So viel Herzblut hat aber auch seinen Preis. Den Job kannst du nicht einfach am Tresen lassen. Nach Spätdiensten schläft Rafael nicht direkt ein – der Adrenalinspiegel ist zu hoch. Seine Routine: duschen, auf den Balkon setzen, ein Bierchen trinken, eine Zigarette rauchen und alles Revue passieren lassen. Erst nach etwa einer Stunde kommt er runter. „Nach 30 Jahren ist das immer noch so“, sagt er. „Du kannst den Job nicht einfach abhaken.“1
Früher durfte ein Köbes ein bisschen „deftiger“ sein. Kosenamen wie „Liebelein“, „Schätzelein“ oder ein herzhaftes „Halt den Ball flach, Fleischmütz, ich komme gleich!“ gehörten zur kölschen Brauhaus-Kultur dazu – und wurden von den Gästen geliebt. Heute wäre das ein Fall für die Rezensionen-Abteilung.1
Denn genau das ist ein weiterer Wandel, den Rafael beobachtet: Online-Bewertungen. Wer fünf Minuten länger auf sein Kölsch wartet, schreibt schnell eine Ein-Stern-Bewertung. Wer einen wunderbaren Abend im Brauhaus verbracht hat? Der macht sich meistens nicht die Mühe, das auch zu schreiben. „Das macht schon was mit einem“, gibt Rafael zu.1
Hinzu kommt: Immer mehr Menschen ziehen nach Köln, die mit der kölschen Mentalität nicht aufgewachsen sind. Die Erwartungshaltung – vor allem bei internationalen Gästen – ist eine andere geworden. Was früher selbstverständlich war, muss heute erklärt und manchmal sogar verteidigt werden.1
Rafael macht sich Sorgen um die Zukunft seines Berufs. Nachwuchs ist rar. Die Arbeitszeiten – immer dann, wenn andere frei haben – schrecken viele ab. „Geborene Köbesse und Urgesteine werden natürlich immer weniger“, sagt er. Und der Trend zur Vier-Tage-Woche lässt sich in der Gastronomie nun mal nur schwer umsetzen.1
Trotzdem: Aufhören? Kommt für Rafael nicht infrage. So lange wie möglich will er als Köbes arbeiten. Seinen einzigen Wunsch hat er dabei schon formuliert: Sollte er mit 67 noch mit dem Kranz durchs Brauhaus laufen, möge die Firma Früh bitte einen Rollator organisieren.1
Die Geschichte von Rafael Sauer zeigt, was einen echten Köbes ausmacht: Leidenschaft, Empathie und eine tiefe Verbundenheit mit der kölschen Kultur. Wenn du mehr über das Brauhaus-Leben erfahren willst oder selbst mal ins „Em Golde Kappes“ nach Nippes schauen möchtest – solche Begegnungen und Geschichten gibt es nur vor Ort. Prost!
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