Kölns Museen stehen vor einer Mega-Krise: Peter Jungen warnt, dass Philharmonie und Museum Ludwig vor der Schließung stehen könnten – und OB Burmester unter…
Wir haben euch bereits berichtet, dass Kölner Kunstschätze für Jahre in geheimen Depots verschwinden, während das Römisch-Germanische Museum für voraussichtlich zehn Jahre schließt. Jetzt gibt es ein knallhartes Update – und das hat es in sich. Peter Jungen, Unternehmer und Vorsitzender des Wallraf-Stifterrats, rechnet im Interview mit der Kölnischen Rundschau offen mit der Kulturpolitik der Stadt Köln ab. Sein Urteil: Die Lage ist ernst, die Verantwortung liegt klar auf dem Tisch – und der neue Oberbürgermeister Torsten Burmester wird nicht drum herumkommen.1
Immerhin eine gute Nachricht vorweg: Beim Erweiterungsbau des Wallraf-Richartz-Museums läuft es nach Plan. Nach dem Spatenstich 2024 und der Grundsteinlegung 2025 soll im Herbst nächsten Jahres das Richtfest gefeiert werden. Laut Jungen war die Schlüsselentscheidung, einen externen Projektmanager durchzusetzen – nämlich Professor Volm. Diese Entscheidung wurde 2022 gemeinsam von Oberbürgermeisterin Reker, dem Beigeordneten Greitemann und Jungen getroffen.1
Und das Spannende daran: Gleichzeitig wird das Projektmanagement des Erweiterungsbaus mit dem der Generalinstandsetzung des Ungers-Baus in einer Hand gebündelt. Warum? Ganz einfach – sonst könnte der neue Erweiterungsbau fertig sein, während der Ungers-Bau, der gleichzeitig der einzige Zugang zum Erweiterungsbau ist, noch halb saniert vor sich hin dümpelt.1
Jetzt kommt der Teil, der wirklich aufregt. Jungen kritisiert scharf, dass die Stadt Köln nach dem Prinzip arbeitet: „Wir lassen das laufen, bis was passiert.“ Eine systematische Generalinstandhaltungsstrategie? Fehlanzeige. Das Römisch-Germanische Museum – der Inbegriff der römischen Stadtgründung Kölns – steht für wahrscheinlich zehn Jahre leer. Jungen nennt das ohne Umschweife „eine kulturelle Katastrophe“ und einen Vergleich mit anderen Metropolen bringt er direkt: In New York käme seiner Einschätzung nach niemand auf die Idee, ein solches Haus so lange zu schließen.1
Die Verantwortung dafür? Liegt laut Jungen klar beim Kulturdezernat. Es hätte der Gebäudewirtschaft die nötigen Vorgaben machen müssen. Stattdessen hat er in der Verwaltung E-Mails gesehen, die sich wie ein roter Faden durch ein Thema ziehen – mit dem immer gleichen Tenor: „Ich bin nicht zuständig.“1
Das ist die neue, alarmierende Entwicklung: Als nächste große Baustellen stehen die Kölner Philharmonie und das Museum Ludwig an. Noch-Oberbürgermeisterin Reker hatte das Thema zum Ende ihrer Amtszeit „depriorisiert“. Und jetzt? Jungen ist unmissverständlich: „Herr Burmester ist der Oberbürgermeister, dem das alles um die Ohren fliegen wird.“1
Eine Schließung dieser beiden Häuser für eine Generalinstandsetzung hält Jungen für möglicherweise nicht mehr vermeidbar – je länger man wartet, desto größer wird das Problem. Und eine solche Schließung könnte für das Museum Ludwig und die Philharmonie, die beide einen exzellenten Ruf genießen, einem Todesstoß gleichkommen. Ausweichquartiere wären kaum zu finden, die Einnahmeverluste immens.1
Außerdem warnt Jungen davor, dass irgendwann – wie beim Römisch-Germanischen Museum – eine Landesbehörde eingreift und die Betriebserlaubnis schlicht für erloschen erklärt, ohne Rücksicht auf die Gefühle der Stadt.1
Jungen geht sogar noch weiter: Die Stadt Köln könnte schlicht überfordert sein, all ihre Kultureinrichtungen dauerhaft selbst zu unterhalten. Sein Gedankenspiel – das er selbst als „nicht sehr populär“ bezeichnet – lautet, ob man mit dem Land Nordrhein-Westfalen über einzelne Einrichtungen sprechen sollte. NRW-Kulturministerin Ina Brandes sei laut Jungen erfreulich oft in Köln zu sehen. Vielleicht eine Chance für neue Gespräche über Zuständigkeiten und Finanzierung?1
Das Fazit aus diesem Interview ist eindeutig: Die Krise der Kölner Museen ist kein neues Thema – aber sie spitzt sich zu. Der neue Oberbürgermeister Torsten Burmester wird nicht die Wahl haben, das Problem zu ignorieren. Wir bleiben für euch dran und halten euch auf dem Laufenden, wie sich die Lage rund um Kölns Kulturschätze entwickelt. Schließlich geht es hier um das historische Erbe einer ganzen Stadt – und das gehört uns allen.1
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